Die Geschichte vom unmöglichen Luftsprung, Kapitel 2

Die Tage vor der Meisterschaft brachten noch drei sehr interessante Flüge mit sich:

Mittwoch. Ins Blaue hinein

Zurück in Königsdorf. Die meisten hatten schon wieder eingepackt. Hätte ich auch fast. Man wartete auf den magischen Moment des Thermikbeginns, und es schien, als wartete man heute vergeblich.

Laut Vorhersagemodell hätten wir ab elf Uhr fliegen können, aber nun war es bald eins, es war 30 Grad warm, und der Himmel eisern blau. Im Norden schwammen wässrige Cumulus-Wolken, aber sie waren von Königsdorf aus nicht zu erreichen.

Die Startreihe war dünn besiedelt; man musste entweder besessen oder meteorologisch unbegabt sein, um heute starten zu wollen.

Ich wollte starten.

Benjamin Bachmaier

Um halb zwei war ich in der Luft. In 500 m Höhe warf ich das Seil und fand keine Thermik. Nein, es war mehr ein Luftstrudel, und zwar ein ziemlich lahmer Strudel! Es schien, als hätte ich über der Königsdorfer Sandgrube den einzigen Aufwind der Gegend gefunden. Bald bekam ich von zwei anderen Flugzeugen Gesellschaft, und wir ließen uns vom Ostwind nahezu 10 km nach Westen versetzen. Endlich hatten wir uns nach oben geschwitzt. Eine halbe Stunde nach dem Start war ich 900 Meter über Grund und bereit zum Abflug. Mein Ziel: Die Wolkenbänder nördlich von mir zu erreichen, um ihnen nach Osten zu folgen.

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Siebenhundert Meter, neunhundert Meter, siebenhundert Meter hoch. Es ging mühsam von Strudel zu Strudel voran. Endlich, bei Wolfratshausen besseres Steigen. Mit bis zu 1,5 m/s kam ich auf 1100 m und war hoch genug, um mich an die ersten Wolken bei Schäftlarn zu wagen. Zögerlich begann ich, Vertrauen in diese Kondenzen zu setzen. Eine Wolkenstraße nach Osten wies mir den Weg; dahinter folgten weitere Zeichen guter Aufwinde.

Der Anfang hatte mich eine Stunde Zeit gekostet. Doch nun tauchte ich in anhaltendem Steigen unter den Wolken nach Osten, das Flugzeug blitzte in der Sonne, und die brodelnde Luft versprach noch mindestens zwei Stunden schnellen Fluges.

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Donnerstag. Die Berge, da oben

Erst zog Mathias Schunk über den Rand des Inntals hinweg nach Südosten, dann Vincent Schwaller, und fünfhundert Meter dahinter flog ich. Wir bewegten uns tief im Relief.

„Hab ich euch eigentlich schon gesagt, dass ich hier noch nie so niedrig gewesen bin?“ – Mathias Stimme schien im Funk keineswegs beunruhigt. Vielmehr schien sie zu sagen: Wer um alles in der Welt würde bei diesem miserablen Wetter ein über 600 Kilometer messendes Dreieck zu umrunden versuchen? Warum tun wir uns das an, in halber Berghöhe an der Felswand des Wilden Kaisers entlang zu fliegen?

Die Antwort war einfach: Wir wollten zwei Titel gewinnen. Kämen wir mit mindestens zwei Flugzeugen über die Strecke, würden wir die Mannschaftswertung der DMSt gewinnen. Die Punkte würden mich außerdem zum deutschen Langstrecken-Juniorenmeister der Standardklasse machen.

Um viertel nach drei, auf dem Heimweg (wir waren fast fünf Stunden geflogen und dabei dreimal fast außengelandet; die 600 km hatten wir längst aufgeben müssen) traf ich zum ersten mal an diesem Tag auf einen Aufwind, der diesen Namen verdiente. Der Pinzgau schien brauchbare Thermik zu liefern und wir konnten bis auf 2700 m steigen. In zwei Stunden würden wir wieder daheim sein.

„Vorhin, in 1600 m in den Tauern, da bin ich um zehn Jahre gealtert“, gestand ich den beiden anderen Piloten im Funk.

Wir würden es morgen eben nochmal versuchen müssen.

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Freitag. Traum und Erwachen

Wir hatten schon wieder zu viel Zeit verloren. Schon am ersten Wendepunkt (Diesmal war es St. Moritz) waren Vincent und ich viel zu spät. Wahrscheinlich einfach deshalb, weil Mathias nach dem Abflug nicht hoch genug steigen konnte und wieder nach Königsdorf abdrehen musste. Ohne ihn hatte ich bei diesem schwierigen Wetter keine Chance, und Vincent war zum ersten Mal in diesem Gebiet unterwegs.

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Das Vintschgau war von tiefen Wolken gefüllt, so dass ein weiterer Umweg bevorstand und wir Lienz heute nicht mehr erreichen können würden. Also machten wir uns einen schönen Tag über den Bergen. Ich probierte viele Dinge aus, und zeigte Vincent die Gegend. „Es ist viel schwieriger als in Südfrankreich“, sagte er mir nachher. Ich bin sicher, würde er mir die Seealpen zeigen, dann würde ich das gleiche behaupten.

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Kilometer und Meistertitel wurden mir egal. In 4000 Metern, hautnah am Alpenhauptkamm, fernab jeglicher größerer Menschenansammlungen, bei 150 km/h, verliert jede Wirklichkeit ihre Dimension.

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Wir tanzten uns vom Berninagletscher über den Ofenpass, über den Reschenpass zum Kaunergrat, über die Ötztaler Alpen und den Brenner ins Zillertal. Es war großartig. Dann schlug ich vor, den Hauptkamm nach Italien zu queren. So kamen wir abends doch noch bis etwa 20 km vor Lienz. Doch die Uhr tickte und mahnte zur Umkehr. „Komm, lass uns nach Hause fliegen.“

Ich flog als erster über den Hauptkamm, und sah auch als erster, dass man nach Norden hin gar nichts mehr sah.

Die Wolken fielen tiefer und tiefer,  je weiter nach Norden wir uns gegen die Wolken drängten. Zillertalausgang. Rofangebirge. 2500 m. 2000 m. Ein Aufwind, und wir schaffen es über die Blauberge nach Deutschland, und dann auch nach Königsdorf. Der Rofan trug nicht mehr. Am Achensee ließ sich das Steigen nicht in Kreise fassen. Die Blauberge wuchsen immer höher.

Nach neun Stunden Flug setzte ich den Discus auf die gemähte Wiese in Achenkirch. Vincent folgte eine Minute später. Mein Ärger, dass dieser wunderbare Flug so enttäuschend zu Ende gehen musste, war maßlos. Doch es ließ sich nicht ändern; und zu zweit lässt es sich auf einer Außenlandewiese immer ganz gut aushalten.

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So lernte ich den zwei Meter großen französischen Fluglehrer Vincent Schwaller kennen, einen sehr guten Bergflieger und netten Menschen, mit einem hinreißenden Akzent!

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Samstag: Ich breche nach Ansbach auf

Die Meisterschaft war verloren. Tage später meldeten andere Piloten aus Mitteldeutschland noch größere Flüge. Somit hätten nicht einmal diese Punkte gereicht.

So gratuliere ich mit vollster Anerkennung Tobias Lübbe aus Backnang zum deutschen Meistertitel 2009!

Dies war der erste Teil des unmöglichen Luftsprunges. Dieser, und das muss ich eingestehen, dieser war tatsächlich unmöglich geblieben. Nun hieß es nach vorne schauen und in Ansbach alle Fähigkeiten, die ich in den letzten viereinhalb Jahren gelernt hatte, einzusetzen.

Fortsetzung folgt.

Endlich wieder los

Es war heute ungefähr Ein Uhr mittags, als Edi auf seinem Dienstfahrrad neben mir hielt und brummte: „Geh, tu net so viel Wasser nei, heut gehts eh net so guat.“

Tja, das sah ich selbst. Die sehr feuchte, sehr labile und sehr warme Luftmasse über Südbayern, die uns seit Tagen plagt, schickte im Osten des Flugplatzes Königdorf schon gegen Mittag hohe Türme in den Himmel, und wo es noch nicht überentwickelt hatte, sah der Himmel am Alpenrand äußerst unaufgeräumt aus: Viele Wolken, nur wenige echte Cumulusentwicklungen, und diese sehr tief. Das T-Shirt klebte mir am Körper und die Julisonne stach zwischen den Wolken heiß auf das Rollfeld herunter.

Aber ich tankte. Immerhin 50 Liter Wasserballast sollten mir den Discus 2c heute schnell machen.

Denn ich hatte ein gutes Gefühl, und wer wird sich schon von ein paar Wolken und ein bisschen Warmluft die Laune verderben lassen? Wer beinahe den ganzen Juni im Regen oder in Gewitterschauern am Boden verbracht hat, der sieht keine 6/8 Wolken, sondern die blauen Löcher dazwischen.

„Oiso, i schlepp di dann!“ Ich hielt beide Daumen nach oben und widmete mich wieder dem linken Flügeltank der 2D.

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Die D-EISD strafft das Schleppseil um zwanzig nach eins. Oh, wie ich es erseht habe, nach einer so langen fast nur wetterbedingten Pause diesen (zwar unterhaltsamen und wundervollen, doch nicht immer ganz einfachen) Planeten wieder zu verlassen!

Die Cockpittemperatur beträgt 38 Grad Celsius. Alle Lüftungssysteme sind voll geöffnet, und der erste leichte Fahrtwind beim Anrollen weht hoffnungsvoll um mein Gesicht.

Der Discus liegt folgsam in den Rudern und wir klettern über den Platzrand. In 500 Metern Höhe (Edi hat mich genau in den besten Aufwind der Umgebung gesetzt) werfe ich das Seil und beginne, in bis zu 2 m/s zu der kleinen Thermikwolke hinaufzukreisen.

Für meinen Geschmack viel zu früh, in nur 1450 m über dem Meer nämlich, wird es dunkel über mir und ich muss den Kreis verlassen. Meinen Kurs habe ich mir gegen den Wind, nach Nordwesten, gesucht, und flitze auf die nächste Wolke zu. Die Temperatur im Cockpit ist auf angenehme 20 Grad gefallen.

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„Sieben Null, München Info, Oberpfaffenhofen Delta ist aktiv.“ Was der Fluglotse da sagte, das gefiel mir gar nicht. Denn – Murphy´s Law? – die einzigen sicheren Thermikanzeichen auf meinem Nordwestkurs fanden sich genau über der Kontrollzone. Hätte ich lieber mal vor dem Abflug nachgefragt und einen anderen Kurs gewählt.
Nach einigem Kopfrechnen entschied ich mich, trotz der tiefen Wolkenbasis zu versuchen, die Kontrollzone in sicherem Höhenabstand zu überfliegen.

Dabei musste ich aber einen ziemlich schwachen Lift mitnehmen, um nicht abdrehen zu müssen, weil ich sonst in die Kontrollzone hineingesunken wäre.

Aber immerhin, es ging vorwärts! Zwischen den Flugplätzen Jesenwang und Landsberg am Lech stieß ich schließlich auf ein unsympathisch blaues Loch, so dass ich mich am Ende einer kurzen, aber schönen Wolkenstraße zur Umkehr entschied.

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Inning am Ammersee ist aber groß. Ich mag es nicht, wenn die Häuser so groß werden.

Ich erinnerte mich etwas betreten daran, was ich gelernt hatte: „Die letzte Wolke unter einer Wolkenstraße ist nie zuverlässig. Sie steht bereits unter dem Einfluss des negativen Faktors, der die Wolkenstraße überhaupt zum Aufhören zwingt.“

Tja, so auch heute. Ich sank.

Nach meiner Wende hatte sich das Steigen, das 10 Minuten zuvor noch verlässlich war, dazu noch völlig verflüchtigt und ich konnte nicht mehr auf die schon erprobten Stellen zurückgreifen. Musste ein breites Schattenfeld unter den Wolkenausbreitungen durchqueren und befand mich nun 450 m über der sonst recht kleinen Stadt. Doch für mich sind 450 m inzwischen kein Grund zur Verzweiflung mehr.

