Ein Besuch in Antersberg und ein Gewitterflug

Siebte Bundesliga-Runde. Ausgangssituation: Die letzten beiden Wochenenden hatten uns in Königsdorf einen klaren Wetter-Nachteil gegenüber dem Norden gebracht, so dass wir den ersten Tabellenplatz schnell wieder abgeben mussten. Nun auf Platz vier, lag das Wetterglück am Sonntag, dem 07.06.2009 wieder ganz auf unserer Seite: Nur der Bereich südlich der Donau war überhaupt – wenn auch teils etwas spärlich – mit Thermik gesegnet.

So machten Thomas Wolf (G2), Hans Trautenberg (SC), Wolfgang Schieck (007) und ich als „Ersatzmann“ uns auf den Weg.

Die Windenstartstrecke war vom Regen zu nass, da bekam ich gleich einmal die Gelegenheit, unsere neue Schleppmaschine D-EISD auszuprobieren. Vielen Dank Sepp!

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Die Wolkenoptik war zwar recht vielversprechend, aber trotzdem hatten wir Probleme mit dem Wegkommen. Ich musste mich aus unter 300 m über Grund mit weniger als einem Meter Steigen nach oben mogeln, aber schließlich konnte auch ich abfliegen.

Am Anfang erwischte ich eine Wolke nicht, musste einen halben Kilometer zurückfliegen, dann endlich fing mein Bundesligaflug an. Gegen den Wind nach Westen kam ich gut voran, entdeckte vor Füssen den Hangaufwind am unmittelbaren Alpenrand an den Nordwestkanten, und flog sehr viel geradeaus. Wende kurz vorm Forggensee, Ostkurs mit Rückenwind. Der Flug wurde schnell.

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Als mir im Osten die Berghänge auf Kurs ausgingen, flog ich wieder ins Flachland, um den Rückenwindschenkel unter einer Wolkenstraße zu verlängern. Ich kurbelte über Holzkirchen bis an die Basis in 2000 m Höhe und versuchte dann, nach Osten im Delphinstil zu fliegen. Dass ich hier längst hätte wenden müssen, weil die Wolken auf Kurs von Süden her aufgefressen wurden, ahnte ich nicht.

Was ich zu spät bemerkte war, dass die Wolken immer mehr zu Blindgängern wurden. Bei Bad Aibling funktionierte keiner der Aufwinde mehr, und ich begann ein Alles-Oder-Nichts-Spiel: Jetzt irgendwo tief einen guten Aufwind ziehen, mit Rückenwind kurbeln und nach Westen zurück, das wäre die optimale Bundesliga-Wende. Ohne Thermik umzudrehen war sinnlos geworden, der einzige Ausweg war der Weg voraus.

Über dem Antersberger Flugplatz glaubte ich mich gerettet, als ein Astir mir einen Bart markierte. Doch nach drei Kreisen war auch hier nichts mehr zu holen.

Eine Viertelstunde kämpften wir zu zweit, dann soffen wir beide ab.

Auf dem Flugplatz Antersberg wurde ich freundlich in Empfang genommen. Was mich am meisten erstaunte und freute: Dort kannte man sogar schon meinen Namen! Es war sehr nett, die kleine Truppe um Christoph Schwaiger kennen zu lernen. Ein Absaufer hat eben auch seine positiven Seiten.

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Aus der Winde weiterfliegen? Schnell wurde klar, das ist unmöglich. Schlagartig hatte sich aus Süden kurz vor meiner Landung eine völlig andere Luftmasse in den westlichen Chiemgau eingeschlichen, die jegliche Thermikentwicklung im Umkreis von sicher 15 km verhinderte.

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Auf dem Bild sieht man deutlich die Falle, in die ich getappt war: in diesem Blau im Westen des Platzes waren vor einer Stunde noch die schönsten Cumulanten gestanden; mit meinem Kommen hatten sie sich aufgelöst.

Die anderen drei Bundesliga-Piloten flogen gerade im Moment 50 km weiter westlich in den besten Bedingungen Schnitte um 80 km/h.

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So blieb mir nur eine Möglichkeit, der Heimschlepp. Die Antersberger Savage (ein gelbes, Piper-ähnliches UL) zog mich gegen 17 Uhr wieder gen Westen. Das Problem, welches wir alle fast schon befürchtet hatten, wurde nun ganz deutlich. Nach dem Ausklinken und einem dankenden Abschiedswort im Funk bot sich mir dieses Bild auf Heimatkurs Südwest:

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Zum Vergleich, der Blick zurück nach Nordosten von der gleichen Stelle aus:

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Dass mir nicht gerade wohl dabei war, muss ich wohl nicht dazu sagen. In so einer Situation ist man klar im Vorteil, wenn man die Nerven behält. Ich verwendete erfolgreich die F O R D E C-Denkstrategie, die in vielen Fällen Leben retten kann. Hans und Mathias hatten sie mir einige Woche zuvor noch einmal eingeschärft: Meine Außenlandung in den Bergen während des Vergleichsfliegens hätte sie auch verhindert.

Fakten: Mein Zielflugplatz im Westen gerät in einen Gewitterschauer, der sich langsam nach Nordosten bewegt. Im Funk höre ich, dass gerade eben noch Flugzeuge sicher gelandet sind. Ich steige in einem verlässlichen Aufwind und kann auch ab 5 km nördlich meines Zielplatzes auf weitere Aufwinde schließen. Hinter dem Schauer über dem Flugplatz folgt ein 10 km breites Loch, dahinter zieht der nächste Schauer. Ich habe genügend Höhe, um in sicheres Gelände abzugleiten und dort zu landen.

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Optionen:

1. Ich kann sofort absteigen, bevor der Schauer noch schlimmer wird, und nun landen, wie es die Flugzeuge im Funk getan haben.

2. Ich kann mit meiner jetzt noch großen Höhe nach Norden fliehen und im besten Wetter landen.

3. Ich kann versuchen, nördlich des Schauers die Höhe zu halten und warten, bis der Flugplatz in der Lücke zwischen den zwei Schauern frei wird, um dann rasch abzusteigen und in Königsdorf zu landen.

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Risiken und Benefits:

Zu 1: Das ist mir eindeutig zu gefährlich. Am Boden können Böenwalzen die Landung unmöglich machen, auch die Sichtverhältnisse könnten zu schlecht sein.

Zu 2: Das ist völlig ungefährlich und sicher, bedeutet aber einen großen zeitlichen und eventuell finanziellen Rückholaufwand. Die Option ist gut, aber nicht die beste, solange 3. zur Verfügung steht:

Zu 3: Das ist nur dann sicher, solange ich mir einen Exit nach Norden auf die Wiesen bei Wolfratshausen und Gelting offen lasse und aufpasse, nicht in den Schauer hinein zu geraten. Der Schauer wird in spätestens einer halben Stunde abgezogen sein und eine ruhige, sichere Luftmasse zurücklassen. Das Zeitfenster zum nächsten Schauer ist begrenzt, aber groß genug. Außerdem ermöglicht es mir das Sammeln von Flugerfahrung am Rande einer etwas extremeren Wettersituation.

Decision: Ich nehme die dritte Möglichkeit.

Execution: Vorsichtig versuche ich, mehr über die Aufwindgegebenheiten am Schauer herauszufinden. Dort, wo es noch nicht regnet, wo der Schauer aber mehr und mehr hinzieht (auf der Nordostseite der Wolken also), geht es mächtig hoch, und ich kann neben den Wolken auf 2200 m steigen. Der Schauer bewegt sich langsamer als erwartet. Inzwischen hat sich Hans vom Boden aus im Funk eingeschaltet und ich bin erleichtert: Wenn ich nun vom Boden aus gelotst werden kann, kann ich nach dem Schauer sicher landen.

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Check: Ich überprüfe und hinterfrage die Entscheidung ständig. Durch meinen großen Höhengewinn ist mir die zweite Option weiter offen geblieben, außerdem habe ich Zeit gewonnen. Auch wenn der Schauer nur langsam schwächer wird, das Landezeitfenster wird bald kommen.

Beim Spielen mit den Wolken auf der Leeseite des Schauers sind beeindruckende Bilder entstanden, die aber nicht mal einen Bruchteil der gespenstischen Stimmung wiedergeben, die in Wirklichkeit direkt neben einem Gewitterschauer herrscht.

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Den Flugplatz im Bild oben erkennt nur, wer genau weiß wo er ist.

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Dann fange ich noch an, ein paar Trudelübungen mit dem Discus zu machen.

Sobald vom Boden die Info kommt, der Regen werde schwächer und der Platz langsam wieder landbar, kann ich es verantworten, hinter den Schauer, ins Luv im Westen also, zu fliegen. Dort geht es mächtig runter, so dass ich sogar mehr Höhe verliere als mir lieb ist. Zum Glück habe ich mit dem Versuch gewartet, bis der Platz einigermaßen frei ist. Trotzdem war es eigentlich noch zu früh.

Zurück etwas nach Nordosten, Parken im Nullschieber. Jetzt ist der Platz wirklich landbar. Hans gibt mir noch den Tipp, auf die Asphaltpiste zu gehen, weil das Wasser im Gras Zentimeterhoch steht. In ganz leichtem Nieselregen fliege ich mit viel Überfahrt an, es wird eine ganz normale Landung. Am Ende der Bahn stehen schon Nikolai, Thomas und Hans, und schnell haben wir den Discus vor die Halle geschoben, eingeräumt und abgetrocknet. Danke euch!

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Wohl war mir bei diesem Flug wirklich nicht, aber ich bin froh, dass ich dies Beeindruckende erleben durfte. Froh bin ich aber auch vor allem, dass ich heil und am richtigen Ort auf den Boden zurück gekommen bin, was mir kurz nach dem Ausklinken aus Antersberg als nicht gerade selbstverständlich erschienen ist…

Die Bundesliga-Runde hat Königsdorf übrigens trotz meines erneuten Patzers gewonnen: Wolfgang, Thomas und Hans haben 20 Rundenpunkte geholt und uns auf den ersten Tabellenplatz zurückgeholt!!!

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Königsdorfer Vergleichsfliegen

Da bin ich wieder! Auch wenn es eine ganze Weile gedauert hat (Sorry!), endlich gibt es eine neue Geschichte zu lesen.

Lasst mich mit dem Ende anfangen. (Womit denn sonst?!)

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Nun ist es zunächst keine unberechtigte Frage, wie (um alles in der Welt?!) die vier Segelflugzeuge und der Polizeihubschrauber auf die Wiese mitten in den bayerischen Bergen gekommen sind.

Und es ist eine lange Geschichte. So lang, dass ich schon eine Woche vorher anfangen muss, am Samstag, dem 16. Mai.

Es geht um meinen ersten zentralen Wettbewerb, um Höhen (großartig) und Tiefen (niederschmetternd), und vor allem um eine ganze Menge Spaß.

