Alpenfliegen in den Osterferien

Ich hatte fast vergessen, wie schön Segelfliegen eigentlich ist. Klar, ich bin den Winter über hin und wieder geflogen, bin auch im Flachland dieses Jahr schon ein paarmal in der Thermik herumgeheizt, aber was ich in den vergangenen eineinhalb Wochen erlebt habe, übertraf einfach alles…

Meistens alleine im Discus 2c, doch auch einmal mit Jan und einmal mit Martin im Duo Discus, hatte ich die Gelegenheit, die Alpen vom Dachstein über Mauterndorf und Lienz im Osten bis ins Engadin und das Paznauntal im Westen zu durchfliegen.

Insgesamt blicke ich auf acht Streckenflüge in neun Tagen zurück (ein Tag Pause musste einfach sein), dabei auf 41 Flugstunden und 3190 Streckenkilometer.

Bei dieser Flut von intensiven Eindrücken und Erlebnissen ist es zunächst besser, einfach Bilder für sich sprechen zu lassen; kurze Berichte und ausführliche Bildergalerien für jeden Flug werden folgen.

Hier eine Slideshow, die ich heute Vormittag (nach einem gemütlichen Ausschlafen) zusammengebastelt habe:

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Endlich wieder in die Berge

Habt ein bisschen Geduld… Leider muss ich im Moment noch fliegen.

Es ist seit Montag eine tolle Wetterperiode über den Alpen, die mir das Schreiben und sortieren der vielen Fotos unmöglich macht. Wahrscheinlich gibt es ab dem Wochenende Berichte und Fotos über

– Jans und meinen 363 km – Flug am Montag

– Meinen 582 km- Flug am Dienstag

– Den Spazierflug mit meiner Mutter am Mittwoch

– Dem Flug, der mich heute vielleicht über die 600 km trägt

– Und den Dingen, die noch kommen mögen, solange das Hochdruckwetter über den Alpen bleibt.
Bis dahin nur noch ganz kurz ein paar Bilder aus den vergangenen Tagen, denn gleich muss ich zum Briefing.

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Low save

Der Link zum Flug!

Gestern hab ich eine Tiefflugübung gemacht. Ziemlich unfreiwillig.

Der Wetterbericht für den Samstag war in den Vortagen nicht besonders eindeutig gewesen: Von „mäßig“ bis „kaum nutzbar“ gingen die Thermikvorhersagen auseinander. Trotzdem blieb ich in der Nacht von Freitag auf Samstag am Flugplatz, in der Hoffnung, doch irgendwie ein bisschen fliegen zu können.

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Man sieht es schon im Hintergrund: Das frühe Aufstehen hatte sich keineswegs gelohnt und ein dichter, grauer Himmel verhinderte jeden Gedanken an einen halbwegs frühen Start. Trotzdem bereitete ich den Discus 2c vor: schließlich wollte ich die Kabinenbelüftung, die ich am letzten Regenwochenende modifiziert hatte, testfliegen.

Ich half Sascha und Dieter dabei, zwei weitere Flugzeuge aufzurüsten und verbrachte die frühen Mittagsstunden ziemlich unschlüssig. Alle paar Minuten blickte ich zum Himmel. Der wurde und wurde einfach nicht heller.

Die ersten Schulflugzeuge starteten und wir werkelten ein bisschen an Leitwerk und Cockpit der LS 4 herum.

Um zwei Uhr wurde mir das alles zu doof. Ich stellte mich einfach mal in die Startreihe. Es hatten sich ein paar winzige blaue Löcher aufgetan. Ganz sicher geht´s irgendwo hoch.

Um 14:30 katapultierte mich die kräftige Elektrowinde in die Luft. Zwanzig Sekunden später und 380 m höher. Die Flugsicht war mehr als bescheiden:imgp1646

Ich war nicht mal überrascht, als es dann tatsächlich leicht außerhalb der Platzrunde zu tragen begann. Etwa 0,5 m/s Steigen konnte ich festnageln und zog mich daran nach oben. Bald wurde einer, dann 1,5 Meter daraus. Ich liebe Segelfliegen.

Die schwammigen CU-Wolken hatten zwar, wie ich nach einigen erfolgslosen Kreisen herausfand, nichts mit der Thermik zu tun, aber in deren Höhe von 1400 m über dem Meer (nur 800 über Grund) war trotzdem Schluss.