Mehr am Boden als an den Wolken orientierend, zog ich einen zerrissenen Meter. In einigen unzuverlässigen Blasen arbeitete ich mich langsam wieder nach oben und war schon bald für neue Untaten gen Osten bereit.

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Um kurz nach drei liegt das weite Häusermeer von München zu meiner linken. Die erneute Querung der Oberpfaffener Kontrollzone ist etwas knifflig, aber nicht weiter problematisch gewesen, und die thermischen Verhältnisse scheinen sich gebessert zu haben. Zwar kann ich nicht mehr sehr weit nach Osten, da eine breite Gewitterwand südöstlich der Großstadt droht, aber bis dahin fliege ich im Delphinstil. Bei Oberhaching wende ich. Dann nehmen die Schatten überhand und ich halte mich schon bald weiter südlich, um wieder in die Sonne zu kommen. Vorsichtig, deshalb in schwachem Steigen, geht es wieder nach oben. Ich beschließe, meine letzten 30 Bundesligaminuten nach Süden zu legen. Die Berge haben einfach eine magische Anziehungskraft.

Unterwegs komme ich an meinem Heimatflugplatz vorbei und kann hier auf 1800 m, die größte Höhe des Tages, steigen.

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Ich habe Musik angemacht. „One Last Time“ singen die Kooks, als ich mit dem linken Flügel ganz sachte über die Waldberge nach Kochel streiche. Von überall löst der Nordwestwind nun kleine Steigbläschen aus, die meinen Gleitflug strecken. Die Benediktenwand türmt sich vor mir auf.

Bei Benediktbeuern verschenke ich 20 Meter Höhe, um einen Kreis um drei Schwarzstörche zu ziehen, die mich hinter ihren knallroten Schnäbeln beinahe mitleidig, aber sehr interessiert ansehen. Ja, ich weiß: Ihr könnt es noch besser. Gute Reise, ihr drei!

Am Jochberg sind die 150 Bundesligaminuten vergangen, sicherheitshalber bin ich leicht über meiner Abflughöhe geblieben. 20 Kilometer sind es nur nach Hause von hier aus, und ich lehne mich in den Fallschirm wie in einen Wohnzimmersessel. Dann drehe ich das Flugzeug um 180 Grad und gehe auf Heimatkurs.

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300 Meter über den Königsdorfer Flugzeughallen schlug ich zwei weite Kreise ein und schaute hinab. Eine weite Spirale, dann stürzte ich mich mit 200 km/h hinunter. Die Ballast-Tanks öffneten sich, und ich zog eine zischende Fahne aus Wasserdampf flach über das Moor. Hochziehen, Landeanflug, um halb fünf berührte der Discus wieder den Boden.

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Flug

Es fühlt sich gut an, wieder geflogen zu sein. Im Moment halten K.P. , Thomas mit seinem Sohn Nikolai, und ich zu dritt den neunten Rundenplatz in der Bundesliga. Damit halten wir in der Gesamtwertung Platz 2. Mal sehen, was sich morgen tun wird!

Der Link zum Flug!

Ein Besuch in Antersberg und ein Gewitterflug

Siebte Bundesliga-Runde. Ausgangssituation: Die letzten beiden Wochenenden hatten uns in Königsdorf einen klaren Wetter-Nachteil gegenüber dem Norden gebracht, so dass wir den ersten Tabellenplatz schnell wieder abgeben mussten. Nun auf Platz vier, lag das Wetterglück am Sonntag, dem 07.06.2009 wieder ganz auf unserer Seite: Nur der Bereich südlich der Donau war überhaupt – wenn auch teils etwas spärlich – mit Thermik gesegnet.

So machten Thomas Wolf (G2), Hans Trautenberg (SC), Wolfgang Schieck (007) und ich als „Ersatzmann“ uns auf den Weg.

Die Windenstartstrecke war vom Regen zu nass, da bekam ich gleich einmal die Gelegenheit, unsere neue Schleppmaschine D-EISD auszuprobieren. Vielen Dank Sepp!

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Die Wolkenoptik war zwar recht vielversprechend, aber trotzdem hatten wir Probleme mit dem Wegkommen. Ich musste mich aus unter 300 m über Grund mit weniger als einem Meter Steigen nach oben mogeln, aber schließlich konnte auch ich abfliegen.

Am Anfang erwischte ich eine Wolke nicht, musste einen halben Kilometer zurückfliegen, dann endlich fing mein Bundesligaflug an. Gegen den Wind nach Westen kam ich gut voran, entdeckte vor Füssen den Hangaufwind am unmittelbaren Alpenrand an den Nordwestkanten, und flog sehr viel geradeaus. Wende kurz vorm Forggensee, Ostkurs mit Rückenwind. Der Flug wurde schnell.

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Als mir im Osten die Berghänge auf Kurs ausgingen, flog ich wieder ins Flachland, um den Rückenwindschenkel unter einer Wolkenstraße zu verlängern. Ich kurbelte über Holzkirchen bis an die Basis in 2000 m Höhe und versuchte dann, nach Osten im Delphinstil zu fliegen. Dass ich hier längst hätte wenden müssen, weil die Wolken auf Kurs von Süden her aufgefressen wurden, ahnte ich nicht.

Was ich zu spät bemerkte war, dass die Wolken immer mehr zu Blindgängern wurden. Bei Bad Aibling funktionierte keiner der Aufwinde mehr, und ich begann ein Alles-Oder-Nichts-Spiel: Jetzt irgendwo tief einen guten Aufwind ziehen, mit Rückenwind kurbeln und nach Westen zurück, das wäre die optimale Bundesliga-Wende. Ohne Thermik umzudrehen war sinnlos geworden, der einzige Ausweg war der Weg voraus.

Über dem Antersberger Flugplatz glaubte ich mich gerettet, als ein Astir mir einen Bart markierte. Doch nach drei Kreisen war auch hier nichts mehr zu holen.

Eine Viertelstunde kämpften wir zu zweit, dann soffen wir beide ab.

Auf dem Flugplatz Antersberg wurde ich freundlich in Empfang genommen. Was mich am meisten erstaunte und freute: Dort kannte man sogar schon meinen Namen! Es war sehr nett, die kleine Truppe um Christoph Schwaiger kennen zu lernen. Ein Absaufer hat eben auch seine positiven Seiten.

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Aus der Winde weiterfliegen? Schnell wurde klar, das ist unmöglich. Schlagartig hatte sich aus Süden kurz vor meiner Landung eine völlig andere Luftmasse in den westlichen Chiemgau eingeschlichen, die jegliche Thermikentwicklung im Umkreis von sicher 15 km verhinderte.

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Auf dem Bild sieht man deutlich die Falle, in die ich getappt war: in diesem Blau im Westen des Platzes waren vor einer Stunde noch die schönsten Cumulanten gestanden; mit meinem Kommen hatten sie sich aufgelöst.

Die anderen drei Bundesliga-Piloten flogen gerade im Moment 50 km weiter westlich in den besten Bedingungen Schnitte um 80 km/h.

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So blieb mir nur eine Möglichkeit, der Heimschlepp. Die Antersberger Savage (ein gelbes, Piper-ähnliches UL) zog mich gegen 17 Uhr wieder gen Westen. Das Problem, welches wir alle fast schon befürchtet hatten, wurde nun ganz deutlich. Nach dem Ausklinken und einem dankenden Abschiedswort im Funk bot sich mir dieses Bild auf Heimatkurs Südwest:

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Zum Vergleich, der Blick zurück nach Nordosten von der gleichen Stelle aus:

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Dass mir nicht gerade wohl dabei war, muss ich wohl nicht dazu sagen. In so einer Situation ist man klar im Vorteil, wenn man die Nerven behält. Ich verwendete erfolgreich die F O R D E C-Denkstrategie, die in vielen Fällen Leben retten kann. Hans und Mathias hatten sie mir einige Woche zuvor noch einmal eingeschärft: Meine Außenlandung in den Bergen während des Vergleichsfliegens hätte sie auch verhindert.

Fakten: Mein Zielflugplatz im Westen gerät in einen Gewitterschauer, der sich langsam nach Nordosten bewegt. Im Funk höre ich, dass gerade eben noch Flugzeuge sicher gelandet sind. Ich steige in einem verlässlichen Aufwind und kann auch ab 5 km nördlich meines Zielplatzes auf weitere Aufwinde schließen. Hinter dem Schauer über dem Flugplatz folgt ein 10 km breites Loch, dahinter zieht der nächste Schauer. Ich habe genügend Höhe, um in sicheres Gelände abzugleiten und dort zu landen.

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Optionen:

1. Ich kann sofort absteigen, bevor der Schauer noch schlimmer wird, und nun landen, wie es die Flugzeuge im Funk getan haben.

2. Ich kann mit meiner jetzt noch großen Höhe nach Norden fliehen und im besten Wetter landen.

3. Ich kann versuchen, nördlich des Schauers die Höhe zu halten und warten, bis der Flugplatz in der Lücke zwischen den zwei Schauern frei wird, um dann rasch abzusteigen und in Königsdorf zu landen.

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Risiken und Benefits:

Zu 1: Das ist mir eindeutig zu gefährlich. Am Boden können Böenwalzen die Landung unmöglich machen, auch die Sichtverhältnisse könnten zu schlecht sein.

Zu 2: Das ist völlig ungefährlich und sicher, bedeutet aber einen großen zeitlichen und eventuell finanziellen Rückholaufwand. Die Option ist gut, aber nicht die beste, solange 3. zur Verfügung steht:

Zu 3: Das ist nur dann sicher, solange ich mir einen Exit nach Norden auf die Wiesen bei Wolfratshausen und Gelting offen lasse und aufpasse, nicht in den Schauer hinein zu geraten. Der Schauer wird in spätestens einer halben Stunde abgezogen sein und eine ruhige, sichere Luftmasse zurücklassen. Das Zeitfenster zum nächsten Schauer ist begrenzt, aber groß genug. Außerdem ermöglicht es mir das Sammeln von Flugerfahrung am Rande einer etwas extremeren Wettersituation.

Decision: Ich nehme die dritte Möglichkeit.

Execution: Vorsichtig versuche ich, mehr über die Aufwindgegebenheiten am Schauer herauszufinden. Dort, wo es noch nicht regnet, wo der Schauer aber mehr und mehr hinzieht (auf der Nordostseite der Wolken also), geht es mächtig hoch, und ich kann neben den Wolken auf 2200 m steigen. Der Schauer bewegt sich langsamer als erwartet. Inzwischen hat sich Hans vom Boden aus im Funk eingeschaltet und ich bin erleichtert: Wenn ich nun vom Boden aus gelotst werden kann, kann ich nach dem Schauer sicher landen.

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Check: Ich überprüfe und hinterfrage die Entscheidung ständig. Durch meinen großen Höhengewinn ist mir die zweite Option weiter offen geblieben, außerdem habe ich Zeit gewonnen. Auch wenn der Schauer nur langsam schwächer wird, das Landezeitfenster wird bald kommen.

Beim Spielen mit den Wolken auf der Leeseite des Schauers sind beeindruckende Bilder entstanden, die aber nicht mal einen Bruchteil der gespenstischen Stimmung wiedergeben, die in Wirklichkeit direkt neben einem Gewitterschauer herrscht.

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Den Flugplatz im Bild oben erkennt nur, wer genau weiß wo er ist.

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Dann fange ich noch an, ein paar Trudelübungen mit dem Discus zu machen.

Sobald vom Boden die Info kommt, der Regen werde schwächer und der Platz langsam wieder landbar, kann ich es verantworten, hinter den Schauer, ins Luv im Westen also, zu fliegen. Dort geht es mächtig runter, so dass ich sogar mehr Höhe verliere als mir lieb ist. Zum Glück habe ich mit dem Versuch gewartet, bis der Platz einigermaßen frei ist. Trotzdem war es eigentlich noch zu früh.

Zurück etwas nach Nordosten, Parken im Nullschieber. Jetzt ist der Platz wirklich landbar. Hans gibt mir noch den Tipp, auf die Asphaltpiste zu gehen, weil das Wasser im Gras Zentimeterhoch steht. In ganz leichtem Nieselregen fliege ich mit viel Überfahrt an, es wird eine ganz normale Landung. Am Ende der Bahn stehen schon Nikolai, Thomas und Hans, und schnell haben wir den Discus vor die Halle geschoben, eingeräumt und abgetrocknet. Danke euch!