Am genannten Samstag (ich sollte mir die eingeklammerten Parenthesen wieder abgewöhnen) fing also an, worauf ich mich schon das ganze Jahr über gefreut hatte. Ein Spaßwettbewerb, eine Woche zusammen mit den anderen fliegen, viel lernen, und versuchen fliegerisch gegen die ganzen alten Hasen eine möglichst gute Figur zu machen.

So wanderten Jan, ich, unsere Ausrüstung, meine Gitarre und alles sonst noch lebensnotwendige für eine Woche zum Flugplatz. Ich hatte extra Schulfrei zum Fliegen bekommen, und Jan steckte mitten im Abitur zwischen den schriftlichen und der mündlichen Prüfung. Deswegen flog er auch in der Einsteigerklasse. Ich hatte mich für die Profiklasse gemeldet.

Tag eins, Samstag 16. Mai 2009

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Ich wollte natürlich auf meinem ersten Wertungsflug alles richtig machen. Das Wetter morgens war so furchtbar, dass wir erst nach vier Uhr nachmittags in die Luft kamen. Die Aufgabe war 110 km lang und hieß:

Königsdorf – Starnberg – Geratshof – Königsdorf.

Ich verhielt mich wie im Lehrbuch, probierte vor dem Abflug die ersten Wolken auf Kurs aus, flog dann hinter die Linie. Ich flog als einer der ersten ab, mit einem kleinen Pulk anderer Flugzeuge. Unsere Idee war es, möglichst früh um den Kurs zu kommen, weil die Bedingungen sich offensichtlich mit den Nachmittagsstunden verschlechterten.

Der Pulk, in dem ich war, war mir zu lahm. Schnell war ich der Höchste in den Aufwinden, bald hatte ich einen Kilometer Streckenvorsprung, und schon hatte ich sie außer Sichtweite. Ich führte, ich war schnell, und ich konnte und wollte gewinnen. Starnberg wird umrundet, nun noch 30 km nach Westen. Als erster, geschätzt 10 Minuten vor dem Feld, erreichte ich den kleinen Wiesenflugplatz südlich von Landsberg, den zweiten Wendepunkt. Ich war zwar tief, und hatte schon länger keinen guten Bart gehabt, aber das Fliegen bis hierher hat doch super funktioniert, jetzt wenden, die 50 km nach Hause, du bist heute schnell, Tagessieg, Benni, du hast das Ding doch schon fast in der Tasche. Mensch, werden die alle Augen machen. Jetzt nur schnell irgendwo wieder steigen, und dann los, ab nach Osten zurück –

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Äh, genau. Benni, du Held.

Tag zwei, Sonntag 17. Mai 2009

Beim Ärgern auf dem Acker nach der gestrigen Außenlandung hatte ich Zeit zum Nachdenken, und zum Lernen aus dem Fehler. Mann, war ich schnell gewesen, und dann der vorletzte Tagesplatz. Ein Trost, es gab noch vier andere Außenlandungen außer meiner eigenen. Zu meinen Eltern und meinem Freund Dreas, die mich bei Einbruch der Dunkelheit mit dem Anhänger holten, hatte ich beim Abschied gesagt: „Wird nicht mehr vorkommen. Morgen fliege ich den Tagessieg.“

Das Wetter wurde super. Wir bekamen eine Flächenaufgabe mit maximal 400 km Streckenlänge um den Arlberg und Lofer, in 3:30 Stunden.

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Und ich hatte gelernt. Deutlich später als die meisten anderen flog  ich ab. Der Weg nach Westen in den Bergen war schwierig, aber das machte mich schnell: Ich flog einfach geradeaus an den Bergen entlang, niedrig aber ohne viel Höhenverlust. So kam ich hinter den anderen her bis kurz vor Füssen. Am Plansee schließlich fing der Flug so richtig an. Ich kreiste hoffnungsvoll an einem Grat östlich des Sees ein, zentrierte das Steigen, und kurbelte den bisher besten Bart meines Lebens nach oben. Spitzenwert: 6,4 m/s.

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Von jetzt an war der Schalter umgelegt. Erste Wende, schon sind fast alle überholt. An der Nordkette auf Westkurs traf ich Henrik Aslund (TU), der extra aus Schweden für den Wettbewerb hergekommen war, und Thomas Wolf (G2).

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Flugs waren wir im östlichen Wendegebiet. Thomas und ich flogen noch bis zu den Loferer Steinbergen. Ich schätzte die Rückflugzeit ein, wendete rein spekulativ und begann schon am wilden Kaiser mit dem Endanflug.

Nach 3:27 Stunden von 3:30 möglicher Wertungszeit überflog ich die Ziellinie.

Am Abend schrieb ich nur eine kurze SMS an Dreas: „Tagessieg.“

Irgendwie war ich schon stolz.

Am Montag war schlechtes Wetter, so dass ich mit Five und Hacke nach München zur TU fuhr. Wir wollten einen Vortrag besuchen, der allerdings erst im nächsten Monat stattfand. Dadurch bekam ich dann die Münchner Flugzeugwerkstatt zu sehen, wo schon Formen für die Holme der Mü 31 gebaut werden.

Tag drei, Dienstag 19. Mai 2009

Wieder Flachlandwetter.

Vor dem Start zeigte mir Five seinen „Thermik an/aus“-Schalter.

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Ich war gespannt, ob ich es denn jetzt auch im Flachland hinbekomme, zumindest nicht zu verlieren.

Die Tagesaufgabe führte uns nach Westen bis Bad Wörishofen und dann nach Osten bis nördlich des Chiemsees, und von dort wieder nach Königsdorf zurück.

Der Abflug klappte wieder super. Später Abflug, 10 Minuten nach dem Pulk. Nach 40 km hatte ich sie eingeholt. Zwischen vielen militärischen Transportflugzeugen hindurch ging es auf den ersten Wendepunkt zu. Mit Five und Wolfgang zusammen wendete ich. Am Ammersee blieben sie zurück, als ich mich nur mit etwas Glück unter eine gute Wolke richtung Oberpfaffenhofen retten konnte und die anderen beiden kein Steigen fanden. Five musste außenlanden, Wolfgang verlor leider recht viel Zeit.

Südlich von München traf ich dann Diether Memert, den mehrfachen Weltrekordhalter, Sportleiter und „Star“ im Teilnehmerkreis. Zusammen flogen wir um die zweite Wende herum und führten das Feld an.

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Der Rückflug gestaltete sich als ernsthaft schwierig. Wir trennten uns etwa 30 km vor dem Ziel. Die Einsteigerklasse markierte mir dann den entscheidenden, guten Aufwind, von Diether bekam ich fairerweise noch einen Tipp, und schon war ich zu Hause.

vlcsnap-96334 Viele hatten es heute nicht um beide Wendepunkte geschafft, und eine witzige Hoffnung keimte in mir auf.

Tag vier, Mittwoch 20. Mai 2009

Zwei Tagessiege in Folge, das bedeutete Tabellenführung. Und wieder kam ein guter Flugtag im Gebirge! Ein riesiger Area Task, da passten über 600 km FAI rein. Da kann ich dann gleich noch ein paar DMst-Punkte mitnehmen!

Leider verzögerte sich der Start, und bis das große Feld einmal in der Luft und die Abfluglinie offen war, war es ein Uhr. 600 km vor mir, und so spät schon. Kann das gut gehen? Zweifel, Nerven, Ungeduld, und los.

Nach dem Abflug erwischte ich die Aufwinde viel besser als die anderen. Meine Steigwerte waren kein Vergleich zu denen, die die anderen im Funk durchgaben. Keine Ahnung, was ich anders machte, vielleicht hatte ich einfach Glück. Heute, wieder genau mein Tag? Genau! Ich preschte vor, mit 180 km/h, nächster Bart, wieder fast 4 m/s von unten bis oben, los, zum Wilden Kaiser, die anderen weit hinter mir! Yeah.

Um es kurz zu machen, das Nervenspiel von vorher war nicht gut für mich. Ich hätte die Aufgabe locker geschafft, war viel zu hektisch geflogen. Eine dumme und im Nachhinein beinahe unverständliche Fehlentscheidung, am Wilden Kaiser nicht im etwas schwächeren Steigen an die Basis zu klettern. Und schon saß ich am Boden.

Oooooh Neeein!!! Ich will eigentlich gar nichts drüber erzählen, so doof war das…

So einen Unsinn habe ich zusammen geflogen, wie er erste Mensch hab ich mich benommen, wie kann man nur so blöd sein…

Selbstzweifel. Bin ich nun gut oder nicht? Nein, das musste ich mir eingestehen, unten auf dem letzten Tagesplatz: Gut ist anders. Ich brauchte im Nachhinein zwei Tage, um mir diesen Fehler zu verzeihen und mit mir selbst fertig zu werden. Wie kann man nur so-

Ach, ich sollte nicht so kindisch sein. Fehler passieren, und sowas mach ich einfach nie wieder. Gut eigentlich, dass es jetzt passiert ist, wo es um nichts geht. Mathias Schunk, der mir sehr geholfen hat, meinte sogar, er sei froh, dass ich das durchmachen musste. Er hatte wohl recht.

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Donnerstag. Nach dem Start wurde die Thermik so schlecht, dass wir noch vor dem Abflug geschlossen die Aufgabe abbrachen und nach Hause flogen. Keine Wertung, natürlich.

Am Freitag regnete es häufig, so dass ich mich entschloss, in die Schule zu fahren um die Spanisch-Klausur mit zu schreiben.

Das Finale: Tag fünf, Samstag 23. Mai 2009

Da Five und ich durch unsere Außenlandungen auf den siebsten und sechsten Platz zurückgefallen waren, wollten wir uns wenigstens mit einem würdigen Finale aus dem Wettbewerb verabschieden. Die Aufgabe ging ins Engadin und dann zum wilden Kaiser, der Einstieg in die Berge war allerdings als sehr schlecht fliegbar vorhergesagt.

Und wie das schwierig war. Ich hängte mich immer hinter Flugzeuge, die vor mir in der Wertung lagen, und überholte sie nach kurzer Zeit. Ich war als einer der letzten abgeflogen und hatte bei Vorderriß die einzigen eingeholt, die vom Pulk noch übrig waren. Zwei waren in Krün außengelandet, viele nach Norden zurück geflogen. Zusammen kämpften wir in der furchtbar schwachen Thermik, um irgendwie an das herrliche Wetter im Inntal zu kommen. Wir waren echt gut, aber –

ach, lest einfach ganz oben weiter.

Es macht riesigen Spaß, mit vier Flugzeugen auf einer Wiese zu landen. Nico, Brot, Wolfgang, Gerd und ich standen auf der Wiese in Fall, nahmen die Funknachricht entgegen, dass der Flugtag neutralisiert würde und uns Außenlandern keine Punkte verloren gingen. Der Königsdorfer Wettbewerb war zu Ende.