Der Wind pustete mäßig aus Nordosten, und die einzige Möglichkeit, heute ein Stück mehr von der Welt zu sehen als die Platzrunde, sah ich in der anderen Richtung. Also flog ich mit dem Wind fort nach Südwesten.

Ich merkte schnell, dass das Thermikfinden an diesem Tag oft Zufall war. Vielleicht fand ich deswegen keine mehr. Über Penzberg einige Kreise in schwachem Steigen, doch ich wollte weiter. Sicher geht es im Süden besser. Manchmal ein kleiner Lupfer, sonst nichts. Die bisher hübschesten Wolken des Tages über Sindelsdorf funktionierten nicht im Geringsten. Ich kam in etwa 500 m über dem Moor nördlich des Kochelsees an, fand nur zerrissene Steigböen, die ich nicht ausfliegen konnte, und geriet schließlich in eine stark sinkende Luftmasse unter den dortigen Quellwolken.

400 Meter. Minus drei pro Sekunde. Sollfahrt, drücken. Vielleicht hier drüben, an der Luvkante. Ein Lupfer, nein, wieder nichts. 350 Meter. Dann dort, über den freien Bodenflächen. Hier kann man prima landen, klar.

Noch könnte ich auch zum Privatflugplatz in Kochel hinübergleiten und komfortabel niedergehen. Aber dann müsste ich jetzt aufgeben, und wenn es irgendwo hochgeht, dann hier. Nein, lieber auf den Acker, und dafür noch zwei Minuten Thermik suchen.

(Diese Entscheidung hat mich nur zwei Sekunden gekostet.)

Ich ließ das Flugzeug die Thermik erfühlen, bemerkte behutsam jedes Flügelwackeln, jede Geschwindigkeitsänderung. Immer ein hoffnungsvoller Zieh-Impuls, wenn ein Stoß von unten kommt. Vorsichtig kreisen, ganz eng. Das Variometer blieb auf Null. Hier geht doch was. Noch ein, zwei, drei solche Kreise, ich sinke nicht mehr, steige noch nicht.

Da, ein Bussard. Ich bin 280 Meter über den Wiesenflächen nördlich des Kochelsees. 50 Meter südlich von mir dreht ein Bussard seine Kreise. Gerettet? Ich verlagere meinen eigenen Kreis, um den Bussard außenrum. Plus 0,5. Plus 1. Der Bussard findet mich ziemlich groß und relativ unelegant, aber er bleibt bei mir. „Mal sehen, ob er es hinbekommt, wo ich ihn doch jetzt schon gerettet habe“, scheint er zu sagen. imgp1641

Zwölf Minuten klammerte ich mich in dem schwachen Aufwind fest, und als ich immerhin wieder 600 Meter hoch gestiegen war, besaß ich den Mut, mir einen neuen, stärkeren Lift zu suchen.

Ich fand ein Stück weiter richtung Murnau, wo mich herrliche 2 bis 3 m/s auf unglaubliche 1700 m Höhe schossen. Jetzt war ich höher als die umgebenden Wolken, und vergaß für eine Weile alles. Ein Watte-Paradies mit den fantastischsten und chaotischsten Wolkenbildern, die man sich vorstellen kann. Der kurze Flugabschnitt zum Staffelsee zwischen den Wolken war einfach genial.

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Vom Staffelsee zog ich eine Linie entlang des östlichen Ufers des Starnberger Sees, die einigermaßen sicher zu befliegen aussah. Über den Osterseen zog ich einige Kreise in schwachem Steigen, um die Osterseen zu fotografieren, die im Moment ungewöhnliche Farben aufweisen:

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Kurz darauf fand ich wieder einen recht guten Aufwind bis 1500 m. Ich flog noch weiter nach Norden bis nahe Starnberg. Auf dem Rückweg verlor ich wieder den Anschluss an die Thermik und fand mich ziemlich tief bei Münsing wieder. Von Wolkenfetzen zu Wolkenfetzen tastete ich mich vor, den Gleitwinkel streckend, aber zum Steigen reichte es nicht. Wieder kam ich unter 300 m über Grund, diesmal wäre ich auf die hügeligen Wiesen östlich des Sees gegangen. Doch diesmal war ich mir sicher, wieder wegzukommen, weil ich noch viele Optionen zur Thermiksuche hatte. So bastelte ich mich wieder hoch und beschloss, auch als das Steigen wieder besser wurde, heimzufliegen. Ein dritter solcher Tiefpunkt ist nicht gut für meine Nerven, da kann das Fliegen so viel Spaß machen wie es will.