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Wohl war mir bei diesem Flug wirklich nicht, aber ich bin froh, dass ich dies Beeindruckende erleben durfte. Froh bin ich aber auch vor allem, dass ich heil und am richtigen Ort auf den Boden zurück gekommen bin, was mir kurz nach dem Ausklinken aus Antersberg als nicht gerade selbstverständlich erschienen ist…

Die Bundesliga-Runde hat Königsdorf übrigens trotz meines erneuten Patzers gewonnen: Wolfgang, Thomas und Hans haben 20 Rundenpunkte geholt und uns auf den ersten Tabellenplatz zurückgeholt!!!

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Segelflug-Bundesliga

Am vergangenen Wochenende vom 9. und 10. Mai war ein klassischer Fall von Bundesliga-Wetter. Das bedeutet: Für richtig große Strecken reicht´s sowieso nicht, Schauer machen die ganze Sache zusätzlich schwierig, aber geflogen wird trotzdem. Einerseits weil wir gar nicht anders können, andererseits wollen wir Königsdorfer nicht wieder Gefahr laufen aus der ersten Liga abzusteigen, was letztes Jahr fast passiert wäre.

Wie funktioniert die Segelflug-Bundesliga?

Die 1. Segelflug-Bundesliga ist ein Mannschaftswettbewerb, der von Mai bis September in Deutschland zwischen den 30 besten Vereinen ausgetragen wird. An jedem Wochenende findet eine der insgesamt 17 Runden statt. Um an Punkte zu kommen, muss jeder Pilot in einem frei gewählten, 150 Minuten langen Zeitfenster eine möglichst große Strecke zurücklegen, also eine möglichst hohe Schnittgeschwindigkeit erzielen. Die Flüge werden mit GPS-Rekordern aufgezeichnet und auf einer Internetplattform eingereicht.

Die Geschwindigkeiten der drei schnellsten Flüge pro Verein werden zusammengezählt, daraus eine Rundenwertung erstellt und die Punkte verteilt. 20 Punkte gibt es für den Rundensieger, 19 für den zweiten, und so weiter. Daraus ergibt sich dann die Bundesliga-Tabelle.

Die dritte Runde

In den ersten beiden Runden konnten wir uns durch schnelle Flüge und den neunten und vierten Rundenplatz den dritten Platz in der Tabelle erobern. An diesem Wochenende war das Wetter nun grundsätzlich nicht so gut vorhergesagt.

Am Samstag tankte ich 62 Liter Wasseballast in den Discus. Einfach so, um auch mal mit Wasser zu fliegen und um das Fliegen am Berg mit dem deutlich schwereren Flugzeug zu üben. (Runde Zahlen bringen Unglück, nämlich.)

Ich wollte mit dem Ballast nicht an die Winde gehen und machte relativ spät einen tiefen F-Schlepp über den Platz. Nach dem Ausklinken begann für mich ein einstündiger Aufenthalt in der Blauthermikhölle. Steigwerte unter 0,5 m/s, erschreckend große Flugzeugpulks, die alle auf das beste Steigen aus waren, und Operationshöhen zwischen 300 und 600 m Höhe. Keine Chance, in die Berge einzusteigen. Nach einiger Zeit kam ich dann doch noch auf 1600 m MSL und bastelte mich mit Five in die Jachenau vor. Hier merkte ich, wie gut der Discus mit Wasserballast im Gleitflug alle anderen abhängt! Während er fast außenlanden musste, konnte ich bequem den Latschenkopf anfliegen und mit fast 1,5 m/s auf 2700 m steigen.

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Doch die Tageszeit war schon so sehr vorangeschritten, dass an einen brauchbaren Bundesligaschnitt nicht mehr zu denken war. Das Wetter machte auch immer mehr zu.

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Aber, aufgeben gilt nicht, und so kämpfte ich mich über den Guffert in fürchterlichen Bedingungen nach Kufstein und zum wilden Kaiser.

Der Kaiser ging wirklich gut, aber dort waren auf engem Raum so viele Flugzeuge, dass ich schnell wieder Reißaus nehmen wollte. Das Wetter nach Osten sah traumhaft aus, aber da sich hinter mir schon Regenschauer aufbauten, traute ich mich nicht weiter und wendete.

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Die Berge wirkten auf einmal ziemlich bedrohlich und wenig einladend, aber ich genoss den Heimflug trotzdem. Nachdem ich am Sonnwendjoch nochmal kurz vor dem Regen auf 2300 m steigen konnte, flog ich noch weiter nach Westen, zunächst südlich am Regen vorbei.

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Am Soiern schließlich ging ich durch eine Lücke zwischen zwei kleineren Schauern über der Jachenau und dem Walchensee auf Heimatkurs.

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Es war zwar nur ein Bundesligaschnitt knapp unter 70 km/h (Gerd war früher gestartet und hatte im Inntal 107 km/h geflogen!), aber ein interessanter Flug von 212 km zwischen den Schauern.

Hier ist die Fluginfo.
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Der Sonntag sollte eigentlich in den Bergen noch weniger gut werden, so wie zum Glück auch im Rest der Welt. Sollte die komfortable Rundenführung, die wir am Samstag Abend durch Gerd und die beiden Christophe bekommen hatten, denn schon reichen?

Ich tankte kein Wasser, um an der Winde starten zu können. Das ist nämlich deutlich billiger. Mein Plan war, im Flachland das Maximale herauszuholen, denn dort sahen die Wolken einladend aus. Es galt, schneller als Christophs 94 km/h zu sein, um die Wertung zu verbessern.

Hans hatte für dieses Wochenende übrigens ein neues Motto für die Bundesliga: „Benni jagen“, in Anlehnung an die Runde vor zwei Wochen, wo ich zweieinhalb Stunden lang tief genug geflogen bin, um mit dem Discus 2 wirklich einmal eine Flugzeuglänge schneller als die Antares zu sein. Er hätte halt nicht so hoch steigen sollen, weil in direkter Bergnähe fast doppelt so viel Thermik geherrscht hat….:-)

Halb eins, Windenstart. Vor mir sind schon zwei Flugzeuge oben geblieben, doch mein direkter Vordermann muss nach einigen Suchkreisen wieder landen. So setze ich alles auf eine Karte (Wolke) und fliege nach dem Start direkt geradeaus weiter. Es geht mächtig runter, ich hab nur noch + 120 m bis Königsdorf auf dem Zander stehen, als der erwartete Bart mich von unten trifft. Schnell ist genügend Höhe gemacht, dass ich mich so richtig wohl fühle und Pläne schmiede.

Die Wolken im Flachland hören im Osten schnell auf, wie ich schon von hier aus sehen kann. Da kann man nicht viele Kilometer machen. Dann doch in die Berge? Ach, da ist es sowieso viel schöner! Los, ich fliege nach Südosten.

Der Einstieg klappt wie geschmiert, ich kurble hier jemanden aus, dort noch einen, und erfahre im Funk, dass Hans die gleiche Streckenentscheidung getroffen hat wie ich. Er kurbelt in der Nähe von mir.

Ich schreibe fleißig theoretische Abflugzeiten, Höhen und Steigwerte auf, um mein Bundesligazeitfenster möglichst gut berechnen zu können.

Wie aufgedreht fliege ich nun in die Tegernseer Berge, nirgends viel Zeit verlieren, von Grat zu Grat springen, es läuft gut. Denke ich zumindest. Doch was kurz gut lief, lässt mich zu optimistisch vorpreschen – südlich von Geitau finde ich mich in nur 1500 m NN wieder und habe nur noch eine einzige Option, bevor ich abdrehen und wahrscheinlich in Geitau landen müsste.

Doch die Option funktioniert, ich erwische einen guten Bart und kann sogleich zum wilden Kaiser springen. Hans hat einen ziemlich ähnlichen Fehler gemacht und gerät gerade auch in Schwierigkeiten. In den nächsten 30 Minuten werde ich ihm 40 km abnehmen. Die Kalkwände des Kaisers, der Loferer Steinberge und des steinernen Meers sind nämlich eine Stunde vor den Schauern vor lauter Energie kurz vor dem Explodieren und lassen mich die schnellsten 40 Minuten meiner bisherigen Fliegerkarriere erleben.

„Zwei Delta, Hochkönig, Zweitausendsechshundert.“ Das klingt doch so unfassbar schön, das muss gleich mal im Funk durchgesagt werden. Hans hat sich auch befreit und ist gerade am Kaiser in die steinerne Rennstrecke eingestiegen, die nun unmittelbar davor steht Schauer zu bilden und ihr Maximum an Energie in die Atmosphäre feuert. Nun hat das Bundesliga-Rennen so richtig begonnen, und Hans´ Tagesmotto, Benni jagen, bringt die Flugsituation der folgenden zwei Stunden genau auf den Punkt.

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In recht großem Abstand fliegen wir nach Osten.

Ich entscheide mich im Ennstal für die Talsüdseite und fliege dort den Hauptkamm entlang. Alles funktioniert, mir unterläuft keiner der sonst regelmäßigen kleineren Taktikfehler, und das Zusammenspiel von tiefster Konzentration und höchster Euphorie, das ich in letzter Zeit schon häufig erreichen konnte, treibt mich voran. Genau in diesem Flow, wenn mit dem Körper, dem Geist und der Technik einfach alles stimmt, liegt der Schlüssel, um wirklich schnell zu sein.

Kurz vor dem Flugplatz Niederöblarn südöstlich des Dachsteinmassivs, wende ich bei Kilometer 185 auf Königsdorf. Die Bedingungen werden etwas schwächer und ich mache mir schon Sorgen, ein paar Wolken zu weit geflogen zu sein. Ohne viel Zeit in zerrissenem Steigen verlieren zu wollen, fliege ich nun auf Westkurs und sinke schon unter 2000 m Höhe. Nahe Schladming schaffe ich es aber gleich, mit etwa 3 m/s wieder 1000 m dazu zu bekommen. So hat mich der kleine Durchhänger kaum Zeit gekostet.

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So geht es nun südlich an Zell am See vorbei. Im Funk erfahre ich, dass Hans auf den Talnordseiten noch einen drauflegen konnte: Er ist heute phantastisch schnell und hat seinen großen Rückstand fast eingeholt. Schon ist er nordöstlich hinter mir, bald genau nördlich neben mir.

Ich habe in den Tauern eine Staumauer entdeckt. Der See darüber ist allerdings sehr bemitleidenswert.

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Querab vom Gerlospaß steige ich zusammen mit einem anderen Discus 2c auf die größte Tageshöhe von fast 3500 m. Man kann in den Zillertaler Alpen Wellenwolken erkennen, weiter nördich davon bilden sich Schauer. Da die Bundesligazeit sowieso fast abgelaufen ist, entschließe ich mich, über das Zillertal heimzufliegen, um nicht vom Regen den Weg abgeschnitten zu bekommen.

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Erstaunlich, dass es erst vier Uhr ist. Der Himmel lässt den Tag dunkler und drei Stunden später erscheinen. Trotzdem habe ich noch nie in so kurzer Zeit so viele Kilometer erflogen.

Im Zillertal sehe ich Hans kurz vor mir kurbeln. Mit einer hoffentlich sehr eleganten hochgezogenen Fahrtkurve begrüße ich ihn, fliege einmal um ihn herum und tanze gleich weiter nach Norden, als ich den Aufwind nicht sofort treffe. Ich kann ihn fast grinsen sehen: „Benni Jagen“ war erflogreich.

Bundesliga-Flug aus, langsam fahre ich meine Systeme zurück, nehme das Gas aus dem Flug und schaue mir das herrliche Zillertal von oben an. Innsbruck Radar lässt mich nach Norden queren, der Weg zurück nach Deutschland ist frei. Die Höhe reicht jetzt schon bis nach Hause. Ich mache mir Musik an.

Über dem Achensee brodelt schon wieder ein Schauer. Er taucht das Gelände in ein fast unwirkliches Licht.

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Doch da muss ich jetzt durch, links und rechts von mir versperren Berge den Weg.

Wolfgang hat es erwischt, er ist 800 m unter mir mit seiner SZD 59 in den Regen gekommen und fragt im Funk, ob ich ihn eventuell mit dem Anhänger holen kann. Ich sage ihm zu, gespannt auf meine eventuell erste selbst gefahrene Rückholtour.