Wir zogen uns aus uns sprangen in den See. Außenlanden ist klasse – kein Vergleich zum letzten Mal!!!

Irgendwann kam dann ein Hubschrauber an; Ein Bürger hatte angerufen und den Absturz einiger Flugzeuge gemeldet. Wir unterhielten uns mit den Piloten, bevor sie wieder starteten und noch einen tiefen Überflug über uns machten. Dann kamen irgendwann unsere Rückholer.

Dauergrinsen, irgendwie. Einfach so.

Danksagungen

Ich möchte für die Erlebnisse der Flugwoche vielen Menschen danken.

Zuerst einmal Wolfgang Schieck für die Veranstaltung des Wettbewerbs.  Dann auch Diether Mehmert, der die sportliche Leitung übernommen hat. Das war echt super.

Ich danke Hans Trautenberg für das Coaching und die stets kritische Betrachtung meiner Flüge, für die Feedbacks und herrlich verwirrenden taktischen Betrachtungen vor dem Start, für den Satz: „In den Bergen Thermik fliegen – das kann jeder Depp.“ (Der Satz hat den Flachland-Tagessieg verursacht). Und für drei Weihnachtssterne. Und für den ganzen Rest auch.

Ich danke den Teilnehmern des Wettbewerbs, die allesamt den Altersunterschied nicht voreingenommen gesehen haben und mich fast schon wie einen „alten Hasen“ betrachten.

Mathias Schunk für die äußerst positive Pressearbeit, die es mir ermöglichte, Schulfrei zu bekommen.

Nochmal Mathias, für das Gespräch über den Fehlerflug am Mittwoch, für die Interpretation meiner Blödheit und für die aufbauende Geschichte der bayerischen Meisterschaft vor über 10 Jahren.

Jürgen, dem Gast in St. Johann, für die spontane Rettung.

Hermann Braun für die Rückholung aus Fall.

Dreas und meinen Eltern für die Rückholung aus der Nähe von Geratshof.

Five, Hacke, Hannes und allen anderen wunderbaren Akafliegern für die Gastfreundschaft und die großartigen Essen.

Der Segelfluggruppe Isartal für die 2D und alle Voraussetzungen, die mir die ganze Fliegerei ermöglichen.

Danke!  ❤

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Segelflug-Bundesliga

Am vergangenen Wochenende vom 9. und 10. Mai war ein klassischer Fall von Bundesliga-Wetter. Das bedeutet: Für richtig große Strecken reicht´s sowieso nicht, Schauer machen die ganze Sache zusätzlich schwierig, aber geflogen wird trotzdem. Einerseits weil wir gar nicht anders können, andererseits wollen wir Königsdorfer nicht wieder Gefahr laufen aus der ersten Liga abzusteigen, was letztes Jahr fast passiert wäre.

Wie funktioniert die Segelflug-Bundesliga?

Die 1. Segelflug-Bundesliga ist ein Mannschaftswettbewerb, der von Mai bis September in Deutschland zwischen den 30 besten Vereinen ausgetragen wird. An jedem Wochenende findet eine der insgesamt 17 Runden statt. Um an Punkte zu kommen, muss jeder Pilot in einem frei gewählten, 150 Minuten langen Zeitfenster eine möglichst große Strecke zurücklegen, also eine möglichst hohe Schnittgeschwindigkeit erzielen. Die Flüge werden mit GPS-Rekordern aufgezeichnet und auf einer Internetplattform eingereicht.

Die Geschwindigkeiten der drei schnellsten Flüge pro Verein werden zusammengezählt, daraus eine Rundenwertung erstellt und die Punkte verteilt. 20 Punkte gibt es für den Rundensieger, 19 für den zweiten, und so weiter. Daraus ergibt sich dann die Bundesliga-Tabelle.

Die dritte Runde

In den ersten beiden Runden konnten wir uns durch schnelle Flüge und den neunten und vierten Rundenplatz den dritten Platz in der Tabelle erobern. An diesem Wochenende war das Wetter nun grundsätzlich nicht so gut vorhergesagt.

Am Samstag tankte ich 62 Liter Wasseballast in den Discus. Einfach so, um auch mal mit Wasser zu fliegen und um das Fliegen am Berg mit dem deutlich schwereren Flugzeug zu üben. (Runde Zahlen bringen Unglück, nämlich.)

Ich wollte mit dem Ballast nicht an die Winde gehen und machte relativ spät einen tiefen F-Schlepp über den Platz. Nach dem Ausklinken begann für mich ein einstündiger Aufenthalt in der Blauthermikhölle. Steigwerte unter 0,5 m/s, erschreckend große Flugzeugpulks, die alle auf das beste Steigen aus waren, und Operationshöhen zwischen 300 und 600 m Höhe. Keine Chance, in die Berge einzusteigen. Nach einiger Zeit kam ich dann doch noch auf 1600 m MSL und bastelte mich mit Five in die Jachenau vor. Hier merkte ich, wie gut der Discus mit Wasserballast im Gleitflug alle anderen abhängt! Während er fast außenlanden musste, konnte ich bequem den Latschenkopf anfliegen und mit fast 1,5 m/s auf 2700 m steigen.

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Doch die Tageszeit war schon so sehr vorangeschritten, dass an einen brauchbaren Bundesligaschnitt nicht mehr zu denken war. Das Wetter machte auch immer mehr zu.

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Aber, aufgeben gilt nicht, und so kämpfte ich mich über den Guffert in fürchterlichen Bedingungen nach Kufstein und zum wilden Kaiser.

Der Kaiser ging wirklich gut, aber dort waren auf engem Raum so viele Flugzeuge, dass ich schnell wieder Reißaus nehmen wollte. Das Wetter nach Osten sah traumhaft aus, aber da sich hinter mir schon Regenschauer aufbauten, traute ich mich nicht weiter und wendete.

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Die Berge wirkten auf einmal ziemlich bedrohlich und wenig einladend, aber ich genoss den Heimflug trotzdem. Nachdem ich am Sonnwendjoch nochmal kurz vor dem Regen auf 2300 m steigen konnte, flog ich noch weiter nach Westen, zunächst südlich am Regen vorbei.

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Am Soiern schließlich ging ich durch eine Lücke zwischen zwei kleineren Schauern über der Jachenau und dem Walchensee auf Heimatkurs.

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Es war zwar nur ein Bundesligaschnitt knapp unter 70 km/h (Gerd war früher gestartet und hatte im Inntal 107 km/h geflogen!), aber ein interessanter Flug von 212 km zwischen den Schauern.

Hier ist die Fluginfo.
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Der Sonntag sollte eigentlich in den Bergen noch weniger gut werden, so wie zum Glück auch im Rest der Welt. Sollte die komfortable Rundenführung, die wir am Samstag Abend durch Gerd und die beiden Christophe bekommen hatten, denn schon reichen?

Ich tankte kein Wasser, um an der Winde starten zu können. Das ist nämlich deutlich billiger. Mein Plan war, im Flachland das Maximale herauszuholen, denn dort sahen die Wolken einladend aus. Es galt, schneller als Christophs 94 km/h zu sein, um die Wertung zu verbessern.

Hans hatte für dieses Wochenende übrigens ein neues Motto für die Bundesliga: „Benni jagen“, in Anlehnung an die Runde vor zwei Wochen, wo ich zweieinhalb Stunden lang tief genug geflogen bin, um mit dem Discus 2 wirklich einmal eine Flugzeuglänge schneller als die Antares zu sein. Er hätte halt nicht so hoch steigen sollen, weil in direkter Bergnähe fast doppelt so viel Thermik geherrscht hat….:-)

Halb eins, Windenstart. Vor mir sind schon zwei Flugzeuge oben geblieben, doch mein direkter Vordermann muss nach einigen Suchkreisen wieder landen. So setze ich alles auf eine Karte (Wolke) und fliege nach dem Start direkt geradeaus weiter. Es geht mächtig runter, ich hab nur noch + 120 m bis Königsdorf auf dem Zander stehen, als der erwartete Bart mich von unten trifft. Schnell ist genügend Höhe gemacht, dass ich mich so richtig wohl fühle und Pläne schmiede.

Die Wolken im Flachland hören im Osten schnell auf, wie ich schon von hier aus sehen kann. Da kann man nicht viele Kilometer machen. Dann doch in die Berge? Ach, da ist es sowieso viel schöner! Los, ich fliege nach Südosten.

Der Einstieg klappt wie geschmiert, ich kurble hier jemanden aus, dort noch einen, und erfahre im Funk, dass Hans die gleiche Streckenentscheidung getroffen hat wie ich. Er kurbelt in der Nähe von mir.

Ich schreibe fleißig theoretische Abflugzeiten, Höhen und Steigwerte auf, um mein Bundesligazeitfenster möglichst gut berechnen zu können.

Wie aufgedreht fliege ich nun in die Tegernseer Berge, nirgends viel Zeit verlieren, von Grat zu Grat springen, es läuft gut. Denke ich zumindest. Doch was kurz gut lief, lässt mich zu optimistisch vorpreschen – südlich von Geitau finde ich mich in nur 1500 m NN wieder und habe nur noch eine einzige Option, bevor ich abdrehen und wahrscheinlich in Geitau landen müsste.

Doch die Option funktioniert, ich erwische einen guten Bart und kann sogleich zum wilden Kaiser springen. Hans hat einen ziemlich ähnlichen Fehler gemacht und gerät gerade auch in Schwierigkeiten. In den nächsten 30 Minuten werde ich ihm 40 km abnehmen. Die Kalkwände des Kaisers, der Loferer Steinberge und des steinernen Meers sind nämlich eine Stunde vor den Schauern vor lauter Energie kurz vor dem Explodieren und lassen mich die schnellsten 40 Minuten meiner bisherigen Fliegerkarriere erleben.

„Zwei Delta, Hochkönig, Zweitausendsechshundert.“ Das klingt doch so unfassbar schön, das muss gleich mal im Funk durchgesagt werden. Hans hat sich auch befreit und ist gerade am Kaiser in die steinerne Rennstrecke eingestiegen, die nun unmittelbar davor steht Schauer zu bilden und ihr Maximum an Energie in die Atmosphäre feuert. Nun hat das Bundesliga-Rennen so richtig begonnen, und Hans´ Tagesmotto, Benni jagen, bringt die Flugsituation der folgenden zwei Stunden genau auf den Punkt.

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In recht großem Abstand fliegen wir nach Osten.

Ich entscheide mich im Ennstal für die Talsüdseite und fliege dort den Hauptkamm entlang. Alles funktioniert, mir unterläuft keiner der sonst regelmäßigen kleineren Taktikfehler, und das Zusammenspiel von tiefster Konzentration und höchster Euphorie, das ich in letzter Zeit schon häufig erreichen konnte, treibt mich voran. Genau in diesem Flow, wenn mit dem Körper, dem Geist und der Technik einfach alles stimmt, liegt der Schlüssel, um wirklich schnell zu sein.