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Nicht ganz 100 km sind dabei herausgekommen, nicht ganz zwei Stunden hab ich dafür gebraucht. Nicht ganz mein Lieblingswetter, aber es hatte einen hohen Lerneffekt.

Und jetzt weiß ich wenigstens, dass Strohhalme in der Kabinenlüftung eine ziemlich gute Idee sind.

Neues aus Mindelheim

Das ist der Astir (und der Lasse).

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Wie man auf dem Bild sieht, ist das Flugzeug (im Gegensatz zum Lasse) ganz fürchterlich traurig. Das hat seine Gründe.

Es ist nämlich ein Astir CS.

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Der sieht zwar ziemlich putzig aus, aber steigen tut er trotzdem nicht.

Und dafür ärgern ihn immer alle. Und wegen seiner platten Nase. Und wegen seiner Gewichtsprobleme. Und weil er viel älter ist als die anderen Flugzeuge (und als die meisten seiner Piloten.)

Der Astir wird also gemobbt.

Die Herstellerfirma Grob allerdings hat dieses Problem nun behoben. Brandneu auf dem Markt, wurde gerade eben der erste

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an die Segelfluggruppe Isartal und den FSV Bad Tölz ausgeliefert.

Der Astir-2cxT ist eine neu überarbeitete Auflage des berühmten Trainingsflugzeuges.

Er verfügt über eine unübertroffene Schwerbauweise, einen wie gewohnt serienmäßigen, innovativen Doppelriss in der Kabinenhaube, ein Funkgerät mit vom Piloten individuell einstellbarer Sende- und Empfangsfrequenz, kein vollkommen neu entworfenes Cockpit, sehr gut entwickelte Sinkleistungen, und jetzt kommt die innovativste Neuerung, kein integriertes Vogelhäuschen.

Zusätzlich behauptet der Hersteller hartnäckig (auf meine Frage hin, was denn das „T“ im Namen bedeute), dass da auch „irgenwo noch´n Triebwerk drinne is, klar, ne?“

Zwar wurde die integrierte Heimkehrhilfe bisher weder getestet noch entdeckt, doch „Fliecht erst mal damit, un dann lous, nich.“

Das alles klingt nach völlig neuem Flug- und Landespaß. Wir dürfen gespannt sein…

Wer wird denn am 1. April alles glauben? Natürlich haben wir das Triebwerk in Wirklichkeit längst gefunden.

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Aller guten Dinge sind dreihundert

Der Link zum Flug!

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Wer sich ein bisschen auskennt, kann aus den Bildern sofort drei sehr, sehr schöne Dinge erkennen:

– Das Segelflugzeug befindet sich auf Kurs nach Nordosten, etwa 17 Kilometer nach dem Abflug von Königsdorf.

– Es ist etwas mehr als 1800 Meter über dem Meeresspiegel hoch.

(Und jetzt kommt das beste!)

– Es steigt im Geradeausflug bei 100 km/h imgp0146mit bis zu 3,5 Metern pro Sekunde nach oben.

Eine Sache dagegen ist dabei nicht ganz so erfreulich  (–>):

Die Temperatur beträgt weniger als minus 12 Grad Celsius.

Ach, was tut man nicht alles… Aber lasst mich erzählen, wie es zu all dem überhaupt gekommen ist.

Ich hatte so gehofft, dass nach dem etwas nassen Winter-Ende endlich einmal wieder ein Wetter kommt. Eins, mit dem man etwas sinnvolles anfangen kann, vielerlei sogar: Am Fluss Gitarre spielen, draußen sitzen, Eis essen, Jacken ausziehen und Thermik fliegen.imgp0124

Nachdem Hans mit seiner neuen Antares und ich mit zwei Fluggästen schon am Mittwoch einfach nicht anders konnten, als die ersten Fetzen von schwacher Frühlingsthermik auszufliegen, sah am vergangenen Freitag die Wettervorhersage für Samstag genügend gut aus, um meinen Kopf endgültig und unwiderruflich  in den „Sommer“-Modus zu bringen.

Mäßige Wolkenthermik, stand da.

Okay, im Sommer gähnen da manche, aber im März haut einen das so rapide aus dem Winterschlaf raus, dass man am Tag vor dem Flug auf einmal sehr hektisch nach seiner Sonnenbrille, seiner Flugkarte und seiner Streckenflugausrüstung sucht, die man allesamt im letzten Herbst traurig, aber bestimmt in die Ecke gelegt hatte.