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Bald fängt es auch bei mir zu regnen an, und ich fühle mich gemütlich und doch unruhig.IMGP2258

Zurück im Hellen, habe ich 50 m Höhe mehr verloren, als mir lieb ist. Ein paar Kreise an den Blaubergen und der MC-Hebel am Rechner 😉 holen die alte, große Sicherheitshöhe zurück und ich zische hinaus ins Flachland.

Der Flug hat etwas über vier Stunden gedauert und etwas über 400 km gebracht. Eine Bilanz, die sich mit 105 km/h Bundesligaschnitt zumindest nicht verstecken muss vor Gerd und Hans (123 km/h, meinen uneingeschränkten Respekt!). Zu dritt haben wir den Rundensieg geholt und sind nun Tabellenführer der ersten Liga. Yeeha!

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Epilog: Wolfgang retten!

Nachdem ich gelandet bin und vor die Halle rolle, bekomme ich einen wunderbaren Empfang. Die ganze Kinderhorde von Schiecks und Wolfs tollt sich um den Discus: „Der Benni ist wieder da, der Benni ist wieder da!“ Wo warst du? Ist das weit weg? Wie hoch bist du geflogen? War es schön dort? Hast du Mike den Maulwurf dabei?

Adrian schaut mir zu, wie ich meine Ausrüstung aus dem Cockpit hole, und wirft einen argwöhnischen Blick auf den Sitz.IMGP2262

„Bist du die Müllabfuhr, oder wie?“, fragt er.

Dann darf er sich auch ins Cockpit setzen. Ich finde, da ist noch etwas Potential.IMGP2263

Kurz darauf klingelt das Telefon. Wolfgang. Er hat sich zwar noch über den Achensee drüber gekämpft, aber dann war es in Achenkirch einfach vorbei. Er ist auf der bekannten Wiese etwas südlich der Ortschaft gelandet.

Schnell werden Handynummern ausgetauscht, Wegbeschreibungen eingeholt, und seine Frau Nelia weist mich kurz in den wunderbaren VW-Bus ein. Sie muss mit den Kindern heim, deswegen darf ich fahren. Paul kommt auch noch mit. Wir hängen den blauen Anhänger an, und schon geht es los!IMGP2264

Paul und ich haben einen Heidenspaß mit dem Gespann. Vorsichtig fahre ich über teils enge Straßen, kaum schneller als 60. Sechzig PS ziehen einen riesigen alten Bus und einen riesigen neuen Flugzeuganhänger. Wenn das mal gut geht!

Und es ging gut. Langsam aber fröhlich kommen wir über den Achenpass ins Zielgebiet. Ich finde es sehr spannend, das Flugzeug zu suchen, und wir finden auch recht schnell hin. Da stehen die beiden, Wolfgang und die SZD. Und ein paar interessierte Kinder, klar!

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Dann lädt uns Wolfgang noch zum Essen ein, bevor wir uns auf in die hereingebrochene Dunkelheit machen. Ein kräftiges Tiroler Abendessen im Bauch, Gedanken an einen 400 km-Flug im Kopf, im tollsten VW-Bus den ich kenne, brausen wir drei durch die Nacht. Ich kann mir kaum etwas schöneres denken.

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Teil 4: 1670 km in drei Tagen

Das Wetter wurde tatsächlich gut. Am Sonntag, dem 12.04.2009, kam ich mit dem Plan zum Flugplatz, erneut mit dem Discus über die 500 km- Marke zu kommen.

Beim Briefing um neun Uhr hatten wir ein richtig volles Haus: Das strahlende Wetter lockte allerlei Piloten aus dem verlängerten Winterschlaf, und die Nachbarn aus Benediktbeuern, deren Flugplatz momentan durch Erdarbeiten unbenutzbar ist, waren kurzerhand zu uns umgezogen. Mein Freund Martin, meinstens in einer DG-200 unterwegs, war auch in dem lustigen Haufen.

In den beiden Einsitzern wollten wir uns nun auch auf Kurs werfen, aber leider war Martins Maschine am Vorabend beim Abrüsten an einer Steuerstange verletzt worden.

Bei der Flugzeugvergabe wurden alle Flugzeuge, die wir hatten, belegt. Ich hatte mir die 2D gesichert, wie immer. Letztlich blieb allerdings ein Flugzeug übrig: Der Duo.

Martin sagte nichts, auch ich dachte zuerst nur kurz nach, sah Martin an, dann den Doppelsitzer, dann wieder Martin, und dann waren mir alle Standardklasse-Punkte des heutigen Tages egal. „Komm, wir holen ihn aus der Halle.“

So kam es, dass wir beide im Duo auf Strecke gingen, mit dem Ziel der 500 km im Hinterkopf.

Hier geht es zur Fluginfo.

Bilder vom Flug gibts heute mal weiter unten: Ich hab herausgefunden, wie man Slideshows bastelt.

Es war nach halb eins, als die Thermik im Flachland endlich losging. Wir starteten an der Winde und flogen in guter Blauthermik in die Berge, mit dem Ziel, zunächst den Dachstein 160 km im Osten zu erreichen.

In den Tegernseer Bergen katapultierten uns bis zu 5 m/s Steigen in den Himmel. Über den wilden Kaiser und die Leoganger Steinberge  kamen wir schnell bis ans Steinerne Meer. Dort ging es an der langen Südwand nur abwärts, so dass wir uns aus unter 2000 m wieder an einen niedrigeren Südhang retten mussten. Beim Hochkurbeln trafen wir Hans. Zusammen beschlossen wir, auf die Südseite der Alpen zu springen, da dort gute Cumuluswolken standen und hervorragende Bedingungen versprachen. So stiegen wir so hoch wir konnten und glitten vorsichtig über die eisbedeckten hohen Tauern. Ich vertraute Hans in dieser Flugphase, denn ich hatte das noch nie gemacht. Auf der Südseite sah alles ganz unbekannt und neu aus, auch wenn ich auf der Karte und im Simulator schon oft dort gewesen war. Erst nach einigen Minuten fiel mir die Orientierung leichter.

Wir flogen in zunehmend starken Flugbedingungen an Mauterndorf vorbei zum Millstätter See, dann das Drautal entlang bis Lienz. Im Gegensatz zur völlig blauen Alpennordseite gab es hier  hervorragende Wolken, die das Steigen zuverlässig markierten.

Danach entschieden wir uns, da es schon nach vier Uhr war, über den Felbertauern-Pass nach Norden zurückzugehen.

Über das Pinzgau und das Zillertal flogen wir auf Westkurs ins Inntal. Westlich von Innsbruck, es war halb sechs vorbei, wollte ich auf Heimatkurs gehen, doch Hans war sich des Wetters sicher und zog uns noch mit sich zum Venetberg, etwa 100 km südwestlich unseres Heimatflugplatzes. Die Bedingungen schwächten deutlich ab, aber noch konnten wir mit zuverlässigem Steigen rechnen.

Es war schon irgendwie absurd, als wir uns im Cockpit sagten: „Jetzt ist es nach sechs Uhr, und wir haben noch 100 km nach Hause zu fliegen. Wenn das mal gut geht.“

Am Tschirgant stiegen wir dann im letzten verlässlichen Aufwind des Tages auf 3500 m Höhe. Rein rechnerisch sollte das bis nach Hause reichen! Doch Hans, der inzwischen 10 km voraus war und zunächst meinen Plan, die Zugspitze westlich zu umfliegen, erfolgreich ausprobiert hatte, meldete einige Kilometer nördlich dieser Wand starkes Fallen und Lee-Einflüsse. Dies bestätigte: Wir haben Nordwind. Während Hans und seine Antares in immer größere Probleme gerieten und schließlich sehr tief in den Hangwind am nördlichen Soierngrat einsteigen mussten um nicht in Krün zu landen, konnten Martin und ich diese Informationen in einen optimalen Flugweg ummünzen: Wir querten den Wettersteingrat auf die Nordseite, konnten dort auf Ostkurs unsere Höhe für 5 km halten und mit bequemer Höhenreserve über den Walchensee ins Flachland hinausgleiten. In über 600 m Höhe kamen wir zuhause an.

Hans, der uns vor dem Fehler bewahrt hatte, selbst ins Lee östlich von Garmisch zu fallen, kam 15 Minuten später auch noch an. Der Nordwind hatte ihn wieder hochgetragen.

Die Bilder vom Flug:

Letztlich waren es 538 km in etwa sechseinhalb Flugstunden. Wir sind zwar wie Kraut und Rüben geflogen, aber das Sightseeing auf der Südseite war es eindeutig wert!!

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Am nächsten Tag, dem 13. April 2009, wollte ich mich dann mal wieder um DMst-Punkte kümmern. Der heutige Tag sollte sich als einer der besten im ganzen April herausstellen, denn heute war auch auf nördlich des Hauptkammes mit freundlichen Wolken zu rechnen.

Langsam liebäugelte ich auch ernsthaft mit den 600 Kilometern. Im April, das wäre schon ein Ding.

(Das Blog- Schreiben ist gerade ungeheuer schwierig, weil ich von einer riesigen, sabbernden Miezekatze belagert werde.)

Der Link zum Flug!

Ein wieder verhältnismäßig später Start kurz vor 12 Uhr Ortszeit. Eine feste Aufgabe hatte ich nicht angemeldet. Zuerst nach Osten, dann nach Westen, das war mein Plan, mit der Option, vielleicht auch auf die Südseite zu springen. Denn dort hatte ich es gestern schon ganz toll gefunden.

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Im Funk herrschte Hochstimmung. Es wurde geklagt, gejubelt, übertrieben, taktiert und gescherzt, genau wie es sich an einem Ostermontag über den Bergen eben gehört. Anhand der Funkmeldungen und der Wolkenoptik entschied ich mich für den Einstieg über den Achensee. Eine ziemlich gute Idee, denn prinzipiell brauchte ich von den Blaubergen bis zum Gerlos nicht viel zu kreisen. Erst am Gerlos begann ich kurzzeitig zu schwitzen, als ein fieses Lee mich über dem hohen Gelände unter 2500 m drückte. Zur Not wäre ich lieber ins tiefe Zillertal zurückgekehrt als weitergeflogen, doch ein anfangs schwacher, dann passabler Bart half mir mit 400 Höhenmetern.

Nun konnte ich durch den recht starken Dunst endlich ins Pinzgau sehen. Über der Nordflanke stand etwas, das wie eine Wurst aus Wasserdampf aussah. Irgendwie unnatürlich, gar nicht mehr wie Cumuluswolken. Entweder das Pinzgau geht heute überhaupt nicht, oder so richtig gut, dachte ich.

So flog ich knapp unter 3000 m Höhe unter den Anfang der Wurst, auf Ostkurs, hoping for the best.

20 Minuten später und 300 Meter höher, und noch dazu ziemlich sprachlos, überquerte ich Zell am See. Keinen Kreis hatte ich fliegen müssen, ich war genau zur richtigen Zeit am richtigen Ort gewesen. Wenn das so gut geht hier, dann wird die Südseite sicher auch toll. Also bereitete ich mich auf die Hauptkammquerung südlich von Bad Hofgastein vor. Ich ritt den Grat nach Süden hinauf und traf auf Peter in der DG 600. Zusammen holten wir die letzten Höhenmeter für die Querung des Alpenhauptkammes.

Selbst aus 3200 m Höhe konnten wir nicht richtig sehen, welche Wolken dort im Süden standen und wie gut es dort gehen würde. Im Funk schalteten sich auch Hans und Wolfgang Hake jun. ein, die den gleichen Plan zur Querung hegten. Etwas planlos und unsicher glitten Peter und ich in Richtung Wand, in den undurchblickbaren Dunst hinein. Hans entschied sich einige Kilometer hinter mir aufgrund der Optik eindeutig zur Umkehr.

Ich dachte noch einmal nach, dann zog ich den Discus nach links tat es ihm gleich. Peter wollte es dennoch versuchen.

20 Minuten später wurde er bei Villach zur Außenlandung gezwungen. Mir wäre es auch nicht besser ergangen.

Die schnelle Planänderung ließ mich zuerst etwas ziellos weiter nach Osten fliegen und die Eislandschaft unter mir zu bewundern. Ich kurbelte noch einen Aufwind auf 3100 m, dann wandte ich mich nach Westen, was die anderen beiden schon vor 5 Minuten getan hatten.