Kurz vor dem Flugplatz Niederöblarn südöstlich des Dachsteinmassivs, wende ich bei Kilometer 185 auf Königsdorf. Die Bedingungen werden etwas schwächer und ich mache mir schon Sorgen, ein paar Wolken zu weit geflogen zu sein. Ohne viel Zeit in zerrissenem Steigen verlieren zu wollen, fliege ich nun auf Westkurs und sinke schon unter 2000 m Höhe. Nahe Schladming schaffe ich es aber gleich, mit etwa 3 m/s wieder 1000 m dazu zu bekommen. So hat mich der kleine Durchhänger kaum Zeit gekostet.

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So geht es nun südlich an Zell am See vorbei. Im Funk erfahre ich, dass Hans auf den Talnordseiten noch einen drauflegen konnte: Er ist heute phantastisch schnell und hat seinen großen Rückstand fast eingeholt. Schon ist er nordöstlich hinter mir, bald genau nördlich neben mir.

Ich habe in den Tauern eine Staumauer entdeckt. Der See darüber ist allerdings sehr bemitleidenswert.

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Querab vom Gerlospaß steige ich zusammen mit einem anderen Discus 2c auf die größte Tageshöhe von fast 3500 m. Man kann in den Zillertaler Alpen Wellenwolken erkennen, weiter nördich davon bilden sich Schauer. Da die Bundesligazeit sowieso fast abgelaufen ist, entschließe ich mich, über das Zillertal heimzufliegen, um nicht vom Regen den Weg abgeschnitten zu bekommen.

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Erstaunlich, dass es erst vier Uhr ist. Der Himmel lässt den Tag dunkler und drei Stunden später erscheinen. Trotzdem habe ich noch nie in so kurzer Zeit so viele Kilometer erflogen.

Im Zillertal sehe ich Hans kurz vor mir kurbeln. Mit einer hoffentlich sehr eleganten hochgezogenen Fahrtkurve begrüße ich ihn, fliege einmal um ihn herum und tanze gleich weiter nach Norden, als ich den Aufwind nicht sofort treffe. Ich kann ihn fast grinsen sehen: „Benni Jagen“ war erflogreich.

Bundesliga-Flug aus, langsam fahre ich meine Systeme zurück, nehme das Gas aus dem Flug und schaue mir das herrliche Zillertal von oben an. Innsbruck Radar lässt mich nach Norden queren, der Weg zurück nach Deutschland ist frei. Die Höhe reicht jetzt schon bis nach Hause. Ich mache mir Musik an.

Über dem Achensee brodelt schon wieder ein Schauer. Er taucht das Gelände in ein fast unwirkliches Licht.

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Doch da muss ich jetzt durch, links und rechts von mir versperren Berge den Weg.

Wolfgang hat es erwischt, er ist 800 m unter mir mit seiner SZD 59 in den Regen gekommen und fragt im Funk, ob ich ihn eventuell mit dem Anhänger holen kann. Ich sage ihm zu, gespannt auf meine eventuell erste selbst gefahrene Rückholtour.

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Bald fängt es auch bei mir zu regnen an, und ich fühle mich gemütlich und doch unruhig.IMGP2258

Zurück im Hellen, habe ich 50 m Höhe mehr verloren, als mir lieb ist. Ein paar Kreise an den Blaubergen und der MC-Hebel am Rechner 😉 holen die alte, große Sicherheitshöhe zurück und ich zische hinaus ins Flachland.

Der Flug hat etwas über vier Stunden gedauert und etwas über 400 km gebracht. Eine Bilanz, die sich mit 105 km/h Bundesligaschnitt zumindest nicht verstecken muss vor Gerd und Hans (123 km/h, meinen uneingeschränkten Respekt!). Zu dritt haben wir den Rundensieg geholt und sind nun Tabellenführer der ersten Liga. Yeeha!

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Epilog: Wolfgang retten!

Nachdem ich gelandet bin und vor die Halle rolle, bekomme ich einen wunderbaren Empfang. Die ganze Kinderhorde von Schiecks und Wolfs tollt sich um den Discus: „Der Benni ist wieder da, der Benni ist wieder da!“ Wo warst du? Ist das weit weg? Wie hoch bist du geflogen? War es schön dort? Hast du Mike den Maulwurf dabei?

Adrian schaut mir zu, wie ich meine Ausrüstung aus dem Cockpit hole, und wirft einen argwöhnischen Blick auf den Sitz.IMGP2262

„Bist du die Müllabfuhr, oder wie?“, fragt er.

Dann darf er sich auch ins Cockpit setzen. Ich finde, da ist noch etwas Potential.IMGP2263

Kurz darauf klingelt das Telefon. Wolfgang. Er hat sich zwar noch über den Achensee drüber gekämpft, aber dann war es in Achenkirch einfach vorbei. Er ist auf der bekannten Wiese etwas südlich der Ortschaft gelandet.

Schnell werden Handynummern ausgetauscht, Wegbeschreibungen eingeholt, und seine Frau Nelia weist mich kurz in den wunderbaren VW-Bus ein. Sie muss mit den Kindern heim, deswegen darf ich fahren. Paul kommt auch noch mit. Wir hängen den blauen Anhänger an, und schon geht es los!IMGP2264

Paul und ich haben einen Heidenspaß mit dem Gespann. Vorsichtig fahre ich über teils enge Straßen, kaum schneller als 60. Sechzig PS ziehen einen riesigen alten Bus und einen riesigen neuen Flugzeuganhänger. Wenn das mal gut geht!

Und es ging gut. Langsam aber fröhlich kommen wir über den Achenpass ins Zielgebiet. Ich finde es sehr spannend, das Flugzeug zu suchen, und wir finden auch recht schnell hin. Da stehen die beiden, Wolfgang und die SZD. Und ein paar interessierte Kinder, klar!

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Dann lädt uns Wolfgang noch zum Essen ein, bevor wir uns auf in die hereingebrochene Dunkelheit machen. Ein kräftiges Tiroler Abendessen im Bauch, Gedanken an einen 400 km-Flug im Kopf, im tollsten VW-Bus den ich kenne, brausen wir drei durch die Nacht. Ich kann mir kaum etwas schöneres denken.

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Der Morgen danach

Der Wecker klingelt. Sieben Uhr, viel zu früh, viel zu alltäglich. Ich schleppe mich mit erster, letzter Kraft ans Fenster, zerre die Vorhänge auf. Draußen veranstalten dicke Regentropfen ein Kringelwellendurcheinander auf dem Teich. Manchmal mag ich sowas, aber manchmal – Ach, ich hasse Montagmorgen.

Wie immer frühstücke ich mit fast geschlossenen Augen, steige einfach in die Jeans von gestern, werfe Block, Schreibzeug und ein, zwei zufällige Bücher in die Tasche und mir diese über die Schulter.

Irgendwie aus Prinzip, fahre ich immer mit dem Fahrrad zur Schule. Auch wenn man davon klatschnass wird, aus Prinzip. Dem grauen Wetter geschieht es ganz recht, wenn mir kalt wird.

8 Uhr, Immer noch nicht wach. Ich begrüße wahllos ein paar herumstehende Leute.

Wie immer schweife ich ab, sobald der Unterricht beginnt. In meiner Hosentasche ist irgendwas knittriges. Ich hole den Zettel hervor, falte ihn auf und lese gähnend:

Innsbruck:

Turm 120.100

Radar 119.275

ATIS 126.025

Segelflug 123.400″

Sankt Moritz, durchfährt es mich. Ich war gestern über Sankt Moritz, in 3700 m Höhe. 2/8 Cumulus mit 3 bis 4 m/s, das war ein Ding.

Fast ein Wunder, grinse ich in mich hinein und erinnere mich an den schauerlichen Samstag, als der Himmel noch fast so grau wie heute war, und die beinahe unrealistischen Prognosen für den Sonntag. Trotzdem war ich schon gegen 23 Uhr von meinem Freundeskreis wieder zum Flugplatz gefahren und hatte dort mit Nikolai und den anderen Wolfs übernachtet.

Tatsächlich sind wir im strahlenden Blau aufgestanden. Die übliche, jedesmal neue Morgenprozedur, erst Wetterbericht runterladen, dann anziehen, dann frühstücken, dann den Discus klar machen. Die 2D schaute mich erwartungsvoll an. Was wir wohl heute alles erleben würden?

Mensch, ja, denke ich mir, immer noch den Zettel anstarrend, Spanischfetzen aus dem Unterricht mitbekommend, ja und dann bin ich gestartet. In der tiefen Basis unter 2000 m nach Westen getastet, Eschenlohe, Füssen. Ein kurzer Fehler westlich von Ettal, doch dann konnte ich in anhaltend guten Bedingungen in bis zu 2800 m Höhe das Lechtal hochfliegen. Irgendwann nach Süden zum Arlberg gesprungen und ohne Kreis nach Osten zurück. Das Inntal war noch voll tiefer Wolken, so dass ich einen „Warteschenkel“ zum Wetterstein und zurück flog.

Ich sehe vor meinen Augen genau das kurze Treffen mit Oliver südlich der Zugspitze, kann noch genau den Funkspruch von Thomas hören, der aus dem Engadin 3600 m Basishöhe meldet. Damit stand für mich fest, was ich mir davor schon gewünscht hatte: Kurs Südwesten.

An den spektakulären Einstieg ins Engadin werde ich mich noch lange erinnern, nur 2600 m querab des Reschenpasses, über mir die irrsinnig hohen Berge. Ständig die Sicherheitshöhen nachrechnen, zurück nach Pfunds, vorwärts nach Scuol? Doch die Bedingungen besserten sich und ich konnte in gut über 3000 m Höhe über den Piz Nuna ins Oberengadin einsteigen. Am Ofenpass schon 3500 m, bei Samedan 3700. „Ein Traum“, gähne ich in mich hinein.

Auf meinem harten Holzstuhl kann ich sie fast nochmal spüren, die integrierten 4,7 m/s Steigen auf dem Rückweg nördlich von Innsbruck um 5 Uhr Nachmittags. Und wie ich mich dann heimgemogelt habe,  nur 2100 m am Achensee, im ganz schwachen Steigen. Der Bundesligaflug längst abgeschlossen, und immerhin: ich stieg. Schließlich an den Westhängen westlich des Sees die Höhe auf Nordkurs halten, Endanflug mit 500 m Sicherheit. Einfach schön…

„¡Benjamin, Benjamin!“ Ich fahre aus meinem Dösen heraus: „¿Qué?“ ¡Por favor, presta atención! ¿No vas a leer el texto?“ „Lo siento, sí, sí lo voy…“

„Und, was hast du gestern so gemacht?“, flüstert meine Banknachbarin kurz danach.

„Geflogen“ , brumme ich heiser.