Der Samstagmorgen begann weiß-grau. So ein Märzmorgen, bei dem sich der Nachbar (ein Fußgänger) empört zur Seite dreht, während der komische Pilot von nebenan um acht aus dem Bett hüpft und freudig „Entwicklung! Cumulanten!“ schreit. Da waren nämlich Quellwolken, und es war kein Geheimnis, dass in drei Stunden die Sonne herrliche Aufwinde zu ihnen hinaufschicken würde.

Um kurz nach neun war ich am Flugplatz. Hans, der mir das Fliegen damals beigebracht hat und jetzt für mich ein bisschen wie ein Trainer ist, war natürlich schon da. Kurze Zeit später hatten wir unsere beiden Flugzeuge aus den Anhängern gezogen und die Flügel montiert.

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Links Hans´ brandneue und brandheiße Antares „Sierra Charlie“, und rechts jener herrliche Discus 2c mit Rufnamen „2 Delta“, der mich dieses Jahr bei allerlei Wettbewerben und Abenteuern tragen wird.

Weil Hans trotz immer besseren Wetters noch einige Übungsflüge mit einem Flugschüler machte, startete ich fast eine Stunde früher als er, um 12:21 Uhr Ortszeit. Karl schleppte mich auf 600 Meter Höhe.

Ohne festen Plan, mit dem Gedanken einfach zu FLIEGEN, zog ich los. Der Himmel war mehr als zur Hälfte bedeckt, doch die Struktur der Unterseiten machte trotzdem relativ deutlich, wo die Luft aufstieg und wo nicht. Bald spürte ich zum ersten Mal in diesem Jahr die typischen Anzeichen für Thermik: Die nervösen Zuckungen in der Luft nahe des Aufwindes, das kurz imgp0132verstärkte Sinken, und schließlich die angenehm heftige Beschleunigung nach oben, wenn man den Lift genau im Kern trifft. Noch bevor das Vario die drei Meter Steigen richtig anzeigte, hatte ich den Discus schon auf den rechten Flügel aufgestellt und leise „Yesss“ gemurmelt.

Achthundert Meter höher und euphorische sechs Minuten später war ich an der Wolke dran. Die Wetterentwicklung westlich des Flugplatzes ließ auf gutes Steigen schließen, die Wolken waren klar strukturiert und die Sonneneinstrahlung schon stark. Aber.

Es war nicht wirklich logisch, eher instinktiv. Ich flog zielstrebig in die andere Richtung, nach imgp0139Osten. Ich war mir vollkommen sicher, die richtige Entscheidung getroffen zu haben, und fühlte mich nach einem längeren Gleitflug bestätigt. Denn dort fand ich genau, was ich vermutet hatte: Die verschwommenen Cumuluswolken, die eher wie breite Abschirmungen aussahen, waren nichts anderes als versteckte Aufwindreihungen, die mir das Kreisen fast vollständig ersparten und mich in Windeseile nach Nordosten trugen. In meinen 1500 m versuchte ich kurz, durch Kreisen wieder höher zu gelangen, aber schnell merkte ich, dass es im Geradeausflug leichter ging.

Ich wollte einfach weg, und hier fand ich, was ich dazu brauchte.

In der Nähe von Aying, als die Wolkenstraße zu Ende war, wechselte ich eine Wolkenkette nach Süden, die sich besser entwickelt hatte, wendete, und brauste wieder zurück nach Westen. Ich fühlte mich, sobald ich den direkten Anschluss an die Thermik verlor, manchmal etwas angespannt, fast schon unsicher, wo es denn jetzt wieder hoch geht (Die Winterpause war lang und das merkt man einfach), aber ich merkte schnell, dass ich nicht unsicher zu sein brauchte. Es lief einfach gut heute, und es lag nicht nur am neuen Flugzeug.imgp0144

Der Weg nach Westen führte mich nördlich an Holzkirchen vorbei zurück nach Königsdorf, weiter über Seeshaupt und den Hohenpeißenberg bis kurz vor das Lechufer. Es war nie nötig, viele Kreise zu machen, ich stieg auch nicht bis zur Basis, denn ich fand keinen übermäßig starken Lift und konnte meine Höhe von etwa 1600 m auch im Geradeausflug behalten. Das war mir Sicherheit genug.