Südlich von Zell am See sah ich zum ersten Mal in meinem Leben wilde Steinadler. Die beiden Tiere stiegen in meinen Aufwind ein und begleiteten mich mehrere Minuten lang darin.

Bis ins Inntal zurück war´s business as usual, sodass ich bald an der Nordkette war. Dort ließ mich der Fluglotse einen Umweg nördlich von Innsbruck machen, da ihm zu viele Segelflugzeuge die Waldbrand-lösch-Hubschrauber-Aktivitäten zu behindern schienen.

Dies kostete mich zwar etwa fünf Minuten, aber der gute Bart an den Arnspitzen brachte mich schnell wieder ins Rennen.

Über dem Tschirgant runzelte ich die Stirn: Hä, Regen? Tatsächlich. Es war vier Uhr und es begann zu schauern. Hans meldete 30 km weiter südwestlich, im Engadin, schon massive Schaueraktivität. Er riet mir, nicht in die Schweiz, sondern richtung Arlberg weiterzufliegen, um „trocken“ zu bleiben.

Ich find es immer super, ein neues Gelände kennen zu lernen. Also flog ich das Paznauntal hoch, um dort mehr Kilometer zu gewinnen. Die Berge hier empfand ich als noch imposanter als die im Engadin, obwohl ich sie ja eigentlich nur von der anderen Seite her sah.

Um halb fünf wendete ich am Stausee bei Galtür, bei dem das Tal zu Ende ist und der Pass nach Davos im Weg steht.

Zwar war es noch sehr früh am Abend, aber ich hatte ja auch noch fast 160 km nach Hause. Außerdem schien es im Inntal inzwischen stelleinweise ernsthafter zu regnen. Um kurz vor fünf flog ich an zwei großen Schauern vorbei über den Tschirgant. Am Vortag war ich über eine Stunde später hier gewesen!

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Ich kam nochmal auf 3100 m Höhe und sah gute Chancen, im regenfreien niedrigeren Gelände nochmals „tanken“ zu können, um meine Strecke nach Nordosten ins Flachland verlängern zu können. Dann würde vielleicht sogar noch ein FAI-Dreieck aus dem Flug!

Also flog ich in inzwischen recht sicherer Endanflughöhe an der schaurig-stimmungsvoll stehenden Zugspitze vorbei. Dabei bildete sich an meinen Flügelvorderkanten kurzzeitig sogar Eis, was ich nicht besonders lustig, dafür aber irre spannend fand.

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Die hohe Kiste schenkte mir tatsächlich noch einmal Energie bis auf 3000 m Höhe. Auch im Flachland konnte ich noch zweimal je 200 m Höhe gewinnen und hatte etwas nördlich von Königsdorf nun 1900 m Höhe über Grund zum Abgleiten.

Erst kurz vor Grünwald musste ich laut Rechner umdrehen. Nun musste zum Ausklinkpunkt am direkten Alpenrand zurück fliegen und dann noch nach Königsdorf, um dort zu landen.

43 km Gleitflug lagen vor mir.

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Schön. Einfach schön.

Ich landete um sieben Uhr, nach insgesamt 590 OLC-Kilometern und über sieben Stunden Flugzeit.  Mein FAI-Dreieck war 544 km lang geworden und brachte mir 604 Punkte für die DMst.

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Und das Wetter blieb gut. Nach acht Flugtagen mit nur zwei Pausetagen dazwischen musste ich mich dennoch im Zaum halten: Irgendwann macht das der Körper und die Psyche einfach nicht mehr mit.

Aber noch war ich fit, einmal fühlte ich mich noch fähig, auf Tour zu gehen. Dann allerdings konnte das Wetter so gut bleiben wie es wollte, es war erstmal genug.

14.04.2009

Nun wollte ich es aber wissen. Ich meldete ein 563 km langes FAI-Dreieck um den Wildkarkogel in den hohen Tauern und Zernez im Engadin an. Thomas Wolf mit seiner LS 6 würde mich begleiten und „ziehen“.

Der Link zum Flug!

Wir starteten um halb zwölf, eigentlich wieder zu spät. Herbert Weiß, der eine halbe Stunde vorher losgezogen war, sollte heute ein 700 km FAI-Dreieck um Nötsch und St.Moritz heimbringen.

In den Tegernseer Bergen hatten wir anfangs Probleme hochzukommen, ab Kufstein allerdings lief der Flug gut. Wilder Kaiser, Loferer, Steinernes Meer. Etwas nach Süden, schon waren wir an der ersten Wende. Erstaunlich fand ich, wie gut der Discus mit der 3 m größeren LS 6 im Gleitflug mithalten konnte; beim Steigen allerdings leisten deren Wölbklappen ganze Arbeit und lassen die Standardklasse in der Tiefe zurück.

An der gleichen Stelle wie am Vortag trafen wir wieder auf das Adlerpaar, das ich gestern schon gesehen hatte. Ob sie mich auch wiedererkannt haben?

Ganz klassisch übers Pinzgau ging es ins Inntal. Da wir an der Nordkette viel Zeit in schwachen Bedingungen verloren, war es bereits halb fünf, als wir endlich ins Engadin einsteigen konnten. Eine kurze Rechnung bestätigte, dass wir Zernez nicht mehr erreichen konnten, wollten wir nicht auf dem Heimweg mangels Thermik liegen bleiben. Also flogen wir nur noch bis zum Reschenpass, stiegen dort auf unglaubliche 3800 m Höhe und machten uns auf einen fast völlig problemlosen Heimweg. Und jetzt lassen wir mal wieder Bilder für sich sprechen:

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Trotz eines gescheiterten FAI-Versuches war es ein großartiger Flug, immerhin 541 km weit und wieder beinahe sieben Stunden lang.

Und dann fuhr ich heim, und schlief erstmal. Schließlich hatte ich ja eigentlich Ferien.
Auch die folgenden zwei Tage wären zum Fliegen brauchbar gewesen, aber… man soll ja aufhören, wenn´s am schönsten ist.

Teil 2: „Angemeldet 510 km FAI“

Der Link zum Flug!

Die Idee dazu kam mir am Abend nach dem Flug mit Jan. Nein, eigentlich ist die Idee schon älter, nämlich hatte ich mir schon nach meinem ersten und bis dahin einzigen freien 500-Kilometer-Flug im Juni 2008 Gedanken über einen vorher deklarierten (und damit 30 Prozent Punktezuschlag bringenden) 500er Dreiecksflug gemacht. Auf diesem Flug, so hatte ich mir den Plan im Herbst zurechtgelegt, könnte ich größere Dreiecke in Richtung 700 km Streckenlänge und darüber hinaus aufbauen, indem ich die beiden Wendepunkte immer weiter nach Südosten bzw. Südwesten herausschiebe und den zweiten Schenkel auf die Südseite des Alpenhauptkammes lege.

In den Wintermonaten dann hatte ich Landkarten studiert, mir jeden Talverlauf eingeprägt, die Geländehöhen und die Landemöglichkeiten mental eintrainiert, die Strecke auf Schwierigkeiten und Besonderheiten untersucht  und hatte schließlich einen Flugzeitplan vor mir liegen, anhand dessen ich den Flug rechtzeitig abbrechen konnte, wenn ich zu spät dran wäre. Im Mai, hatte ich gedacht, im Mai könnte ich es dann mal versuchen.

Doch nun war der Abend des 6. April, ich war mit Wolfram im Vereinsheim und wir schlugen gerade unser Lager zum Schlafen auf. Der Gedanke ließ mich einfach  nicht los. Der Wetterbericht sagt „mässig“, etwas besser als heute, warum also nicht versuchen? Abbrechen kannst du den Flug immer noch. Also entschied ich mich vor der großen Wandkarte im Büro für die Dreiecksstrecke Bad Tölz – Ardez (Engadin) – Bad Hofgastein – Bad Tölz. Etwa 510 km würden das sein, eine Sache von fünfeinhalb bis sechseinhalb Stunden Flug.

Dann ging ich schlafen.

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Wir standen früh auf, um die Halle auszuräumen. Auch Wolfram und Jan, der wenig später anrollte, wollten auf Strecke gehen. Ich würde es versuchen, und ich war zuversichtlich. Wer wird sich hinstellen und zweifeln, wenn er an einem hellen Frühlingsmorgen nach Süden blickt und die Aussicht auf einen ganzen Tag über den Bergen hat?

So packte ich Ausrüstung, Verpflegung und Maulwurf in die 2D und speicherte die Strecke in den Bordrechner ein. Wenn ich den Kurs heute umrunde, dann sind das über 600 Punkte, das hatte ich ausgerechnet.

Der Zeitplan, den ich sehr pessimistisch und vorsichtig gerechnet hatte, sah einen Start frühestens um 10:30 und spätestens um 11:30 Ortszeit vor. Doch die Thermik wollte nicht so recht anfangen, und mit der ersten kleinen Böe stieg ich mich mit zehn Minuten Verspätung in den Discus ein. Es war 11:45, als mich Edi mit seiner rosa Schleppmaschine in Richtung Blomberg zog. Der Zwiesel schickte zuverlässiges Steigen um 2 m/s nach oben, und schnell hatte ich genug Höhe, um meinen Abflugpunkt, das Alpamare in Tölz, wie geplant in 1800 m über dem Meer zu umrunden und die Aufgabe zu beginnen. Zurück über dem Zwiesel, verlor ich nicht viel Zeit mit Steigen, ich drängte nach Süden in die Jachenau. Mein Rückstand hinter dem Zeitplan war nun fast eine halbe Stunde. Latschenkopf, Talquerung. Südöstlich des Soiern fand ich den ersten guten Aufwind des Tages: Über 3 m/s ließen mich fast 3200 m Höhe erreichen. Der Einstieg war geschafft.

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Im Inntal sah ich einzelne Entwicklungen, so dass ich die Standardroute über die Arnspitzen, Mieminger, Tschirgant und Venet wählte.

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Es lag irrsinnig viel Schnee im Süden. Trotzdem war der Einstieg ins Engadin unproblematisch. Hans und Christoph, die ich am Venet getroffen hatte, waren auch auf Südwestkurs. Hexenkopf, Muttler, überall kamen nun kräftige Aufwinde herauf, so dass es nicht nötig war, viel zu kreisen. Schnell kamen wir gegen den Wind voran.

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Als ich am Muttler vorbeiflog, waren es nur noch 30 km bis Ardez. Vor dem Piz Linard kurbelten wir zu dritt einen starken Aufwind bis 3300 m Höhe, ich warf einen letzten Blick auf die majestätische Antares und auf Christophs Discus, die ihr Glück noch weiter im Südwesten suchten.

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24 Minuten hinter dem Zeitplan umrudete ich die vorher gesteckte GPS-Marke in Ardez und machte mich auf den Weg nach Osten –  doch nun hatte ich den Wind im Rücken.

Und wie der mich vorantrieb. Und noch dazu war ich nun so richtig eingeflogen. An Kreisen dachte ich nicht einmal im Entferntesten, als ich mit bis zu 180 km/h das Engadin herunterraste, Muttler, Hexenkopf, Venet, schon war ich wieder im Unterinntal. An den Miemingern hatte sich mein Zeitrückstand auf 6 Minuten verkürzt, seit der Wende war mein Schnitt bei fast 124 km/h. Ich nahm Funkkontakt mit Jan und Wolfram auf,  die im Osten geblieben waren und etwa 50 km vor mir den gleichen Kurs wie ich flogen. Von ihnen bekam ich nützliche Infos über das Wetter und konnte meinen Stil gut anpassen. „Euch hol ich schon noch ein“, witzelte ich im Funk.

Nordkette, Innsbruck, Achensee. Der Flug war völlig problemlos. Der Fluglotse gab mir eine Fregabe zur Querung des Inntals. Am Kellerjoch jedoch überzeugte mich das schwache Steigen nicht: Da kommt sicher noch etwas besseres. Doch wo ich auch suchte, fand ich nur Sinken. Komisch.

Plötzlich schlug ich mir auf die Stirn: Den gleichen Fehler hast du im letzten Juni auch schon gemacht. Damals hatte ich mich hier im Zillertal mit nur 1800 m Höhe herumschlagen müssen und eine halbe Stunde Zeit verloren.