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Wettbewerbstuning

Es gibt eigentlich nichts blöderes, und gleichzeitig nichts gemütlicheres, als einen regnerischen Samstag.

Der Wetterbericht für heute war sehr optimistisch gewesen, aber die Schauer haben bei uns an den Alpen so schnell Überhand bekommen, dass sich keine sinnvolle Thermik ergeben konnte. Vorhin hat es dann auch ein ziemliches Gewitter gegeben.

Eigentlich hatte ich geplant, über das Wochenende doch noch nach Ansbach zu fliegen und den D-Kader zu besuchen, aber die Schauer ließen mir keine Möglichkeit. Außerdem wird morgen in den Bergen vielleicht das bessere Flugwetter.

So hab ich die 2D heute mal ganz in der Halle gelassen. Beim Kuchenessen vorhin wurde ich von vielen Seiten angesprochen: „Ich dachte, wenigstens du würdest es heute mal versuchen, da drüben vielleicht zwischen den Schauern, oder hier unter dem blauen Loch…“ – „Was ist denn mit dir los?? Am Boden, obwohl es nicht mal dauerhaft regnet?“

Am Vormittag hab ich mich mit Ferdi über die Flugsicherheit und über dies und das unterhalten, am Nachmittag hab ich dann mal etwas ernsthafter angefangen, die 2D auf den Königsdorfer Wettbewerb, der in zwei Wochen anfängt, vorzubereiten.

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(Wer sich daran stört, kann das Ding natürlich binnen zwei Minuten wieder ausbauen. Mal sehen, wie lange es drin bleibt!)

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Aber, okay, was sinnvolles haben wir heute nicht gemacht.

Morgen wird hoffentlich gutes Thermik im ganzen Ostalpenbereich. 🙂

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Teil 4: 1670 km in drei Tagen

Das Wetter wurde tatsächlich gut. Am Sonntag, dem 12.04.2009, kam ich mit dem Plan zum Flugplatz, erneut mit dem Discus über die 500 km- Marke zu kommen.

Beim Briefing um neun Uhr hatten wir ein richtig volles Haus: Das strahlende Wetter lockte allerlei Piloten aus dem verlängerten Winterschlaf, und die Nachbarn aus Benediktbeuern, deren Flugplatz momentan durch Erdarbeiten unbenutzbar ist, waren kurzerhand zu uns umgezogen. Mein Freund Martin, meinstens in einer DG-200 unterwegs, war auch in dem lustigen Haufen.

In den beiden Einsitzern wollten wir uns nun auch auf Kurs werfen, aber leider war Martins Maschine am Vorabend beim Abrüsten an einer Steuerstange verletzt worden.

Bei der Flugzeugvergabe wurden alle Flugzeuge, die wir hatten, belegt. Ich hatte mir die 2D gesichert, wie immer. Letztlich blieb allerdings ein Flugzeug übrig: Der Duo.

Martin sagte nichts, auch ich dachte zuerst nur kurz nach, sah Martin an, dann den Doppelsitzer, dann wieder Martin, und dann waren mir alle Standardklasse-Punkte des heutigen Tages egal. „Komm, wir holen ihn aus der Halle.“

So kam es, dass wir beide im Duo auf Strecke gingen, mit dem Ziel der 500 km im Hinterkopf.

Hier geht es zur Fluginfo.

Bilder vom Flug gibts heute mal weiter unten: Ich hab herausgefunden, wie man Slideshows bastelt.

Es war nach halb eins, als die Thermik im Flachland endlich losging. Wir starteten an der Winde und flogen in guter Blauthermik in die Berge, mit dem Ziel, zunächst den Dachstein 160 km im Osten zu erreichen.

In den Tegernseer Bergen katapultierten uns bis zu 5 m/s Steigen in den Himmel. Über den wilden Kaiser und die Leoganger Steinberge  kamen wir schnell bis ans Steinerne Meer. Dort ging es an der langen Südwand nur abwärts, so dass wir uns aus unter 2000 m wieder an einen niedrigeren Südhang retten mussten. Beim Hochkurbeln trafen wir Hans. Zusammen beschlossen wir, auf die Südseite der Alpen zu springen, da dort gute Cumuluswolken standen und hervorragende Bedingungen versprachen. So stiegen wir so hoch wir konnten und glitten vorsichtig über die eisbedeckten hohen Tauern. Ich vertraute Hans in dieser Flugphase, denn ich hatte das noch nie gemacht. Auf der Südseite sah alles ganz unbekannt und neu aus, auch wenn ich auf der Karte und im Simulator schon oft dort gewesen war. Erst nach einigen Minuten fiel mir die Orientierung leichter.

Wir flogen in zunehmend starken Flugbedingungen an Mauterndorf vorbei zum Millstätter See, dann das Drautal entlang bis Lienz. Im Gegensatz zur völlig blauen Alpennordseite gab es hier  hervorragende Wolken, die das Steigen zuverlässig markierten.

Danach entschieden wir uns, da es schon nach vier Uhr war, über den Felbertauern-Pass nach Norden zurückzugehen.

Über das Pinzgau und das Zillertal flogen wir auf Westkurs ins Inntal. Westlich von Innsbruck, es war halb sechs vorbei, wollte ich auf Heimatkurs gehen, doch Hans war sich des Wetters sicher und zog uns noch mit sich zum Venetberg, etwa 100 km südwestlich unseres Heimatflugplatzes. Die Bedingungen schwächten deutlich ab, aber noch konnten wir mit zuverlässigem Steigen rechnen.

Es war schon irgendwie absurd, als wir uns im Cockpit sagten: „Jetzt ist es nach sechs Uhr, und wir haben noch 100 km nach Hause zu fliegen. Wenn das mal gut geht.“

Am Tschirgant stiegen wir dann im letzten verlässlichen Aufwind des Tages auf 3500 m Höhe. Rein rechnerisch sollte das bis nach Hause reichen! Doch Hans, der inzwischen 10 km voraus war und zunächst meinen Plan, die Zugspitze westlich zu umfliegen, erfolgreich ausprobiert hatte, meldete einige Kilometer nördlich dieser Wand starkes Fallen und Lee-Einflüsse. Dies bestätigte: Wir haben Nordwind. Während Hans und seine Antares in immer größere Probleme gerieten und schließlich sehr tief in den Hangwind am nördlichen Soierngrat einsteigen mussten um nicht in Krün zu landen, konnten Martin und ich diese Informationen in einen optimalen Flugweg ummünzen: Wir querten den Wettersteingrat auf die Nordseite, konnten dort auf Ostkurs unsere Höhe für 5 km halten und mit bequemer Höhenreserve über den Walchensee ins Flachland hinausgleiten. In über 600 m Höhe kamen wir zuhause an.

Hans, der uns vor dem Fehler bewahrt hatte, selbst ins Lee östlich von Garmisch zu fallen, kam 15 Minuten später auch noch an. Der Nordwind hatte ihn wieder hochgetragen.

Die Bilder vom Flug:

Letztlich waren es 538 km in etwa sechseinhalb Flugstunden. Wir sind zwar wie Kraut und Rüben geflogen, aber das Sightseeing auf der Südseite war es eindeutig wert!!

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Am nächsten Tag, dem 13. April 2009, wollte ich mich dann mal wieder um DMst-Punkte kümmern. Der heutige Tag sollte sich als einer der besten im ganzen April herausstellen, denn heute war auch auf nördlich des Hauptkammes mit freundlichen Wolken zu rechnen.

Langsam liebäugelte ich auch ernsthaft mit den 600 Kilometern. Im April, das wäre schon ein Ding.

(Das Blog- Schreiben ist gerade ungeheuer schwierig, weil ich von einer riesigen, sabbernden Miezekatze belagert werde.)

Der Link zum Flug!

Ein wieder verhältnismäßig später Start kurz vor 12 Uhr Ortszeit. Eine feste Aufgabe hatte ich nicht angemeldet. Zuerst nach Osten, dann nach Westen, das war mein Plan, mit der Option, vielleicht auch auf die Südseite zu springen. Denn dort hatte ich es gestern schon ganz toll gefunden.

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Im Funk herrschte Hochstimmung. Es wurde geklagt, gejubelt, übertrieben, taktiert und gescherzt, genau wie es sich an einem Ostermontag über den Bergen eben gehört. Anhand der Funkmeldungen und der Wolkenoptik entschied ich mich für den Einstieg über den Achensee. Eine ziemlich gute Idee, denn prinzipiell brauchte ich von den Blaubergen bis zum Gerlos nicht viel zu kreisen. Erst am Gerlos begann ich kurzzeitig zu schwitzen, als ein fieses Lee mich über dem hohen Gelände unter 2500 m drückte. Zur Not wäre ich lieber ins tiefe Zillertal zurückgekehrt als weitergeflogen, doch ein anfangs schwacher, dann passabler Bart half mir mit 400 Höhenmetern.

Nun konnte ich durch den recht starken Dunst endlich ins Pinzgau sehen. Über der Nordflanke stand etwas, das wie eine Wurst aus Wasserdampf aussah. Irgendwie unnatürlich, gar nicht mehr wie Cumuluswolken. Entweder das Pinzgau geht heute überhaupt nicht, oder so richtig gut, dachte ich.

So flog ich knapp unter 3000 m Höhe unter den Anfang der Wurst, auf Ostkurs, hoping for the best.

20 Minuten später und 300 Meter höher, und noch dazu ziemlich sprachlos, überquerte ich Zell am See. Keinen Kreis hatte ich fliegen müssen, ich war genau zur richtigen Zeit am richtigen Ort gewesen. Wenn das so gut geht hier, dann wird die Südseite sicher auch toll. Also bereitete ich mich auf die Hauptkammquerung südlich von Bad Hofgastein vor. Ich ritt den Grat nach Süden hinauf und traf auf Peter in der DG 600. Zusammen holten wir die letzten Höhenmeter für die Querung des Alpenhauptkammes.

Selbst aus 3200 m Höhe konnten wir nicht richtig sehen, welche Wolken dort im Süden standen und wie gut es dort gehen würde. Im Funk schalteten sich auch Hans und Wolfgang Hake jun. ein, die den gleichen Plan zur Querung hegten. Etwas planlos und unsicher glitten Peter und ich in Richtung Wand, in den undurchblickbaren Dunst hinein. Hans entschied sich einige Kilometer hinter mir aufgrund der Optik eindeutig zur Umkehr.

Ich dachte noch einmal nach, dann zog ich den Discus nach links tat es ihm gleich. Peter wollte es dennoch versuchen.

20 Minuten später wurde er bei Villach zur Außenlandung gezwungen. Mir wäre es auch nicht besser ergangen.

Die schnelle Planänderung ließ mich zuerst etwas ziellos weiter nach Osten fliegen und die Eislandschaft unter mir zu bewundern. Ich kurbelte noch einen Aufwind auf 3100 m, dann wandte ich mich nach Westen, was die anderen beiden schon vor 5 Minuten getan hatten.