Erst kurz nach der zweiten Wende, als ich wieder nach Osten flog, verlor ich meinen Rhythmus und die Wolkenstraße fuimgp0131nktionierte für mich nicht mehr vernünftig. Ich probierte unter den ziemlich dichten Wolken quer zum Kurs einige Stellen aus, die nicht genug Steigen für meinen Geschmack lieferten, und verlor etwas Zeit dabei. Fast wollte ich schon nervös werden und nach einem guten Landeplatz spähen, als ich bei den Osterseen endlich wieder einen kleinen Lupfer fand. Als ich mit der Windrichtung nach unten peilte, fiel mein Blick auf eine Waldkante, die irgendwie nach Ablösepunkt aussah. Ich verlagerte meinen Kreis, und sofort standen 2-3 m/s auf dem Vario. Wenigstens ging es nun, aus nur etwa 500 Metern über Grund, wieder hoch.

Mit dem Wolkenstraßenfliegen war es jetzt großenteils vorbei, aber durch diesen kleinen Rückschlag war ich gewappnet und änderte meinen Flugrhythmus. Jetzt wurde mehr gekurbelt und zielstrebiger vorgeflogen – vorwärts kam ich trotzdem. Ich merkte mir nun die Stellen der Aufwinde und konnte so ohne Risiko nach der dritten Wende etwa 40 km östlich des Startpunktes, bei Bad Aibling, relativ tief zurückfliegen.

Zwei Wendepunkte konnte ich nach den Regeln des OLC jetzt noch legen, bis keine Kilometer mehr gezählt würden. Und langsam setzte sich ein Gedanke fest, der meinen Ehrgeiz um so mehr aktivierte – probieren wir, über die 300 km zu kommen! Das wäre, gemessen an der Jahreszeit, für mich selbst ein wirklicher Erfolg. Dann musste ich also noch, ich rechnete und grübelte, ungefähr 130 km weiter flieimgp0150gen. Also nichts wie nach Westen zurück!

Ich mag Berge. Und weil die Wolken auch im Süden ganz zuverlässig aussahen, flog ich nun ein bisschen weiter an den Alpenrand. Die Thermik wurde merklich schwächer, es war ja auch schon kurz vor halb vier und die Sonne sank tiefer – doch ich wollte weiter, musste immer an die dreihundert denken. Immer mal wieder in einem oder bestenfalls zwei Metern Steigen eindrehen, und sonst tapfer geradeaus fliegen. So kam ich bis zum Flugplatz Eschenlohe.

Wenden, wieder zurück. Für die dreihundert Kilometer musste ich jetzt noch einmal irgendwo östlich der Linie Tegernsee – Holzkirchen kommen und dann noch bis nach Königsdorf zurück. Doch um vier Uhr wollte ich eigentlich gelandet sein, war ich doch am selben Abend noch in Nürnberg auf einem Geburtstag eingeladen. Ich rechnete ein wenig und machte das Gelingen meines Plans von dem Geschehen der nächsten 15 Minuten abhängig.

Und die Bedingungen waren schwach. Ich konnte weiterfliegen, aber nur recht langsam. Über dem Buchberg, direkt am Alpenrand, fand ich einen „Müden Meter“, wie ich ihn im Funk nannte. Da es voraus nicht gut aus sah, beschloss ich, bis zehn vor Vier zu steigen und dann nach Hause zu fliegen. Die Dreihundert waren ja schließlich nicht unbedingt das Maß der Dinge, und ich war zufrieden, dass ich meinen Zeitplan erfüllen würde.

imgp0149Pünktlich flog ich ab, um im Osten die letzten Kilometer zu sammeln. Mit den Dreihundert hatte ich ganz trocken abgeschlossen.

Hans, der im Westen bis Kempten und inzwischen wieder zurück geflogen war, erzählte im Funk von noch recht starken Bedingungen weiter nordöstlich, und ich antwortete während meines letzten Gleitfluges: „Ja, bei mir ist es ein bisschen schlechter, immer so null fünf, manchmal ein Meter pro Sekunde unter den Wolken, ein komma fünf, zwei, dreieinhalb, warte mal!!!“ Ich drehte den Flieger und fand mich in einem ungewöhnlich starken Aufwind über Bad Tölz, dessen starker Sog nach oben mich den Blick auf die Uhr einfach vergessen ließ. Der musste es sein, der würde mich bis hinter Holzkirchen und heim nach Königsdorf bringen, dies war der entscheidende Bart des Tages.