Nachmittags in niedriger Höhe einen Südosthang anzufliegen, ist meistens irgendwie ziemlich dämlich. Die Sonne steht im Südwesten, der Wind kommt aus Westen, wo warst du nur mit deinen Gedanken.

Meine nur mehr 2200 m Höhe hatte ich mir selbst eingebrockt und wollte es nicht noch schlimmer machen. So querte ich auf die Ostseite des Zillertals, flog an einen einladenden Hang und kreiste in angenehmen 3,5 m/s Steigen ein. Gerettet – viel Zeit hat das nicht gekostet. 10 Minuten hinterm Zeitplan.

Querab vom Gerlos stieg ich ins Pinzgau ein. Jan und Wolfram, 20 Minuten vor mir, berichteten von keinen guten Aussichten im Osten: Große blaue Löcher, vom Schnee her gedämpfte Thermik. Aber da drüben, 110 km weiter, liegt mein Wendepunkt? Bestimmt geht der ganz prima, der Osten.

Ich versuchte, in den wirklich schwachen Aufwinden nicht viel Zeit zu verlieren und die Thermikoasen um Zell am See ohne Zeitverlust zu erreichen. Ob ich Bad Hofgastein umrunden können würde, wusste ich nicht mehr. Wolfram und Jan, in Discus 2/18 und LS 4 unterwegs, hatten gewendet und flogen mir entgehen, Kurs nach Hause. Jan war etwa so tief wie ich und es war ein beeindruckender Moment, als wir mit über 300 km/h Relativgeschwindigkeit aneinander vorbeirauschten. Als Gruß wackelten wir mit den Flügeln, dann zogen wir unserer Wege.

Jetzt war es 16 Uhr und ich hatte mich irgendwie nach Zell am See gemogelt, ohne gute Thermik. Trotzdem kam ich hoch genug an, um am Hundstein mit zwei österreichischen Flugzeugen zusammen mit über 3 m/s auf 3400 m Höhe zu steigen. Die 10 Minuten Zeitrückstand hatten sich trotz der schwachen letzten Stunde auf 10 Minuten Vorsprung ausgebaut. Auch wenn in der Nähe des Haupkammes, wo ich hinwollte, keine Wolken mehr waren: Irgendwie komm ich da schon rum.

Kurs auf den Wendepunkt, noch 30 km. Ins Blaue hinein. Thermik gab es hier, südlich des Tales, offensichtlich echt keine. Na, sehr beruhigend. Auf der Westseite des Gasteiner Tales ritt ich den Grat hinauf nach Süden, doch nirgendwo war greifbares Steigen. 2600 m. Ich müsste nur das Tal überqueren, dort ist der Wendepunkt. Ich bin gerade so noch in der Zeit, rein Rechnerisch würde ich dann noch heimkommen, aber was, wenn ich da drüben zu tief komme, um noch Anschluss nach oben zu bekommen? Hier am Ende der Welt außenzulanden wäre nicht so lustig. Soll ich, soll ich nicht? Während meiner Gedanken hatte ich das Flugzeug in einem Aufwind ohne Steigen und ohne Sinken „geparkt“ und überlegte. Mit jeder Sekunde, die ich wartete, sank die Sonne tiefer. Ich wog alles genau gegeneinander ab, kam zu keinem logischen Ergebnis.

Und dann flog ich einfach los, glitt 10 km durch unbewegte Luft und umrundete den Wendepunkt in 2600 m Höhe. Wer wird denn 10 Kilometer vor der zweiten Wende umdrehen, fragte ich mich. Jetzt nur obenbleiben, einfach heimfliegen.

Über dem Gamskarkogel schenkte mir der Westwind fast 50 m Höhe, und mehr nach Gefühl fand ich etwas weiter nordöstlich dann doch wieder etwas Thermik. Stark wars nicht, ich erreichte auch nicht einmal 3000 m, aber ich kam vorwärts. Drei solcher Aufwinde in kurzer Zeit brachten mich so weit westlich, dass ich tatsächlich eine kleine Wolke in 3100m anfliegen konnte. Mit diesem Höhenpolster erreichte ich die Nordseite des Salzachtales. Zwei hohe Wolken zogen gut, über dem Pass Thurn konnte ich über 3400 m Höhe steigen.

Mann wäre das eine Sache, wenn ich die 600 Punkte nach Hause fliegen könnte. Noch ungefähr 100 km. Aber leider, genau wie im letzten Juni, trockneten die Wolken auf Kurs überall ab und ich musste den Umweg über den Gerlospass nehmen, wo die einzigen Wolken weit und breit standen, die mich sicher heimbringen könnten. Es war schon nach fünf Uhr. Das Pinzgau schien nun weder auf der Nord- noch auf der Südseite zu funktionieren. In 2200 m Höhe schlich ich über den Pass. Der Gleitflug vom Pass Thurn hatte mich 1200 m gekostet! Nun lag es an den Westhängen des Zillertals, zu entscheiden: Komme ich heim, oder sitze ich im Inntal?

Doch das Kreuzjoch ließ mich nicht hängen. Bald fand ich unter der vorletzten Wolke, die ich sehen konnte, etwa eineinhalb Meter Steigen am Hang. Erst in engen Achten, dann in vorsichtigen Schleifen, schließlich in Kreisen ging es ein letztes Mal auf 3000 m, das genügte mir.

Ich holte die Freigabe vom Innsbrucker Controller, nach Norden zu queren, überflog den Achensee und zog meinen MP3-Player aus der Bordtasche. Die Luft war hier im Norden fast unbewegt, nur der Westwind erzeugte kurze, beruhigende Steigböen an der Ostseite des Achentals.

Die Songs, die ich hörte, waren diese:

– Andy Mckee: Rylynn

– Coldplay: Viva la Vida

– Dire Straits: Your Latest Trick

– Farin U: Unscharf

– Brand New: I will play my game beneath the spin light

– Nelly Furtado: Forca

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Das ist übrigens Delta Mike, der Maulwurf. Er ist seit über zwei Jahren mein Copilot.

Die Lichtstimmung im Endanflug war überwältigend.

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Und dann war ich da. Meine Ankunftshöhe war kontinuierlich gestiegen, so dass ich das Alpamare in über 700 m Höhe überflog und noch Zeit hatte, ein bisschen nach Norden herauszufliegen.

„Zwei Delta geht auf Platzfrequenz.“
Ich liebe diesen Satz. Man könnte genau so gut sagen: Ich hab´s geschafft, ich bin wieder zurück. Yeah.

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Sechseinhalb Stunden Flug. Einfach klasse.

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Mein Zeitplan, das hat es mir außerdem gezeigt, stimmte einigermaßen. Ich kann darauf aufbauen. Wenn die Thermik nur noch eine Stunde länger hält und ich eine Stunde früher starten kann, dann habe ich sie tatsächlich auf dem Papier, die 700 Kilometer FAI.

Langsam begann ich diese Wetterlage zu mögen. Sie schien sich fortzusetzen…

Von Wolke zu Wolke.

Hier meldet sich die Alpha Lima India November Alpha. Überraschenderweise wurde ich zur Co-Autorin erwählt. Dieser Ehre gebührt eine sofortige Reportage. Diese wird vermutlich recht unkonventionell ausfallen, denn vom Wetter hab ich keine Ahnung. Ebenso wenig von Thermik, Physik und Flugstrategien (gibt es die überhaupt?). Deswegen bin ich auch Co-Autorin und nicht Co-Pilotin.

Eigentlich hatten Benny und ich uns einen denkbar schlechten Tag zum Fliegen ausgesucht. Aber für ihn gibt es anscheinend kein schlechtes Flugwetter. Und ich hab ja sowieso keine Ahnung davon.

Nach einer meteorologisch sicherlich grandiosen Frühsommerwoche, war der Himmel am Morgen unseres Flugtages verhangen und grau. (Mit der Aussicht auf einen Segelflug ist es nicht sonderlich ermutigend von den aufs Dach fallenden Regentropfen geweckt zu werden.)

Wir trafen uns am Flugplatz Königsdorf. Bei, ich würde sagen, gefühlter Windstärke 8 oder 9. Abenteuerlich wirkten die zu beobachtenden Windenstarts deswegen natürlich nicht.

An den makellosen, vollkommenen, ästhetischen Tragflächen des Duo Discus erfühlte ich erneut die unfassbare Schönheit eines Flugzeugs und das grenzenlose Fernweh.

Auf, auf und davon.

Doch zunächst mussten wir uns den Duo Discus frei kämpfen. Eingekeilt lag er in mitten der anderen Flieger. So chaotisch der Blick in so eine Halle auch sein mag, faszinierenderweise berührt hier drin kein Flugzeug das andere. Schwer vorstellbar, is aber so. Jedenfalls machte uns die gefühlte Windstärke 8 oder 9 beim Abstellen der Flieger im Freien doch zu schaffen. Weggepustet, umgekippt, davongeblasen… Nein, wir haben schon aufgepasst. Die Flieger sind heil geblieben.

Duo Discus raus. Dann dieser Check, dessen Namen ich mir nicht merken kann. Sieht wie folgt aus: Alina klettert ins Flugzeug, betätigt einige Hebel, während Benny das Flugzeug umkreist, hier und da ein wenig rüttelt, zieht, etc. (Immerhin weiß ich, das dieser Check gemacht wird, damit wir nicht fahrlässig vom Himmel plumpsen.)

Warteschleife. Kaum zu glauben, das so viele Fliegen wollen. Benny erklärt mir, dass wenn das Flugzeug noch nicht ganz oben angekommen ist, aber das Seil schon ausklinkt oder gar reißt, dann gäbe es einen lauten Knall und er würde ein Notverfahren einleiten. Völlig in Ordnung. Benny kann alles.

Und dann ging es los. Flieger auf die Startbahn, Fallschirme anziehen, anschnallen, Windenseil einklinken, Deckel druff, Handzeichen und… Holperdipolter – aber nur ein paar wenige zehn Meter, denn schon hob unser Flieger vom Erdboden ab.

Einfach so, hinauf gezogen. Abgehoben.

Mit einem Affenzahn in steilem Winkel direkt nach oben auf die Wolken zu. Dann, ein lauter Knall.

Hätte Benny in diesem Moment nicht gesagt, „So, wir sind oben.“ – Ich glaube ich hätte ein eingeleitetes Notverfahren erwartet.

Ich kann nicht mehr so genau sagen in welche Richtung wir geflogen sind. Ein bisschen Osten, zurück nach Westen, ein wenig nach Norden.

Fliegen ist die schönste Sache der Welt. Und wenn man hinten sitzt, kann man sich ohnehin fast nur auf die Tatsache konzentrieren, dem Kopf begreifbar zu machen, das man fliegt, ohne ihn dabei zu verlieren. Und die Aussicht genießen. Von oben, das muss mal erwähnt werden, sieht man noch nicht einmal Erhebungen in der Landschaft. Da sieht alles ganz platt aus.

In der Luft herrschte Windgeschwindigkeit 100. Ich meine natürlich, der Wind pfiff mit einer Geschwindigkeit von 100 km/h. Der Duo Discus stand in der Luft. Fiel nicht herunter, flog nicht vorwärts. Stand einfach. Beeindruckend, wenn man weder vom Wetter noch von Physik den blassesten Schimmer hat.

Unser Flug kreiste im wahrsten Sinne des Wortes um ein Ziel: Aufwinde finden. Hatten wir einen, so flog Benny darin kreiselnd nach oben. Dafür gibt es sicherlich einen Fachbegriff. Aber dafür bin ich noch nicht zuständig. Auch wenn das unsere Hauptbeschäftigung war, allein schon deshalb weil wir nicht auf die Erde zurückkehren wollten, so durfte ich trotzdem auch mal fliegen.

Und zwar immer dann, wenn wir uns nach oben hatten trudeln lassen (also, wenn Benny uns nach oben geflogen hatte) und wir auf der Suche nach einem neuen geeigneten Aufwind waren.

„Jetzt darfst du mal“, kam es von vorne, „Versuch mal die Wolke da geradeaus anzufliegen. Unter jeder Wolke befindet sich ein Aufwind. Und jetzt flieg!“

Mein erster eigener Flug, von dieser Wolke zur nächsten, wand sich wie eine Schlange. Ich hatte kein Gefühl dafür, wie man Pedale (nennt man die so?) und Steuerknüppel (Fachsprache bitte, Herr Kapitän!) betätigt um ans Ziel zu kommen.