Südlich von Zell am See sah ich zum ersten Mal in meinem Leben wilde Steinadler. Die beiden Tiere stiegen in meinen Aufwind ein und begleiteten mich mehrere Minuten lang darin.

Bis ins Inntal zurück war´s business as usual, sodass ich bald an der Nordkette war. Dort ließ mich der Fluglotse einen Umweg nördlich von Innsbruck machen, da ihm zu viele Segelflugzeuge die Waldbrand-lösch-Hubschrauber-Aktivitäten zu behindern schienen.

Dies kostete mich zwar etwa fünf Minuten, aber der gute Bart an den Arnspitzen brachte mich schnell wieder ins Rennen.

Über dem Tschirgant runzelte ich die Stirn: Hä, Regen? Tatsächlich. Es war vier Uhr und es begann zu schauern. Hans meldete 30 km weiter südwestlich, im Engadin, schon massive Schaueraktivität. Er riet mir, nicht in die Schweiz, sondern richtung Arlberg weiterzufliegen, um „trocken“ zu bleiben.

Ich find es immer super, ein neues Gelände kennen zu lernen. Also flog ich das Paznauntal hoch, um dort mehr Kilometer zu gewinnen. Die Berge hier empfand ich als noch imposanter als die im Engadin, obwohl ich sie ja eigentlich nur von der anderen Seite her sah.

Um halb fünf wendete ich am Stausee bei Galtür, bei dem das Tal zu Ende ist und der Pass nach Davos im Weg steht.

Zwar war es noch sehr früh am Abend, aber ich hatte ja auch noch fast 160 km nach Hause. Außerdem schien es im Inntal inzwischen stelleinweise ernsthafter zu regnen. Um kurz vor fünf flog ich an zwei großen Schauern vorbei über den Tschirgant. Am Vortag war ich über eine Stunde später hier gewesen!

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Ich kam nochmal auf 3100 m Höhe und sah gute Chancen, im regenfreien niedrigeren Gelände nochmals „tanken“ zu können, um meine Strecke nach Nordosten ins Flachland verlängern zu können. Dann würde vielleicht sogar noch ein FAI-Dreieck aus dem Flug!

Also flog ich in inzwischen recht sicherer Endanflughöhe an der schaurig-stimmungsvoll stehenden Zugspitze vorbei. Dabei bildete sich an meinen Flügelvorderkanten kurzzeitig sogar Eis, was ich nicht besonders lustig, dafür aber irre spannend fand.

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Die hohe Kiste schenkte mir tatsächlich noch einmal Energie bis auf 3000 m Höhe. Auch im Flachland konnte ich noch zweimal je 200 m Höhe gewinnen und hatte etwas nördlich von Königsdorf nun 1900 m Höhe über Grund zum Abgleiten.

Erst kurz vor Grünwald musste ich laut Rechner umdrehen. Nun musste zum Ausklinkpunkt am direkten Alpenrand zurück fliegen und dann noch nach Königsdorf, um dort zu landen.

43 km Gleitflug lagen vor mir.

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Schön. Einfach schön.

Ich landete um sieben Uhr, nach insgesamt 590 OLC-Kilometern und über sieben Stunden Flugzeit.  Mein FAI-Dreieck war 544 km lang geworden und brachte mir 604 Punkte für die DMst.

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Und das Wetter blieb gut. Nach acht Flugtagen mit nur zwei Pausetagen dazwischen musste ich mich dennoch im Zaum halten: Irgendwann macht das der Körper und die Psyche einfach nicht mehr mit.

Aber noch war ich fit, einmal fühlte ich mich noch fähig, auf Tour zu gehen. Dann allerdings konnte das Wetter so gut bleiben wie es wollte, es war erstmal genug.

14.04.2009

Nun wollte ich es aber wissen. Ich meldete ein 563 km langes FAI-Dreieck um den Wildkarkogel in den hohen Tauern und Zernez im Engadin an. Thomas Wolf mit seiner LS 6 würde mich begleiten und „ziehen“.

Der Link zum Flug!

Wir starteten um halb zwölf, eigentlich wieder zu spät. Herbert Weiß, der eine halbe Stunde vorher losgezogen war, sollte heute ein 700 km FAI-Dreieck um Nötsch und St.Moritz heimbringen.

In den Tegernseer Bergen hatten wir anfangs Probleme hochzukommen, ab Kufstein allerdings lief der Flug gut. Wilder Kaiser, Loferer, Steinernes Meer. Etwas nach Süden, schon waren wir an der ersten Wende. Erstaunlich fand ich, wie gut der Discus mit der 3 m größeren LS 6 im Gleitflug mithalten konnte; beim Steigen allerdings leisten deren Wölbklappen ganze Arbeit und lassen die Standardklasse in der Tiefe zurück.

An der gleichen Stelle wie am Vortag trafen wir wieder auf das Adlerpaar, das ich gestern schon gesehen hatte. Ob sie mich auch wiedererkannt haben?

Ganz klassisch übers Pinzgau ging es ins Inntal. Da wir an der Nordkette viel Zeit in schwachen Bedingungen verloren, war es bereits halb fünf, als wir endlich ins Engadin einsteigen konnten. Eine kurze Rechnung bestätigte, dass wir Zernez nicht mehr erreichen konnten, wollten wir nicht auf dem Heimweg mangels Thermik liegen bleiben. Also flogen wir nur noch bis zum Reschenpass, stiegen dort auf unglaubliche 3800 m Höhe und machten uns auf einen fast völlig problemlosen Heimweg. Und jetzt lassen wir mal wieder Bilder für sich sprechen:

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Trotz eines gescheiterten FAI-Versuches war es ein großartiger Flug, immerhin 541 km weit und wieder beinahe sieben Stunden lang.

Und dann fuhr ich heim, und schlief erstmal. Schließlich hatte ich ja eigentlich Ferien.
Auch die folgenden zwei Tage wären zum Fliegen brauchbar gewesen, aber… man soll ja aufhören, wenn´s am schönsten ist.

Teil 3: Drei Blauthermikflüge

Ich war es einfach nicht mehr gewohnt, so lange zu fliegen wie am Vortag,  und weil ich das gute Wetter nicht einfach verstreichen lassen wollte, ließ ich es am Mittwoch (08.04.) etwas gemütlicher angehen. Ich lud meine Mutter in den Duo Discus ein und flog mit ihr spazieren. Das war ich ihr schuldig, weil ich ja sonst nie zuhause bin…

Nebenbei übte ich den Einstieg in die Berge nach Osten über den Tegernsee und den Schliersee. (Hier gehts zum Flug!)

Am Donnerstag (09.04.) versprach der österreichische Alpenflugwetterbericht wieder ähnlich gute Thermik wie am Dienstag, nur mit weniger Wolken. Irgendetwas ritt mich, mir ein 560 km langes Dreieck vorzunehmen. Ich startete recht zeitig und kam viel zu früh in den Vorbergen an.

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Nur schwaches Thermikblubbern ließ mich voran kommen, und als ich am Soiern völlig abprallte und viel zu tief kam, brach ich mit Aussicht auf ein stabil-blau gefärbtes, dunstiges Inntal den Flug ab. Dann sammelte ich noch ein paar Kilometer im Osten, ohne wirklich gute Bedingungen anzutreffen. Also flog ich heim und landete nach drei Flugstunden. (Der Link zum Flug!)

Am Freitag musste ich sowieso arbeiten und eine Flugpause schadete nicht.

Am Samstag (11.04.) dann war etwas schwächeres Wetter, aber ich zog trotzdem los und flog über 300 km. Der geplante Ost-Abflug wurde mir durch die tiefe Basis gehörig versaut, so dass ich bei Geitau wendete und nach Westen flog. Erst als an den Arnspitzen die Thermik richtig gut wurde, brach ich den Flug  doch nicht ab und kam bis Landeck. Auf dem Rückweg sah ich mir den Wettersteingrat zum ersten Mal ganz aus der Nähe an.

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Dort fiel zum zweiten Mal an diesem Tag gehörig in ein Lee hinein und machte mich auf den Rückweg. Ein sehr spannender und äußerst lehrreicher Flug im Blauen. Nach viereinhalb Stunden war ich zurück in Königsdorf. (Der Link zum Flug!)

Und dann sollte das Wetter für einige Tage wieder richtig gut werden.

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Teil 2: „Angemeldet 510 km FAI“

Der Link zum Flug!

Die Idee dazu kam mir am Abend nach dem Flug mit Jan. Nein, eigentlich ist die Idee schon älter, nämlich hatte ich mir schon nach meinem ersten und bis dahin einzigen freien 500-Kilometer-Flug im Juni 2008 Gedanken über einen vorher deklarierten (und damit 30 Prozent Punktezuschlag bringenden) 500er Dreiecksflug gemacht. Auf diesem Flug, so hatte ich mir den Plan im Herbst zurechtgelegt, könnte ich größere Dreiecke in Richtung 700 km Streckenlänge und darüber hinaus aufbauen, indem ich die beiden Wendepunkte immer weiter nach Südosten bzw. Südwesten herausschiebe und den zweiten Schenkel auf die Südseite des Alpenhauptkammes lege.

In den Wintermonaten dann hatte ich Landkarten studiert, mir jeden Talverlauf eingeprägt, die Geländehöhen und die Landemöglichkeiten mental eintrainiert, die Strecke auf Schwierigkeiten und Besonderheiten untersucht  und hatte schließlich einen Flugzeitplan vor mir liegen, anhand dessen ich den Flug rechtzeitig abbrechen konnte, wenn ich zu spät dran wäre. Im Mai, hatte ich gedacht, im Mai könnte ich es dann mal versuchen.

Doch nun war der Abend des 6. April, ich war mit Wolfram im Vereinsheim und wir schlugen gerade unser Lager zum Schlafen auf. Der Gedanke ließ mich einfach  nicht los. Der Wetterbericht sagt „mässig“, etwas besser als heute, warum also nicht versuchen? Abbrechen kannst du den Flug immer noch. Also entschied ich mich vor der großen Wandkarte im Büro für die Dreiecksstrecke Bad Tölz – Ardez (Engadin) – Bad Hofgastein – Bad Tölz. Etwa 510 km würden das sein, eine Sache von fünfeinhalb bis sechseinhalb Stunden Flug.

Dann ging ich schlafen.

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Wir standen früh auf, um die Halle auszuräumen. Auch Wolfram und Jan, der wenig später anrollte, wollten auf Strecke gehen. Ich würde es versuchen, und ich war zuversichtlich. Wer wird sich hinstellen und zweifeln, wenn er an einem hellen Frühlingsmorgen nach Süden blickt und die Aussicht auf einen ganzen Tag über den Bergen hat?

So packte ich Ausrüstung, Verpflegung und Maulwurf in die 2D und speicherte die Strecke in den Bordrechner ein. Wenn ich den Kurs heute umrunde, dann sind das über 600 Punkte, das hatte ich ausgerechnet.