Notfalls konnte ich immer noch sagen, mein Flieger hätte Verspätung gehabt.

Ich stellte den Bordcomputer auf die richtigen Werte ein, kalkulierte jeden Meter und flog genau in der richtgen Höhe ab, um bei meinem Steigwert schnellstmöglich an den Wendepunkt zu kommen. Mit 170 km/h flog ich aus 2000 m Höhe nach Osten, drehte genau zwischen Tegernsee und Holzkirchen um und nahm endlich (Die Füße wurden langsam kalt, siehe oben) Heimatkurs.

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Zehn Minuten später zischte ich mit 200 km/h das entlang, was ich den „Tiefen Gegenanflug“ nenne. Unter der Position zog ich hoch, fuhr das Fahrwerk aus und landete mit etwa 15 Minuten Verspätung. Die dreihundert Kilometer hatte ich tatsächlich geschafft.

Als ich ausstieg, merkte ich erst, wie kalt mir trotz meiner langen Unterwäsche, den drei Paar Socken und meiner jugendlichen Hitze war. Und ich war sehr erschöpft – Das Fliegen unter diesen Bedingungen war wirklich anstrengend.

Vier Stunden war ich unterwegs. Vier Stunden, an die man sich gerne erinnert.

Frühlingsanfang.

Wie man ins Fernsehen kommt

Es war mitten im Winter. Eiskalt fegten die Flocken über die Landebahn des Flugplatzes, der Himmel war grau, und schon länger hatte sich in Königsdorf kein Hangartor mehr geöffnet und kein Flugzeug mehr in die Luft erhoben.

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Es war Januar.

Ich stand in der Werkstatt und fuhr zum dreihundertsten Mal mit dem Schleifklotz über die Steinschlagstelle im Rumpf des Astir, die ich ausbessern wollte. Im Werkstattradio lief „Snow – Hey Oh“, und ich träumte nur sehr vorsichtig vom Fliegen.

Irgendwann kam Leo vom Nachbarverein rüber und hielt mir, nach einigen mitleidigen Blicken auf meinen Schleifklotz, ein Papier unter die Nase. Jemand habe angerufen und einiges über das Fliegen wissen wollen. Und über die Jugendlichen am Flugplatz. Jemand vom Fernsehen sei das gewesen.

Erst jetzt wurde ich hellhörig – gibt es eine Welt außerhalb von Schleifpapier und Schnee? Ach so, ja. Die.

Ich weiß gar nicht genau wie, aber eine Woche später fand ich mich mit Leo zusammen in Tölz wieder, auf einer Besprechung von „Südwild“. Erst dort erfuhr ich, was ich eigentlich schon auf dem Blatt in der Werkstatt hätte lesen sollen:

logoSüdwild ist eine Sendung des Bayerischen Fernsehens, in dem Filme und Live-Interviews von jungen Leuten aus Bayern gezeigt werden, die etwas interessantes zu erzählen haben. Jetzt waren sie in Tölz, und offenbar fanden sie das, was wir ihnen vom Fliegen erzählten, sogar sehr interessant. Alex Bruch, der Coach, sprach nach dem Treffen noch eine zeitlang mit uns. Unbedingt sollte Segelfliegen ins Tölzer Südwild-Programm, unbedingt musste ein Film gemacht werden, und unbedingt wollte er das selbst übernehmen. Alle drei waren wir Feuer und Flamme.

Dass es kompliziert werden würde, so einen Film zu machen, hatte ich mir schon gedacht. Fast jeden Abend telefonierte ich entweder mit Leo oder mit Alex, um alle Kleinigkeiten und Eventualitäten zu besprechen.

Zeitsprung. Anfang Februar standen wir dann wirklich alle in Königsdorf: Leo, Alex, seine Assistentin Evelyn, und ich.

Ich hatte sogar extra die Schule geschwänzt. Wir hatten einen groben Plan und alle Hände voll zu tun: Die Tage sind kurz im Winter.

imgp0031Als Einstieg in den Film sollten Leo und ich uns im Flug kurz vorstellen. Also starteten wir, das große Mikrofon und eine Kamera an Bord, filmten uns jeweils selbst, sagten unseren Text, und landeten wieder.