Aber ich kam an. Bei der besagten nächsten Wolke. Der Pilot übernahm wieder und ich äußerte mein absolutes Unverständnis darüber, wie er es schaffte den Flieger so perfekt geradeaus zu fliegen.

„Ist gar nicht so schwer. Du musst nur immer wieder ausgleichen. Und probier mal aus, was passiert wenn du nur Pedale oder Steuerknüppel betätigst.“

Benny, die Hoffnung noch lange nicht aufgegeben, überließ mir erneut das Steuer mit der Anweisung: „Flieg mal die Wolke da vorne an. Diesen kleinen Fetzen da.“

Ich weiß jetzt schon gar nicht mehr, was ich so gravierend anders machte, jedenfalls flog ich. Und zwar ziemlich geradeaus. Mein Pilot hatte außer „Nimm die Nase unter den Horizont!“ nicht viel einzuwenden. Irgendwann erklang sein (ich bilde mir ein entzückter) Ausruf: „Ich hab schon seit 15 Minuten gar nichts mehr gemacht!“

Irgendwie lief das dann plötzlich also doch ganz gut. Wir flogen nach Osten. Wendeten über Dietramszell, überquerten Geretsried (eine von oben absolut potthässliche Stadt), erreichten sogar noch in geschätzten 400 Metern Höhe das Ufer des Starnberger Sees. Oder zumindest fast.

Von da an wurde unser Flug zu einer der schönsten Qual die ich mir vorstellen konnte. Das verzweifelte Suchen nach Aufwinden, um ja nicht landen zu müssen… Herrlich.

Schließlich, wohl oder übel, mussten wir dann doch landen, nachdem Benny mir erklärt hatte, das die Königsdorfer es nicht soooo witzig fänden, wenn man ihren Kirchturm abrasiere.

1 Stunde und 44 Minuten waren wir unterwegs.

Fügung oder Schicksal.

Unser Flugzeug kam weit vor der Halle zum stehen. Unmöglich hätten wir es gegen den Wind in sie hinein schieben können. Unmöglich. Eine willkommene, ein wenig eingeredete Unmöglichkeit.

Also: Ein zweites Mal abheben. Ein weiteres Mal kreiseln. Ein Feststellen, das einfach keine Aufwinde in der Nähe zu finden sind. Eine Landung nach acht Minuten Flugzeit, bei der Benny den Duo Discus fast direkt in der Halle geparkt hätte.

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Ein Hoch also auf meinen Magen, der das alles völlig ohne Murren mitmachte.

Und ein Hoch auf Benny, der sogar ein welkes Blatt im Wind steuern kann.

Fliegen. Fliegen. Fliegen.

Zum Schluss noch einmal Emily.

To make a prairie it takes a clover and one bee,

One clover, and a bee,

And Revery.

The revery alone will do,

If bees are few.

Danke Benny, nicht zuletzt für die Affäre mit der Freiheit.

Die Osterflüge, Teil 1: Unterwegs mit Jan

Es war zu viel, und es war zu gut, um es in Worte fassen. Auch die Bilder reichen nicht. Aber es muss einfach ein bisschen erzählt werden. Let´s begin.

Montag, 6. April 2009

Der Link zum Flug!

Nach einer selbst für seine Verhältnisse sehr langen Pause war schon Tage zuvor ein Raunen durch die Flieger aus Königsdorf gegangen, es gab ein paar Sichtungen, man hat ihn wohl irgendwo in einem Discus gesehen, am Windenstart, unter einer Wolke, in der Flugzeughalle. Irgendwann verdichtete sich das Gerücht zur Gewissheit: Jan ist wieder da!

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Die Wettervorhersage war gut, und es war für uns beide klar: Heute muss geflogen werden, und zwar zusammen.

Bald war der Duo Discus „007“ klargemacht, mit allerlei Müsliriegeln und Wasserflaschen ausgestattet und ein 322 km FAI-Dreieck angemeldet.

Am späten Vormittag starteten wir an der Winde, hatten einige Probleme mit dem Steigen in der schwachen Blauthermik, und erst nach einer Stunde Kampf konnten wir im Verband mit Patrick Kuhl im Discus 2c in den ersten richtigen Aufwind am Blomberg einsteigen.

In den Bergen gab es sogar Wolken, so dass der Flug zum Spaziergang wurde. In Höhen um 3000 m ging es über die Benediktenwand, die Arnspitzen und die Mieminger Kette bis zum Venetberg bei Landeck, unserem ersten Wendepunkt im Westen. Dann, immer noch mit Patrick im Schlepptau, das Inntal nach Osten, vorbei an Innsbruck. Über Wörgl und die Hohe Salve stiegen wir ins Pinzgau ein, wo wir sahen, welche Schneemassen in den Bergen im April liegen.

Bei zuerst schwachen Bedingungen nahmen wir unseren zweiten Wendepunkt am Pass Thurn und flogen zurück in die starke Thermik richtung Gerlospass.

Dort noch ein Aufwind, die Freigabe vom Innsbrucker Controller wurde geholt, und aus 3200 m Höhe ging es mit hoher Geschwindigkeit nach Nordwesten zurück, Zillertal, Achensee, Blauberge, und daheim waren wir. Wir landeten nach etwa viereinhalb Stunden.

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Ein Spaziergang, dieser Flug. Patrick fand´s langweilig („Nicht mal ein schwieriger Tiefpunkt dabei!“), für Jan und mich war es ein toller erster Alpenflug dieses Jahr.

Dass dies nur der Anfang einer großartigen Wetterperiode sein sollte, ahnten wir noch nicht.

…Fortsetzung folgt!

Low save

Der Link zum Flug!

Gestern hab ich eine Tiefflugübung gemacht. Ziemlich unfreiwillig.

Der Wetterbericht für den Samstag war in den Vortagen nicht besonders eindeutig gewesen: Von „mäßig“ bis „kaum nutzbar“ gingen die Thermikvorhersagen auseinander. Trotzdem blieb ich in der Nacht von Freitag auf Samstag am Flugplatz, in der Hoffnung, doch irgendwie ein bisschen fliegen zu können.

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Man sieht es schon im Hintergrund: Das frühe Aufstehen hatte sich keineswegs gelohnt und ein dichter, grauer Himmel verhinderte jeden Gedanken an einen halbwegs frühen Start. Trotzdem bereitete ich den Discus 2c vor: schließlich wollte ich die Kabinenbelüftung, die ich am letzten Regenwochenende modifiziert hatte, testfliegen.

Ich half Sascha und Dieter dabei, zwei weitere Flugzeuge aufzurüsten und verbrachte die frühen Mittagsstunden ziemlich unschlüssig. Alle paar Minuten blickte ich zum Himmel. Der wurde und wurde einfach nicht heller.

Die ersten Schulflugzeuge starteten und wir werkelten ein bisschen an Leitwerk und Cockpit der LS 4 herum.

Um zwei Uhr wurde mir das alles zu doof. Ich stellte mich einfach mal in die Startreihe. Es hatten sich ein paar winzige blaue Löcher aufgetan. Ganz sicher geht´s irgendwo hoch.

Um 14:30 katapultierte mich die kräftige Elektrowinde in die Luft. Zwanzig Sekunden später und 380 m höher. Die Flugsicht war mehr als bescheiden:imgp1646

Ich war nicht mal überrascht, als es dann tatsächlich leicht außerhalb der Platzrunde zu tragen begann. Etwa 0,5 m/s Steigen konnte ich festnageln und zog mich daran nach oben. Bald wurde einer, dann 1,5 Meter daraus. Ich liebe Segelfliegen.

Die schwammigen CU-Wolken hatten zwar, wie ich nach einigen erfolgslosen Kreisen herausfand, nichts mit der Thermik zu tun, aber in deren Höhe von 1400 m über dem Meer (nur 800 über Grund) war trotzdem Schluss.

Der Wind pustete mäßig aus Nordosten, und die einzige Möglichkeit, heute ein Stück mehr von der Welt zu sehen als die Platzrunde, sah ich in der anderen Richtung. Also flog ich mit dem Wind fort nach Südwesten.

Ich merkte schnell, dass das Thermikfinden an diesem Tag oft Zufall war. Vielleicht fand ich deswegen keine mehr. Über Penzberg einige Kreise in schwachem Steigen, doch ich wollte weiter. Sicher geht es im Süden besser. Manchmal ein kleiner Lupfer, sonst nichts. Die bisher hübschesten Wolken des Tages über Sindelsdorf funktionierten nicht im Geringsten. Ich kam in etwa 500 m über dem Moor nördlich des Kochelsees an, fand nur zerrissene Steigböen, die ich nicht ausfliegen konnte, und geriet schließlich in eine stark sinkende Luftmasse unter den dortigen Quellwolken.

400 Meter. Minus drei pro Sekunde. Sollfahrt, drücken. Vielleicht hier drüben, an der Luvkante. Ein Lupfer, nein, wieder nichts. 350 Meter. Dann dort, über den freien Bodenflächen. Hier kann man prima landen, klar.

Noch könnte ich auch zum Privatflugplatz in Kochel hinübergleiten und komfortabel niedergehen. Aber dann müsste ich jetzt aufgeben, und wenn es irgendwo hochgeht, dann hier. Nein, lieber auf den Acker, und dafür noch zwei Minuten Thermik suchen.

(Diese Entscheidung hat mich nur zwei Sekunden gekostet.)

Ich ließ das Flugzeug die Thermik erfühlen, bemerkte behutsam jedes Flügelwackeln, jede Geschwindigkeitsänderung. Immer ein hoffnungsvoller Zieh-Impuls, wenn ein Stoß von unten kommt. Vorsichtig kreisen, ganz eng. Das Variometer blieb auf Null. Hier geht doch was. Noch ein, zwei, drei solche Kreise, ich sinke nicht mehr, steige noch nicht.

Da, ein Bussard. Ich bin 280 Meter über den Wiesenflächen nördlich des Kochelsees. 50 Meter südlich von mir dreht ein Bussard seine Kreise. Gerettet? Ich verlagere meinen eigenen Kreis, um den Bussard außenrum. Plus 0,5. Plus 1. Der Bussard findet mich ziemlich groß und relativ unelegant, aber er bleibt bei mir. „Mal sehen, ob er es hinbekommt, wo ich ihn doch jetzt schon gerettet habe“, scheint er zu sagen. imgp1641

Zwölf Minuten klammerte ich mich in dem schwachen Aufwind fest, und als ich immerhin wieder 600 Meter hoch gestiegen war, besaß ich den Mut, mir einen neuen, stärkeren Lift zu suchen.

Ich fand ein Stück weiter richtung Murnau, wo mich herrliche 2 bis 3 m/s auf unglaubliche 1700 m Höhe schossen. Jetzt war ich höher als die umgebenden Wolken, und vergaß für eine Weile alles. Ein Watte-Paradies mit den fantastischsten und chaotischsten Wolkenbildern, die man sich vorstellen kann. Der kurze Flugabschnitt zum Staffelsee zwischen den Wolken war einfach genial.

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Vom Staffelsee zog ich eine Linie entlang des östlichen Ufers des Starnberger Sees, die einigermaßen sicher zu befliegen aussah. Über den Osterseen zog ich einige Kreise in schwachem Steigen, um die Osterseen zu fotografieren, die im Moment ungewöhnliche Farben aufweisen:

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Kurz darauf fand ich wieder einen recht guten Aufwind bis 1500 m. Ich flog noch weiter nach Norden bis nahe Starnberg. Auf dem Rückweg verlor ich wieder den Anschluss an die Thermik und fand mich ziemlich tief bei Münsing wieder. Von Wolkenfetzen zu Wolkenfetzen tastete ich mich vor, den Gleitwinkel streckend, aber zum Steigen reichte es nicht. Wieder kam ich unter 300 m über Grund, diesmal wäre ich auf die hügeligen Wiesen östlich des Sees gegangen. Doch diesmal war ich mir sicher, wieder wegzukommen, weil ich noch viele Optionen zur Thermiksuche hatte. So bastelte ich mich wieder hoch und beschloss, auch als das Steigen wieder besser wurde, heimzufliegen. Ein dritter solcher Tiefpunkt ist nicht gut für meine Nerven, da kann das Fliegen so viel Spaß machen wie es will.