Der Zeitplan, den ich sehr pessimistisch und vorsichtig gerechnet hatte, sah einen Start frühestens um 10:30 und spätestens um 11:30 Ortszeit vor. Doch die Thermik wollte nicht so recht anfangen, und mit der ersten kleinen Böe stieg ich mich mit zehn Minuten Verspätung in den Discus ein. Es war 11:45, als mich Edi mit seiner rosa Schleppmaschine in Richtung Blomberg zog. Der Zwiesel schickte zuverlässiges Steigen um 2 m/s nach oben, und schnell hatte ich genug Höhe, um meinen Abflugpunkt, das Alpamare in Tölz, wie geplant in 1800 m über dem Meer zu umrunden und die Aufgabe zu beginnen. Zurück über dem Zwiesel, verlor ich nicht viel Zeit mit Steigen, ich drängte nach Süden in die Jachenau. Mein Rückstand hinter dem Zeitplan war nun fast eine halbe Stunde. Latschenkopf, Talquerung. Südöstlich des Soiern fand ich den ersten guten Aufwind des Tages: Über 3 m/s ließen mich fast 3200 m Höhe erreichen. Der Einstieg war geschafft.

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Im Inntal sah ich einzelne Entwicklungen, so dass ich die Standardroute über die Arnspitzen, Mieminger, Tschirgant und Venet wählte.

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Es lag irrsinnig viel Schnee im Süden. Trotzdem war der Einstieg ins Engadin unproblematisch. Hans und Christoph, die ich am Venet getroffen hatte, waren auch auf Südwestkurs. Hexenkopf, Muttler, überall kamen nun kräftige Aufwinde herauf, so dass es nicht nötig war, viel zu kreisen. Schnell kamen wir gegen den Wind voran.

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Als ich am Muttler vorbeiflog, waren es nur noch 30 km bis Ardez. Vor dem Piz Linard kurbelten wir zu dritt einen starken Aufwind bis 3300 m Höhe, ich warf einen letzten Blick auf die majestätische Antares und auf Christophs Discus, die ihr Glück noch weiter im Südwesten suchten.

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24 Minuten hinter dem Zeitplan umrudete ich die vorher gesteckte GPS-Marke in Ardez und machte mich auf den Weg nach Osten –  doch nun hatte ich den Wind im Rücken.

Und wie der mich vorantrieb. Und noch dazu war ich nun so richtig eingeflogen. An Kreisen dachte ich nicht einmal im Entferntesten, als ich mit bis zu 180 km/h das Engadin herunterraste, Muttler, Hexenkopf, Venet, schon war ich wieder im Unterinntal. An den Miemingern hatte sich mein Zeitrückstand auf 6 Minuten verkürzt, seit der Wende war mein Schnitt bei fast 124 km/h. Ich nahm Funkkontakt mit Jan und Wolfram auf,  die im Osten geblieben waren und etwa 50 km vor mir den gleichen Kurs wie ich flogen. Von ihnen bekam ich nützliche Infos über das Wetter und konnte meinen Stil gut anpassen. „Euch hol ich schon noch ein“, witzelte ich im Funk.

Nordkette, Innsbruck, Achensee. Der Flug war völlig problemlos. Der Fluglotse gab mir eine Fregabe zur Querung des Inntals. Am Kellerjoch jedoch überzeugte mich das schwache Steigen nicht: Da kommt sicher noch etwas besseres. Doch wo ich auch suchte, fand ich nur Sinken. Komisch.

Plötzlich schlug ich mir auf die Stirn: Den gleichen Fehler hast du im letzten Juni auch schon gemacht. Damals hatte ich mich hier im Zillertal mit nur 1800 m Höhe herumschlagen müssen und eine halbe Stunde Zeit verloren.

Nachmittags in niedriger Höhe einen Südosthang anzufliegen, ist meistens irgendwie ziemlich dämlich. Die Sonne steht im Südwesten, der Wind kommt aus Westen, wo warst du nur mit deinen Gedanken.

Meine nur mehr 2200 m Höhe hatte ich mir selbst eingebrockt und wollte es nicht noch schlimmer machen. So querte ich auf die Ostseite des Zillertals, flog an einen einladenden Hang und kreiste in angenehmen 3,5 m/s Steigen ein. Gerettet – viel Zeit hat das nicht gekostet. 10 Minuten hinterm Zeitplan.

Querab vom Gerlos stieg ich ins Pinzgau ein. Jan und Wolfram, 20 Minuten vor mir, berichteten von keinen guten Aussichten im Osten: Große blaue Löcher, vom Schnee her gedämpfte Thermik. Aber da drüben, 110 km weiter, liegt mein Wendepunkt? Bestimmt geht der ganz prima, der Osten.

Ich versuchte, in den wirklich schwachen Aufwinden nicht viel Zeit zu verlieren und die Thermikoasen um Zell am See ohne Zeitverlust zu erreichen. Ob ich Bad Hofgastein umrunden können würde, wusste ich nicht mehr. Wolfram und Jan, in Discus 2/18 und LS 4 unterwegs, hatten gewendet und flogen mir entgehen, Kurs nach Hause. Jan war etwa so tief wie ich und es war ein beeindruckender Moment, als wir mit über 300 km/h Relativgeschwindigkeit aneinander vorbeirauschten. Als Gruß wackelten wir mit den Flügeln, dann zogen wir unserer Wege.

Jetzt war es 16 Uhr und ich hatte mich irgendwie nach Zell am See gemogelt, ohne gute Thermik. Trotzdem kam ich hoch genug an, um am Hundstein mit zwei österreichischen Flugzeugen zusammen mit über 3 m/s auf 3400 m Höhe zu steigen. Die 10 Minuten Zeitrückstand hatten sich trotz der schwachen letzten Stunde auf 10 Minuten Vorsprung ausgebaut. Auch wenn in der Nähe des Haupkammes, wo ich hinwollte, keine Wolken mehr waren: Irgendwie komm ich da schon rum.

Kurs auf den Wendepunkt, noch 30 km. Ins Blaue hinein. Thermik gab es hier, südlich des Tales, offensichtlich echt keine. Na, sehr beruhigend. Auf der Westseite des Gasteiner Tales ritt ich den Grat hinauf nach Süden, doch nirgendwo war greifbares Steigen. 2600 m. Ich müsste nur das Tal überqueren, dort ist der Wendepunkt. Ich bin gerade so noch in der Zeit, rein Rechnerisch würde ich dann noch heimkommen, aber was, wenn ich da drüben zu tief komme, um noch Anschluss nach oben zu bekommen? Hier am Ende der Welt außenzulanden wäre nicht so lustig. Soll ich, soll ich nicht? Während meiner Gedanken hatte ich das Flugzeug in einem Aufwind ohne Steigen und ohne Sinken „geparkt“ und überlegte. Mit jeder Sekunde, die ich wartete, sank die Sonne tiefer. Ich wog alles genau gegeneinander ab, kam zu keinem logischen Ergebnis.

Und dann flog ich einfach los, glitt 10 km durch unbewegte Luft und umrundete den Wendepunkt in 2600 m Höhe. Wer wird denn 10 Kilometer vor der zweiten Wende umdrehen, fragte ich mich. Jetzt nur obenbleiben, einfach heimfliegen.

Über dem Gamskarkogel schenkte mir der Westwind fast 50 m Höhe, und mehr nach Gefühl fand ich etwas weiter nordöstlich dann doch wieder etwas Thermik. Stark wars nicht, ich erreichte auch nicht einmal 3000 m, aber ich kam vorwärts. Drei solcher Aufwinde in kurzer Zeit brachten mich so weit westlich, dass ich tatsächlich eine kleine Wolke in 3100m anfliegen konnte. Mit diesem Höhenpolster erreichte ich die Nordseite des Salzachtales. Zwei hohe Wolken zogen gut, über dem Pass Thurn konnte ich über 3400 m Höhe steigen.

Mann wäre das eine Sache, wenn ich die 600 Punkte nach Hause fliegen könnte. Noch ungefähr 100 km. Aber leider, genau wie im letzten Juni, trockneten die Wolken auf Kurs überall ab und ich musste den Umweg über den Gerlospass nehmen, wo die einzigen Wolken weit und breit standen, die mich sicher heimbringen könnten. Es war schon nach fünf Uhr. Das Pinzgau schien nun weder auf der Nord- noch auf der Südseite zu funktionieren. In 2200 m Höhe schlich ich über den Pass. Der Gleitflug vom Pass Thurn hatte mich 1200 m gekostet! Nun lag es an den Westhängen des Zillertals, zu entscheiden: Komme ich heim, oder sitze ich im Inntal?

Doch das Kreuzjoch ließ mich nicht hängen. Bald fand ich unter der vorletzten Wolke, die ich sehen konnte, etwa eineinhalb Meter Steigen am Hang. Erst in engen Achten, dann in vorsichtigen Schleifen, schließlich in Kreisen ging es ein letztes Mal auf 3000 m, das genügte mir.

Ich holte die Freigabe vom Innsbrucker Controller, nach Norden zu queren, überflog den Achensee und zog meinen MP3-Player aus der Bordtasche. Die Luft war hier im Norden fast unbewegt, nur der Westwind erzeugte kurze, beruhigende Steigböen an der Ostseite des Achentals.

Die Songs, die ich hörte, waren diese:

– Andy Mckee: Rylynn

– Coldplay: Viva la Vida

– Dire Straits: Your Latest Trick

– Farin U: Unscharf

– Brand New: I will play my game beneath the spin light

– Nelly Furtado: Forca

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Das ist übrigens Delta Mike, der Maulwurf. Er ist seit über zwei Jahren mein Copilot.

Die Lichtstimmung im Endanflug war überwältigend.

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Und dann war ich da. Meine Ankunftshöhe war kontinuierlich gestiegen, so dass ich das Alpamare in über 700 m Höhe überflog und noch Zeit hatte, ein bisschen nach Norden herauszufliegen.

„Zwei Delta geht auf Platzfrequenz.“
Ich liebe diesen Satz. Man könnte genau so gut sagen: Ich hab´s geschafft, ich bin wieder zurück. Yeah.

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Sechseinhalb Stunden Flug. Einfach klasse.

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Mein Zeitplan, das hat es mir außerdem gezeigt, stimmte einigermaßen. Ich kann darauf aufbauen. Wenn die Thermik nur noch eine Stunde länger hält und ich eine Stunde früher starten kann, dann habe ich sie tatsächlich auf dem Papier, die 700 Kilometer FAI.

Langsam begann ich diese Wetterlage zu mögen. Sie schien sich fortzusetzen…

Von Wolke zu Wolke.