Beim Sichten des Materials wurde Alex´ Gesicht länger und länger: Das Hintergrundrauschen wurde vom Mikrofon viel zu stark aufgenommen. „Wir müssen´s noch mal machen.“ (Ich wusste noch nicht, wie oft ich diesen Satz in den nächsten Tagen hören sollte!)

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Also mit anderen Mikros wieder gestartet, Text gesagt, gelandet. Diesmal war alles in Ordnung.

Der Film sollte nicht nur schöne Aufnahmen zeigen, sondern auch Action, das macht man heute so, nämlich. Deswegen sollten Leo und ich uns in der Luft ein Rennen um den Blomberg  liefern, das wir dann aus beiden Flugzeugen heraus filmen würden. Dieser Flug war sehr schwierig vorzubereiten: Wir schickten zwei Freunde mit einer Kamera und einem Funkgerät auf den Gipfel des Berges, an dem wir vorbeizischen wollten, und holten einen zweiten Doppelsitzer aus der Halle. In Leos Cockpit sollte Ferdi zum Filmen mitfliegen, in meinem Cockpit Evelyn. Die Ankunft würde Alex von unten festhalten. Mathias und Edi schließlich würden uns in die Luft ziehen.

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Als die Blomberg-Crew auf dem Gipfel war, starteten wir. Zuerst flog Mathias noch mit mir im Schlepp um die Benediktenwand herum, wobei ich zuerst große Probleme hatte, dem Sinkflug des Schleppflugzeuges den Grat entlang zu folgen: Das Seil hing teilweise sehr stark durch und ich konnte die entstehende Schwingung durch Slip und Klappen gerade so ausgleichen. Sekunden später hätte ich ausgeklinkt.

In 2000 Metern Höhe trafen wir Leo und ich klinkte aus. In enger Formation flogen wir zuerst probeweise über dem Gipfel Schleifen, um uns aufeinander einzustellen. vlcsnap-31479

Dann gingen wir etwas tiefer und etwas schneller, wendeten, flogen wieder an den Kameraleuten vorbei. vlcsnap-28922

Als wir nur noch Energie für einen Vorbeiflug hatten, beschleunigten wir auf 200 km/h und flogen schräg versetzt hintereinander knapp über Gipfelhöhe nach Westen. So etwas macht Spaß.

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Auf dem Heimflug hielten wir die Formation noch ein bisschen und beschlossen im Funk, dass ich zuerst landen sollte, da uns das Kamera-Band ausgegangen war und die anderen so unsere Landung von außen filmen konnten.

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Als Alex am Boden das mit dem Kameraband erfuhr, fiel er fast um. Erst die großartigen Aufnahmen über dem Berg und aus Ferdis Kamera beruhigten ihn.

Als wir irgendwann, nach fast zwei Drehtagen, alles Material endlich – endlich! – zusammen hatten, ging es ans Schneiden. Darauf war ich eigentlich am meisten gespannt. Also belagerten wir zu dritt das Tölzer Vereinsheim und bauten uns mit Laptop und Kaffee ein kleines Studio auf.

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Einen Tag und eine Nacht lang saßen wir an dem Film.

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Am Ende kamen fünf Minuten dabei heraus. Es war wirklich interessant zu sehen, wie viel Arbeit in so einem kleinen Filmchen stecken!

Wieder ein Zeitsprung. Es war schon März, ich war gerade achtzehn geworden und der Südwild-Bus stand in der Tölzer Marktstraße, um eine Woche lang live zu berichten. Und vor diesem herrlich unförmigen Ding standen Leo und ich nun, und die Sendung würde in einer halben Stunde beginnen.

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Die meisten Beiträge waren, mit ein paar Ausnahmen, ein ziemlicher Blödsinn. Dann allerdings berichtete die Gleitschirm-Europameisterin Ewa Wisnierska von ihrer Sportart. Und dann waren wir dran.

Bis ich es geschafft habe, den Film hier einzufügen, gibt es ihn hier zu sehen.

Leider hatten die Beiträge zuvor viel mehr Zeit verbraucht als geplant, so dass nur relativ wenig Zeit übrig blieb, nachdem sie unseren Film gezeigt hatten. Trotzdem glaube ich, dass wir einen ganz guten Eindruck vom Segelfliegen vermitteln konnten. Darauf kommt es an, denn in den Medien wird dieser interessantesten aller Sportarten ja kaum Aufmerksamkeit gewidmet.

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Und ins Fernsehen kommt man schließlich auch nicht jeden Tag.

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