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Nicht ganz 100 km sind dabei herausgekommen, nicht ganz zwei Stunden hab ich dafür gebraucht. Nicht ganz mein Lieblingswetter, aber es hatte einen hohen Lerneffekt.

Und jetzt weiß ich wenigstens, dass Strohhalme in der Kabinenlüftung eine ziemlich gute Idee sind.

Aller guten Dinge sind dreihundert

Der Link zum Flug!

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Wer sich ein bisschen auskennt, kann aus den Bildern sofort drei sehr, sehr schöne Dinge erkennen:

– Das Segelflugzeug befindet sich auf Kurs nach Nordosten, etwa 17 Kilometer nach dem Abflug von Königsdorf.

– Es ist etwas mehr als 1800 Meter über dem Meeresspiegel hoch.

(Und jetzt kommt das beste!)

– Es steigt im Geradeausflug bei 100 km/h imgp0146mit bis zu 3,5 Metern pro Sekunde nach oben.

Eine Sache dagegen ist dabei nicht ganz so erfreulich  (–>):

Die Temperatur beträgt weniger als minus 12 Grad Celsius.

Ach, was tut man nicht alles… Aber lasst mich erzählen, wie es zu all dem überhaupt gekommen ist.

Ich hatte so gehofft, dass nach dem etwas nassen Winter-Ende endlich einmal wieder ein Wetter kommt. Eins, mit dem man etwas sinnvolles anfangen kann, vielerlei sogar: Am Fluss Gitarre spielen, draußen sitzen, Eis essen, Jacken ausziehen und Thermik fliegen.imgp0124

Nachdem Hans mit seiner neuen Antares und ich mit zwei Fluggästen schon am Mittwoch einfach nicht anders konnten, als die ersten Fetzen von schwacher Frühlingsthermik auszufliegen, sah am vergangenen Freitag die Wettervorhersage für Samstag genügend gut aus, um meinen Kopf endgültig und unwiderruflich  in den „Sommer“-Modus zu bringen.

Mäßige Wolkenthermik, stand da.

Okay, im Sommer gähnen da manche, aber im März haut einen das so rapide aus dem Winterschlaf raus, dass man am Tag vor dem Flug auf einmal sehr hektisch nach seiner Sonnenbrille, seiner Flugkarte und seiner Streckenflugausrüstung sucht, die man allesamt im letzten Herbst traurig, aber bestimmt in die Ecke gelegt hatte.

Der Samstagmorgen begann weiß-grau. So ein Märzmorgen, bei dem sich der Nachbar (ein Fußgänger) empört zur Seite dreht, während der komische Pilot von nebenan um acht aus dem Bett hüpft und freudig „Entwicklung! Cumulanten!“ schreit. Da waren nämlich Quellwolken, und es war kein Geheimnis, dass in drei Stunden die Sonne herrliche Aufwinde zu ihnen hinaufschicken würde.

Um kurz nach neun war ich am Flugplatz. Hans, der mir das Fliegen damals beigebracht hat und jetzt für mich ein bisschen wie ein Trainer ist, war natürlich schon da. Kurze Zeit später hatten wir unsere beiden Flugzeuge aus den Anhängern gezogen und die Flügel montiert.

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Links Hans´ brandneue und brandheiße Antares „Sierra Charlie“, und rechts jener herrliche Discus 2c mit Rufnamen „2 Delta“, der mich dieses Jahr bei allerlei Wettbewerben und Abenteuern tragen wird.

Weil Hans trotz immer besseren Wetters noch einige Übungsflüge mit einem Flugschüler machte, startete ich fast eine Stunde früher als er, um 12:21 Uhr Ortszeit. Karl schleppte mich auf 600 Meter Höhe.

Ohne festen Plan, mit dem Gedanken einfach zu FLIEGEN, zog ich los. Der Himmel war mehr als zur Hälfte bedeckt, doch die Struktur der Unterseiten machte trotzdem relativ deutlich, wo die Luft aufstieg und wo nicht. Bald spürte ich zum ersten Mal in diesem Jahr die typischen Anzeichen für Thermik: Die nervösen Zuckungen in der Luft nahe des Aufwindes, das kurz imgp0132verstärkte Sinken, und schließlich die angenehm heftige Beschleunigung nach oben, wenn man den Lift genau im Kern trifft. Noch bevor das Vario die drei Meter Steigen richtig anzeigte, hatte ich den Discus schon auf den rechten Flügel aufgestellt und leise „Yesss“ gemurmelt.

Achthundert Meter höher und euphorische sechs Minuten später war ich an der Wolke dran. Die Wetterentwicklung westlich des Flugplatzes ließ auf gutes Steigen schließen, die Wolken waren klar strukturiert und die Sonneneinstrahlung schon stark. Aber.

Es war nicht wirklich logisch, eher instinktiv. Ich flog zielstrebig in die andere Richtung, nach imgp0139Osten. Ich war mir vollkommen sicher, die richtige Entscheidung getroffen zu haben, und fühlte mich nach einem längeren Gleitflug bestätigt. Denn dort fand ich genau, was ich vermutet hatte: Die verschwommenen Cumuluswolken, die eher wie breite Abschirmungen aussahen, waren nichts anderes als versteckte Aufwindreihungen, die mir das Kreisen fast vollständig ersparten und mich in Windeseile nach Nordosten trugen. In meinen 1500 m versuchte ich kurz, durch Kreisen wieder höher zu gelangen, aber schnell merkte ich, dass es im Geradeausflug leichter ging.

Ich wollte einfach weg, und hier fand ich, was ich dazu brauchte.

In der Nähe von Aying, als die Wolkenstraße zu Ende war, wechselte ich eine Wolkenkette nach Süden, die sich besser entwickelt hatte, wendete, und brauste wieder zurück nach Westen. Ich fühlte mich, sobald ich den direkten Anschluss an die Thermik verlor, manchmal etwas angespannt, fast schon unsicher, wo es denn jetzt wieder hoch geht (Die Winterpause war lang und das merkt man einfach), aber ich merkte schnell, dass ich nicht unsicher zu sein brauchte. Es lief einfach gut heute, und es lag nicht nur am neuen Flugzeug.imgp0144

Der Weg nach Westen führte mich nördlich an Holzkirchen vorbei zurück nach Königsdorf, weiter über Seeshaupt und den Hohenpeißenberg bis kurz vor das Lechufer. Es war nie nötig, viele Kreise zu machen, ich stieg auch nicht bis zur Basis, denn ich fand keinen übermäßig starken Lift und konnte meine Höhe von etwa 1600 m auch im Geradeausflug behalten. Das war mir Sicherheit genug.

Erst kurz nach der zweiten Wende, als ich wieder nach Osten flog, verlor ich meinen Rhythmus und die Wolkenstraße fuimgp0131nktionierte für mich nicht mehr vernünftig. Ich probierte unter den ziemlich dichten Wolken quer zum Kurs einige Stellen aus, die nicht genug Steigen für meinen Geschmack lieferten, und verlor etwas Zeit dabei. Fast wollte ich schon nervös werden und nach einem guten Landeplatz spähen, als ich bei den Osterseen endlich wieder einen kleinen Lupfer fand. Als ich mit der Windrichtung nach unten peilte, fiel mein Blick auf eine Waldkante, die irgendwie nach Ablösepunkt aussah. Ich verlagerte meinen Kreis, und sofort standen 2-3 m/s auf dem Vario. Wenigstens ging es nun, aus nur etwa 500 Metern über Grund, wieder hoch.

Mit dem Wolkenstraßenfliegen war es jetzt großenteils vorbei, aber durch diesen kleinen Rückschlag war ich gewappnet und änderte meinen Flugrhythmus. Jetzt wurde mehr gekurbelt und zielstrebiger vorgeflogen – vorwärts kam ich trotzdem. Ich merkte mir nun die Stellen der Aufwinde und konnte so ohne Risiko nach der dritten Wende etwa 40 km östlich des Startpunktes, bei Bad Aibling, relativ tief zurückfliegen.

Zwei Wendepunkte konnte ich nach den Regeln des OLC jetzt noch legen, bis keine Kilometer mehr gezählt würden. Und langsam setzte sich ein Gedanke fest, der meinen Ehrgeiz um so mehr aktivierte – probieren wir, über die 300 km zu kommen! Das wäre, gemessen an der Jahreszeit, für mich selbst ein wirklicher Erfolg. Dann musste ich also noch, ich rechnete und grübelte, ungefähr 130 km weiter flieimgp0150gen. Also nichts wie nach Westen zurück!

Ich mag Berge. Und weil die Wolken auch im Süden ganz zuverlässig aussahen, flog ich nun ein bisschen weiter an den Alpenrand. Die Thermik wurde merklich schwächer, es war ja auch schon kurz vor halb vier und die Sonne sank tiefer – doch ich wollte weiter, musste immer an die dreihundert denken. Immer mal wieder in einem oder bestenfalls zwei Metern Steigen eindrehen, und sonst tapfer geradeaus fliegen. So kam ich bis zum Flugplatz Eschenlohe.

Wenden, wieder zurück. Für die dreihundert Kilometer musste ich jetzt noch einmal irgendwo östlich der Linie Tegernsee – Holzkirchen kommen und dann noch bis nach Königsdorf zurück. Doch um vier Uhr wollte ich eigentlich gelandet sein, war ich doch am selben Abend noch in Nürnberg auf einem Geburtstag eingeladen. Ich rechnete ein wenig und machte das Gelingen meines Plans von dem Geschehen der nächsten 15 Minuten abhängig.

Und die Bedingungen waren schwach. Ich konnte weiterfliegen, aber nur recht langsam. Über dem Buchberg, direkt am Alpenrand, fand ich einen „Müden Meter“, wie ich ihn im Funk nannte. Da es voraus nicht gut aus sah, beschloss ich, bis zehn vor Vier zu steigen und dann nach Hause zu fliegen. Die Dreihundert waren ja schließlich nicht unbedingt das Maß der Dinge, und ich war zufrieden, dass ich meinen Zeitplan erfüllen würde.

imgp0149Pünktlich flog ich ab, um im Osten die letzten Kilometer zu sammeln. Mit den Dreihundert hatte ich ganz trocken abgeschlossen.

Hans, der im Westen bis Kempten und inzwischen wieder zurück geflogen war, erzählte im Funk von noch recht starken Bedingungen weiter nordöstlich, und ich antwortete während meines letzten Gleitfluges: „Ja, bei mir ist es ein bisschen schlechter, immer so null fünf, manchmal ein Meter pro Sekunde unter den Wolken, ein komma fünf, zwei, dreieinhalb, warte mal!!!“ Ich drehte den Flieger und fand mich in einem ungewöhnlich starken Aufwind über Bad Tölz, dessen starker Sog nach oben mich den Blick auf die Uhr einfach vergessen ließ. Der musste es sein, der würde mich bis hinter Holzkirchen und heim nach Königsdorf bringen, dies war der entscheidende Bart des Tages.

Notfalls konnte ich immer noch sagen, mein Flieger hätte Verspätung gehabt.

Ich stellte den Bordcomputer auf die richtigen Werte ein, kalkulierte jeden Meter und flog genau in der richtgen Höhe ab, um bei meinem Steigwert schnellstmöglich an den Wendepunkt zu kommen. Mit 170 km/h flog ich aus 2000 m Höhe nach Osten, drehte genau zwischen Tegernsee und Holzkirchen um und nahm endlich (Die Füße wurden langsam kalt, siehe oben) Heimatkurs.

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Zehn Minuten später zischte ich mit 200 km/h das entlang, was ich den „Tiefen Gegenanflug“ nenne. Unter der Position zog ich hoch, fuhr das Fahrwerk aus und landete mit etwa 15 Minuten Verspätung. Die dreihundert Kilometer hatte ich tatsächlich geschafft.

Als ich ausstieg, merkte ich erst, wie kalt mir trotz meiner langen Unterwäsche, den drei Paar Socken und meiner jugendlichen Hitze war. Und ich war sehr erschöpft – Das Fliegen unter diesen Bedingungen war wirklich anstrengend.

Vier Stunden war ich unterwegs. Vier Stunden, an die man sich gerne erinnert.

Frühlingsanfang.