Hier meldet sich die Alpha Lima India November Alpha. Überraschenderweise wurde ich zur Co-Autorin erwählt. Dieser Ehre gebührt eine sofortige Reportage. Diese wird vermutlich recht unkonventionell ausfallen, denn vom Wetter hab ich keine Ahnung. Ebenso wenig von Thermik, Physik und Flugstrategien (gibt es die überhaupt?). Deswegen bin ich auch Co-Autorin und nicht Co-Pilotin.

Eigentlich hatten Benny und ich uns einen denkbar schlechten Tag zum Fliegen ausgesucht. Aber für ihn gibt es anscheinend kein schlechtes Flugwetter. Und ich hab ja sowieso keine Ahnung davon.

Nach einer meteorologisch sicherlich grandiosen Frühsommerwoche, war der Himmel am Morgen unseres Flugtages verhangen und grau. (Mit der Aussicht auf einen Segelflug ist es nicht sonderlich ermutigend von den aufs Dach fallenden Regentropfen geweckt zu werden.)

Wir trafen uns am Flugplatz Königsdorf. Bei, ich würde sagen, gefühlter Windstärke 8 oder 9. Abenteuerlich wirkten die zu beobachtenden Windenstarts deswegen natürlich nicht.

An den makellosen, vollkommenen, ästhetischen Tragflächen des Duo Discus erfühlte ich erneut die unfassbare Schönheit eines Flugzeugs und das grenzenlose Fernweh.

Auf, auf und davon.

Doch zunächst mussten wir uns den Duo Discus frei kämpfen. Eingekeilt lag er in mitten der anderen Flieger. So chaotisch der Blick in so eine Halle auch sein mag, faszinierenderweise berührt hier drin kein Flugzeug das andere. Schwer vorstellbar, is aber so. Jedenfalls machte uns die gefühlte Windstärke 8 oder 9 beim Abstellen der Flieger im Freien doch zu schaffen. Weggepustet, umgekippt, davongeblasen… Nein, wir haben schon aufgepasst. Die Flieger sind heil geblieben.

Duo Discus raus. Dann dieser Check, dessen Namen ich mir nicht merken kann. Sieht wie folgt aus: Alina klettert ins Flugzeug, betätigt einige Hebel, während Benny das Flugzeug umkreist, hier und da ein wenig rüttelt, zieht, etc. (Immerhin weiß ich, das dieser Check gemacht wird, damit wir nicht fahrlässig vom Himmel plumpsen.)

Warteschleife. Kaum zu glauben, das so viele Fliegen wollen. Benny erklärt mir, dass wenn das Flugzeug noch nicht ganz oben angekommen ist, aber das Seil schon ausklinkt oder gar reißt, dann gäbe es einen lauten Knall und er würde ein Notverfahren einleiten. Völlig in Ordnung. Benny kann alles.

Und dann ging es los. Flieger auf die Startbahn, Fallschirme anziehen, anschnallen, Windenseil einklinken, Deckel druff, Handzeichen und… Holperdipolter – aber nur ein paar wenige zehn Meter, denn schon hob unser Flieger vom Erdboden ab.

Einfach so, hinauf gezogen. Abgehoben.

Mit einem Affenzahn in steilem Winkel direkt nach oben auf die Wolken zu. Dann, ein lauter Knall.

Hätte Benny in diesem Moment nicht gesagt, „So, wir sind oben.“ – Ich glaube ich hätte ein eingeleitetes Notverfahren erwartet.

Ich kann nicht mehr so genau sagen in welche Richtung wir geflogen sind. Ein bisschen Osten, zurück nach Westen, ein wenig nach Norden.

Fliegen ist die schönste Sache der Welt. Und wenn man hinten sitzt, kann man sich ohnehin fast nur auf die Tatsache konzentrieren, dem Kopf begreifbar zu machen, das man fliegt, ohne ihn dabei zu verlieren. Und die Aussicht genießen. Von oben, das muss mal erwähnt werden, sieht man noch nicht einmal Erhebungen in der Landschaft. Da sieht alles ganz platt aus.

In der Luft herrschte Windgeschwindigkeit 100. Ich meine natürlich, der Wind pfiff mit einer Geschwindigkeit von 100 km/h. Der Duo Discus stand in der Luft. Fiel nicht herunter, flog nicht vorwärts. Stand einfach. Beeindruckend, wenn man weder vom Wetter noch von Physik den blassesten Schimmer hat.

Unser Flug kreiste im wahrsten Sinne des Wortes um ein Ziel: Aufwinde finden. Hatten wir einen, so flog Benny darin kreiselnd nach oben. Dafür gibt es sicherlich einen Fachbegriff. Aber dafür bin ich noch nicht zuständig. Auch wenn das unsere Hauptbeschäftigung war, allein schon deshalb weil wir nicht auf die Erde zurückkehren wollten, so durfte ich trotzdem auch mal fliegen.

Und zwar immer dann, wenn wir uns nach oben hatten trudeln lassen (also, wenn Benny uns nach oben geflogen hatte) und wir auf der Suche nach einem neuen geeigneten Aufwind waren.

„Jetzt darfst du mal“, kam es von vorne, „Versuch mal die Wolke da geradeaus anzufliegen. Unter jeder Wolke befindet sich ein Aufwind. Und jetzt flieg!“

Mein erster eigener Flug, von dieser Wolke zur nächsten, wand sich wie eine Schlange. Ich hatte kein Gefühl dafür, wie man Pedale (nennt man die so?) und Steuerknüppel (Fachsprache bitte, Herr Kapitän!) betätigt um ans Ziel zu kommen.

Aber ich kam an. Bei der besagten nächsten Wolke. Der Pilot übernahm wieder und ich äußerte mein absolutes Unverständnis darüber, wie er es schaffte den Flieger so perfekt geradeaus zu fliegen.

„Ist gar nicht so schwer. Du musst nur immer wieder ausgleichen. Und probier mal aus, was passiert wenn du nur Pedale oder Steuerknüppel betätigst.“

Benny, die Hoffnung noch lange nicht aufgegeben, überließ mir erneut das Steuer mit der Anweisung: „Flieg mal die Wolke da vorne an. Diesen kleinen Fetzen da.“

Ich weiß jetzt schon gar nicht mehr, was ich so gravierend anders machte, jedenfalls flog ich. Und zwar ziemlich geradeaus. Mein Pilot hatte außer „Nimm die Nase unter den Horizont!“ nicht viel einzuwenden. Irgendwann erklang sein (ich bilde mir ein entzückter) Ausruf: „Ich hab schon seit 15 Minuten gar nichts mehr gemacht!“

Irgendwie lief das dann plötzlich also doch ganz gut. Wir flogen nach Osten. Wendeten über Dietramszell, überquerten Geretsried (eine von oben absolut potthässliche Stadt), erreichten sogar noch in geschätzten 400 Metern Höhe das Ufer des Starnberger Sees. Oder zumindest fast.

Von da an wurde unser Flug zu einer der schönsten Qual die ich mir vorstellen konnte. Das verzweifelte Suchen nach Aufwinden, um ja nicht landen zu müssen… Herrlich.

Schließlich, wohl oder übel, mussten wir dann doch landen, nachdem Benny mir erklärt hatte, das die Königsdorfer es nicht soooo witzig fänden, wenn man ihren Kirchturm abrasiere.

1 Stunde und 44 Minuten waren wir unterwegs.

Fügung oder Schicksal.

Unser Flugzeug kam weit vor der Halle zum stehen. Unmöglich hätten wir es gegen den Wind in sie hinein schieben können. Unmöglich. Eine willkommene, ein wenig eingeredete Unmöglichkeit.

Also: Ein zweites Mal abheben. Ein weiteres Mal kreiseln. Ein Feststellen, das einfach keine Aufwinde in der Nähe zu finden sind. Eine Landung nach acht Minuten Flugzeit, bei der Benny den Duo Discus fast direkt in der Halle geparkt hätte.

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Ein Hoch also auf meinen Magen, der das alles völlig ohne Murren mitmachte.

Und ein Hoch auf Benny, der sogar ein welkes Blatt im Wind steuern kann.

Fliegen. Fliegen. Fliegen.

Zum Schluss noch einmal Emily.

To make a prairie it takes a clover and one bee,

One clover, and a bee,

And Revery.

The revery alone will do,

If bees are few.

Danke Benny, nicht zuletzt für die Affäre mit der Freiheit.

Die Osterflüge, Teil 1: Unterwegs mit Jan

Es war zu viel, und es war zu gut, um es in Worte fassen. Auch die Bilder reichen nicht. Aber es muss einfach ein bisschen erzählt werden. Let´s begin.

Montag, 6. April 2009

Der Link zum Flug!

Nach einer selbst für seine Verhältnisse sehr langen Pause war schon Tage zuvor ein Raunen durch die Flieger aus Königsdorf gegangen, es gab ein paar Sichtungen, man hat ihn wohl irgendwo in einem Discus gesehen, am Windenstart, unter einer Wolke, in der Flugzeughalle. Irgendwann verdichtete sich das Gerücht zur Gewissheit: Jan ist wieder da!

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Die Wettervorhersage war gut, und es war für uns beide klar: Heute muss geflogen werden, und zwar zusammen.

Bald war der Duo Discus „007“ klargemacht, mit allerlei Müsliriegeln und Wasserflaschen ausgestattet und ein 322 km FAI-Dreieck angemeldet.

Am späten Vormittag starteten wir an der Winde, hatten einige Probleme mit dem Steigen in der schwachen Blauthermik, und erst nach einer Stunde Kampf konnten wir im Verband mit Patrick Kuhl im Discus 2c in den ersten richtigen Aufwind am Blomberg einsteigen.

In den Bergen gab es sogar Wolken, so dass der Flug zum Spaziergang wurde. In Höhen um 3000 m ging es über die Benediktenwand, die Arnspitzen und die Mieminger Kette bis zum Venetberg bei Landeck, unserem ersten Wendepunkt im Westen. Dann, immer noch mit Patrick im Schlepptau, das Inntal nach Osten, vorbei an Innsbruck. Über Wörgl und die Hohe Salve stiegen wir ins Pinzgau ein, wo wir sahen, welche Schneemassen in den Bergen im April liegen.

Bei zuerst schwachen Bedingungen nahmen wir unseren zweiten Wendepunkt am Pass Thurn und flogen zurück in die starke Thermik richtung Gerlospass.

Dort noch ein Aufwind, die Freigabe vom Innsbrucker Controller wurde geholt, und aus 3200 m Höhe ging es mit hoher Geschwindigkeit nach Nordwesten zurück, Zillertal, Achensee, Blauberge, und daheim waren wir. Wir landeten nach etwa viereinhalb Stunden.

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Ein Spaziergang, dieser Flug. Patrick fand´s langweilig („Nicht mal ein schwieriger Tiefpunkt dabei!“), für Jan und mich war es ein toller erster Alpenflug dieses Jahr.

Dass dies nur der Anfang einer großartigen Wetterperiode sein sollte, ahnten wir noch nicht.

…Fortsetzung folgt!